Nun, hier ist mein Erstlingswerk

Ein flüchtiges Lächeln huschte über ihre Lippen, kaum wahrnehmbar, aber doch so
intensiv, daß es ein Zufreidenheit zum Ausdruck brachte, welche sie seit längerer
Zeit nicht mehr verspürt hatte.
Die Kühle der Nacht umhüllte sie noch, als sie ein weiteres Stück Holz in die
schwach lodernden Flammen legte. "Es wird gleich wärmer" sagte sie, als sie sich
vor dem Kamin erhob und ihren Gast lächelnd ansah. Gleichsam spürte sie den
Blick des Gastes auf sich und gleichzeitig spürte sie einen leichten, aber nichts
desto weniger kalten Luftzug, welcher durch das gebrochene Fenster neben der Tür
den Weg zu ihr gefunden hatte. Ein Frösteln überzog ihren Körper.
Der Gast, schick gekleidet, ansehlich, anders wie die meisten Gäste, die den
Weg in ihrer bescheidenen Unterkunft gefunden hatten, blickte auf sie und erwiederte
nur ein leichtes Nicken mit dem Kopf. Obwohl der Blick ihres Gastes irgendwie
kühl auf sie wirkte, dachte sie nur an die Pennys, die sie bekommen würde.
Was solls dachte sie, hab hier schon schrägere Typen gehabt, welche nicht
so viel für ihre Dienste entlohnt hatten, als wie sie es mit diesen Gast vereinbart hatte.
Alles in allem war es für sie ein erfolgreicherTag gewesen. Sie war durch ein
Mahl mit Kartoffeln und fisch gesättigt und hatte zu guter letzt noch einen Kunden,
welcher für das Auskommen der nöchsten Tage sorgen würde.
In diesem Moment fielen ihr die Mietrückstände ein, die sich für ihre einfache
doch behagliche Unterkunft angesammelt hatten. Sie blickte sich um, der Raum
war in diesem wärmenden Halblicht gewandet, welches nur der Schein eines
Feuers und einer Kerze zustande bringen konnte. Es hatte erwärmende
Wirkung, wenn nur dieses verdammte Loch im Fenster nicht wäre.
"Möchtest du den Mantel nicht ablegen" fragte sie keck, als sie den spartanisch
eingerichteten Raum hinüber zum Bett durchquerte. Vielleicht dachte sie,
vielleicht würden noch ein paar Pennys mehr abfallen, wenn sie sich besonders
Mühe mit dem Gast geben würde. Der Gast legte seinen Mantel ab, während
sie sich ihr Oberkleid entledigte. Wenn dieses verfluchte Loch im Fenster nicht
wäre, wieder überkam ihr ein Kälteschauder, eine Gänsehaut überflutete langsam
aber intensiv ihren Körper.
In ihrem Unterkleid bekleidet ging sie zum Tisch hinüber, um die Kerze aus zu-
blasen. "Was haste denn da in dem Päckchen" gragte sie den Gast, welcher
seinen Mantel über die Stuhllehne abgelegt hatte. "Das ist etwas für dich" ant-
wortete der Gast mit einem kühlen aber nicht unsympathischen Lächeln.
"Für mich" kam es ihr verwirrt über ihre Lippen. "Ja" hörte sie den Gast sagen,
während dieser das Päckchen ausrollte. Ihr Herz schlug vor freudiger Erwartung
schneller, sie konnte ihr Glück, welcher der heutige Abend ihr bescheren sollte
nicht fassen. Sie nahm sich vor, den Gast besonders zu verwöhnen.
Etwas blitze im Schein der Kerze, welche sie eigentlich Löschen wollte.
Zuerst dachte sie eine Silberkette bevor sie erkannte was dies für ein Gegenstand
war. Sofort wurde ihr bewußt, wer ihr Gast ist, "Oh Mörder" hörte sie sich noch
sagen, dann wurde es kälter und eine dunkelheit überkam sie.
Die Kerze brannte weiter, ihre Flamme flackerte im Luftzug, welcher sich
immer noch seinen Weg durch den Raum bahnte.