jacktheripper.de
Fachliche Themen => Allgemeine Diskussion => Thema gestartet von: Isdrasil am 08.01.2008 20:05 Uhr
-
Hi,
es wurde schon oft in den verschiedensten Themenbereichen angeschnitten, jedoch noch nie gesondert behandelt und diskutiert (soweit ich es überblicken konnte):
Jack the Ripper`s Kindheit
- Wie stellt ihr sie Euch vor?
- Wo hat er sie eurer Meinung nach verbracht?
- Wenn es ein "Schlüsselerlebnis" gab, auf das man seine Andersartigkeit reduzieren müsste - was kann es gewesen sein?
- Wie alt schätzt ihr den Ripper - und was bedeutet dies im Kontext seiner Kindheit und der Umgebung, in der er aufwuchs?
- Wie begründet ihr eure Meinung?
Diese und viele Fragen mehr können hier besprochen werden - ich denke, dieser Thread hat das Zeug dazu, ein wenig ausführlicher behandelt zu werden, da er bei näherem überlegen sehr viele Bereiche einschließt. Deshalb kommt am Besten erst gar nicht in Versuchung, alle Fragen in einem Post beantworten zu wollen. :icon_mrgreen:
Grüße, Isdrasil
PS: Wie ich darauf gekommen bin? Durch Sweeney Todd - ich habe überlegt, ob der junge Ripper solche Geschichten gelesen haben könnte und "faszinierend, inspirierend" fand :icon_wink:
-
Wie in meinen selbst geschriebenen Geschichten vielleicht zu erkennen ist, gehe ich meist von einer oder mehreren "Schicksalsschlägen" bzw. einschneidenden Erlebnissen aus, die später zum Motiv wurden.
Ich gehe nicht unbedingt von einer schweren Kindheit aus, Misshandlungen möchte ich nicht kategorisch ausschließen, halte sie aber eher für unwahrscheinlich. Ich glaube eher nicht dass in der Kindheit ein Grund für die Untaten zu finden ist.
Wo er seine Kindheit verbracht hat, ist für mich nicht klar ersichtlich. Ich könnte nicht eindeutig sagen ob er Ausländer oder Engländer war...daher kann ich auf diese Frage nicht wirklich eine Antwort finden.
Du fragst nach einem Schlüsselerlebniss...wie oben gesagt kann das viel sein, vielleicht sogar mehrere Erlebnisse. Ich glaube aber dass dieses Schlüsselerlebniss kaum ein Kindheitstrauma sein kann. Höchstens ein Trauma in der Jugend kann ich mir vorstellen, da es so einschneidend sein musste, um dieses kranke Verhalten auszulösen. Gehe ich von einer angeborenen, psychischen Störung aus bzw. von einer Störung die bereits im Kindheitsalter entwickelt wurde so lässt sich daraus nicht wirklich etwas über seine Kindheit sagen...außer dass er dann bereits auffällig gewesen sein muss.
Nun das Alter des Rippers kann ich nur aufgrund von Zeugenaussagen und der Art der Morde schätzen. Zeugenaussagen sprechen von einem Mann mittleren Alters (zwischen 30 und 40, wenn ich mich recht erinnere). Die Art der Morde deutet auf einen kräftigen, zumindest aber geschickten Menschen hin. Ich würde daher auf ein Alter zwischen Ende 20 (sagen wir 27) bis Mitte 40 (sagen wir 45) schätzen. Ist ein großer Rahmen...ich weiß ;)
Ich halte das übrigens für ein schwieriges Thema. Ohne zu wissen was der tatsächliche Grund für die Morde war, halte ich es für fast unmöglich auf die Kindheit des Täters zu schließen.
-
also isdrasil, du kannst fragen stellen :icon_eek:
da haben wir schon schwierigkeiten ihm ein "wesen" aufgrund der ereignisse 1888 zu geben und jetzt soll man sich über seine kindheit äussern, harter tobak :icon_rolleyes:
also wenn ich ehrlich bin, habe ich mir darüber keine gedanken gemacht, wie die kindheit von jtr verlaufen/gewesen ist. dieses ist auch fast unmöglich, man könnte tausende theorien erstellen und dennoch ist man wahrscheinlich nur nah an der wahrheit oder ganz weit davon entfernt. dennoch eine interessante frage, aber ich habe da echt keine vorstellung und wenn ich mir darüber gedanken machen würde, dann wäre ich für den rest meines lebens beschäftigt, deshalb lasse ich es lieber :icon_aetsch:
-
1. jack sah meiner meinung nach ganz normal aus. d.h. er hatte weder entstellungen noch andere gebrächen. (glaube ich deshalb, weil sonst die frauen nicht mit ihm mitgegangen wären um gv mit ihm zu haben.)
2.meiner meinung nach wuchs jack im east end (whitechaple) auf .entwder wurde er dort geboren oder ist dort als kind hingezogen. (--> 1. jack kannte sich im east end gut aus da er imo genau die wege der polizisten kante, die ihre runden drehten. deshalb wurde er auch nicht bei den taten ertappt. 2. weil eine peron außerhalb des east end nicht die ganzen verstecke und abkürzungen gekannt hätte.)
3. ich denke (hypothese) jack wuchs in einem der waisenhäuser der stadt auf weil seine mutter entweder eine prostituierte war, der er weggenommen wurde weil sie ihn vernachlässigte und dadurch wollte er sich an den dieser schicht von personen rächen oder sein vater vergnügte sich mit solchen und er machte sie dafür verantwortlich warum seine mutter so trank und er ihr weggenommen wurde.
4.jack ist imo zw. ende 20 und anfang 40. warum weiss ich selber nicht so genau. :icon_rolleyes:
gruss zom palmer
-
Hi
Erst mal ein wenig zitieren: :icon_wink:
Ich halte das übrigens für ein schwieriges Thema. Ohne zu wissen was der tatsächliche Grund für die Morde war, halte ich es für fast unmöglich auf die Kindheit des Täters zu schließen.
da haben wir schon schwierigkeiten ihm ein "wesen" aufgrund der ereignisse 1888 zu geben und jetzt soll man sich über seine kindheit äussern, harter tobak :icon_rolleyes:
Ach, Leute – Man kann sich doch mal seine Gedanken machen. Jeder hat doch irgendwie sein eigenes Bild von Jack the Ripper. Ob er intelligent war, ob zumindest ein Brief von ihm stammte, welche Motive er verfolgte…wir müssen doch nicht ständig unfehlbare Wahrheiten von uns geben. Aber ich gebe Euch recht - ist ne verdammt schwere und hypothetische Angelegenheit. :icon_confused:
...und wenn ich mir darüber gedanken machen würde, dann wäre ich für den rest meines lebens beschäftigt, deshalb lasse ich es lieber.
Ja, aber das ist doch schön für Dich - hast Du immer was zu tun, wenn Dir mal nichts Besseres einfällt :icon_aetsch:
1. jack sah meiner meinung nach ganz normal aus. d.h. er hatte weder entstellungen noch andere gebrächen. (glaube ich deshalb, weil sonst die frauen nicht mit ihm mitgegangen wären um gv mit ihm zu haben.)
3. ich denke (hypothese) jack wuchs in einem der waisenhäuser der stadt auf weil seine mutter entweder eine prostituierte war, der er weggenommen wurde weil sie ihn vernachlässigte und dadurch wollte er sich an den dieser schicht von personen rächen oder sein vater vergnügte sich mit solchen und er machte sie dafür verantwortlich warum seine mutter so trank und er ihr weggenommen wurde.
Diese zwei Überlegungen finde ich sehr interessant. :icon_thumb:
Wie in meinen selbst geschriebenen Geschichten vielleicht zu erkennen ist, gehe ich meist von einer oder mehreren "Schicksalsschlägen" bzw. einschneidenden Erlebnissen aus, die später zum Motiv wurden...
...außer dass er dann bereits auffällig gewesen sein muss.
Na, das sind doch auch zwei handfeste Aussagen. :icon_thumb:
Ich denke ein wenig so:
Ich finde zum Beispiel auch den Vergleich mit ähnlich gelagerten sexuell motivierten Serientätern interessant: Ein sehr großer Teil von Ihnen erzählt von Schlüsselerlebnissen während einer Schlachtung oder einem Erlebnis mit einem entsprechend verstümmelten/verletzten Kleintier. Natürlich ist dieses Erlebnis niemals der Grund ihrer Andersartigkeit – aber viele spürten bei diesen Gelegenheiten das erste Mal ihre sexuelle Andersartigkeit und die Verknüpfung von Lust und Blut/Verstümmelung/Qualen. Manche sprechen von einem Zwang, nach oder während einer Schlachtung zu masturbieren, andere kommen schon ohne ein Zutun während dieser Tätigkeit oder der Beobachtung derer zum Samenerguss.
Diese Erfahrung wird später unmittelbar mit der Sexualität mit Frauen verknüpft und übertragen. Frauen verkommen zu einem Objekt ihrer Fantasien – ihrer abnormen Fantasien. Bis diese tatsächlich ausgelebt werden, können noch Jahrzehnte vergehen.
Natürlich bleibt diese Abnormität nicht ohne Folgen – der Betroffene wird zu einem Einzelgänger, kann nicht normal mit dem anderen Geschlecht umgehen, hat ein gestörtes Verhältnis zu seinem Körper und zur Sexualität im Allgemeinen. Ein verschrobener Einzelgänger, still und ruhig, gehänselt und ausgegrenzt. Zu seinen Fantasien gesellt Misantrophie, der kranke rechtfertigt sich mit der Schuldzuweisung an Andere. Ein Teufelskreis, der seinen Anfang in noch nicht erforschten Begebenheiten findet (wahrscheinlich ein Mix aus erzieherischen, gesellschaftlichen und physischen Komponenten).
Und hinter diesem Hintergrund lasse ich mich zu folgenden Überlegungen verleiten – Betonung liegt auf Überlegungen:
- Der Ripper könnte in seiner Kindheit Kontakt mit Tierschlachtungen gehabt haben, eventuell der Sohn eines Metzgers oder Schlachthausinhabers. Eventuell aber auch ein Kind vom Lande.
- Der Ripper ging in die Schule, wurde jedoch schnell zum Außenseiter oder sonderte sich von selbst ab. Ein ruhiger und stiller, unauffälliger Mitschüler.
- Er muss eine Möglichkeit besessen haben, seine sexuellen Fantasien schon vor den Taten zu praktizieren, sei es durch regelmäßige Schlachtungen oder das Beobachten derer, durch Pornografie oder durch eigens erdachte Hilfsmittel wie Puppen.
- Ich schätze den Ripper auf Anfang dreißig – er wuchs also in den 1860er Jahren auf. Dieser Zeitraum bedarf besonderer Beachtung.
- Der Ripper war ein Einzelgänger. Womöglich hatte er eine schon mal Beziehung – die er aber aufgrund seiner Beziehungsunfähigkeit nicht aufrecht erhalten konnte.
Ich sehe schon – jetzt werde ich endgültig zerrupft…. :icon_mrgreen:
Grüße, Isdrasil
-
Ich finde du beharrst hier zu sehr auf der sexuellen Abartigkeit. Ich halte das für sehr problematisch da nicht auszuschließen ist, dass es gar kein sexuelles Motiv gab.
Bis heute bin ich nicht sicher ob es nicht andere Motive gab. Hass auf Frauen/Prostituierte (kann man auch als sexuelles Motiv ansehen, ich denke aber du hast ganz klar eine sexuelle Abartigkeit --> sexuelles Triebverhalten mit dem Ergebniss der Befriedigung gemeint), Rache oder eine Beziehungstat (das würde die Theorie aufwerfen dass sich die Frauen oder zumindest der Täter und die Frauen kannten).
-
Hi Floh
Ich weiß nicht, ob das nicht eine Verdrehung der Kausalitäten ist. Wenn einer Frauen hasst, dann hasst er sie, verstümmelt sie aber nicht dermaßen. Dazu muss man irgendwo einen an der Klatsche haben. Wenn jedoch einer eine gestörte Sexualität und Psyche hat, dann wird er seinen Unmut auf die Frauen projezieren und diese natürlich aus diesem Grund auch hassen.
Sollte der Ripper aus irgendeinem Grund Frauen gehasst haben (seine Mutter kann eine Rolle gespielt haben, Beziehungen, etc.), dann erklärt dies doch absolut nicht die Art und Weise, wie er diesen Hass auslebte. Da gehört einiges mehr dazu, denke ich...
Ich sehe also die gleichen Zusammenhänge wie Du – jedoch in umgedrehter Reihenfolge.
Oder findest Du wirklich, Hass auf Frauen, Rache oder eine Beziehungstat wären zufrieden stellende Motive?
Ich verstehe natürlich deinen Einwand - eventuell haben die Taten den Ripper nicht sexuell befriedigt. Aber die Verstümmelungen müssen aus einer zutiefst gestörten Psyche heraus begründet werden. Sie sind ein Ausdruck genau dessen, was sich der Täter in seinen Gedanken ausmalte und ein Spiegel der verletzten, kranken Seele. Und ich möchte eben nun mal gerne den "sexuellen" Standpunkt vertreten. :icon_wink:
Grüße, Isdrasil
-
Tja, wie hier schin gesagt wurde kann man nur spekulieren. Wir wissen leider viel zu wenig um genaue oder wenigstens halbwegs stimmige Aussagen zu treffen.
Wenn JTR jedoch im East-End aufwuchs, dann brauchte er keine Tiere zu quälen. In einem Slum ist Gewalt an der Tagesordnung, Gewalt speziell gegen Frauen (vergewaltigen, schlagen, berauben usw) ist auch nicht selten. Wenn er in diesem Slum seine Kindheit verbrachte, dann war er mit Sicherheit mehr als einmal selbst Opfer von körperlicher Gewalt und hat auch selbst mehr als einmal anderen Menschen Gewalt angetan.
Es muss also kein Schlüsselerlebnis gegeben haben. Möglicherweise steigerte sich einfach der Grad an Gewalt bis hin zum Mord. Das JTR von seinen Taten auch sexuell befriedigt wurde, nehme ich schon stark an. Aber Gewalt an sich war ja "erlaubt" bzw im Slum sozusagen gesellschaftlich anerkannt. Das man Gewalt einsetzt um sich Befriedigung zu verschaffen ist in einem Slum auch mehr oder weniger normal. Das Leben an sich, besonders das von Frauen, war wenig wert. Jeder war zu jeder Zeit vom nahen Tod bedroht. Deshalb kann man auch nicht sagen das JTR "auffiel". Er wendete Gewalt nur mit letzter Konsequenz an; sozusagen um sich selbst zu befriedigen.
In dem Sinne:
Denn wie man sich bettet, so liegt man,
es deckt einen keiner da zu,
und wenn einer tritt, dann bin ich es,
und wenn einer getreten wird, bist´s du!"
JTR hat einfach nur etwas mehr getreten als alle anderen. Das ist sein Verbrechen...
:)
-
Mal wieder ein sehr interessantes Thema. :icon_thumb:
Wenn es wirklich an einem Schlüsselerlebnis liegt, frage ich mich, ob dies in der Kindheit oder in der Pubertät geschah. In der Kindheit wäre aber womöglich wahrscheinlicher. Denn die Kindheit ist eigentlich sehr prägend. Ich glaube er hatte keine schöne Kindheit. Und dies zog sich vielleicht bis zur Pubertät hin.
Dass seine Mutter selbst Prostituierte war läge hier sehr nahe. Ich denke, er wurde von seiner Mutter sogar misshandelt. Vor allem wen sie betrunken war.
Ich glaube er hate seine Kindheit im East End verbracht, oder war durch eine bestimmte Lage dazu gezwungen ins East End zu ziehn. Ich schätze er war bei seinen Anfang 20 bis Mitte 30. So das war erst mal :icon_wink:
-
Hallo !
Wie sah eigentlich das Leben aller Kinder im Eastend aus ? Gingen sie zur Schule ( wenigstens einige ) und wurden sie ärztlich versorgt ? Wie kamen sie aus diesen schlimmen Verhältnissen heraus ? Blieb ihnen nur der Weg in die Prostitution , in den Knast , in die Irrenanstalt , oder auf den Friedhof ?
Gruß Stordfield
-
Hi Stordfield,
hier können andere bestimmt besser aushelfen, aber ich möchte Dir diesen Link schon mal nicht vorenthalten:
http://www.victorianlondon.org/
Dort gibt es auch einen großen Bereich "Education for the poor" - aber alles auf Englisch.
Grüße, Isdrasil
-
@all
Schön, dass der Erziehungsaspekt mit in`s Spiel gebracht wird. Dies greift natürlich direkt in manch andere Diskussion über, aber: Wer zum Beispiel den „From Hell“ Brief als authentisch erachtet, muss sich auch überlegen, wie weit die Schreibfähigkeiten des Rippers gehen und ob er das Schreiben in der Schule erlernte. Ich weiß, das sind alles absolut spekulative Fragen. Aber man kann ja mal nachdenken und sich auch über diese Aspekte seine eigene bevorzugte Meinung bilden.
@Floh
Ich hoffe, Du hast mich richtig verstanden. Ich kann dein Argument absolut nachvollziehen. Bei Zom (und Mort) fand ich den Gedanken der sich prostituierenden Mutter ja auch interessant….will eben ein wenig diskutieren. Ich wollte auf keinen Fall abwertend klingen…
@Alex
Aber trotzdem muss ich hier noch ein wenig was loswerden:
Wenn Du ein Schlüsselerlebnis nicht als notwendig betrachtest, so musst Du aber dennoch dem Ripper einen speziellen Charakter, eine besondere Affinität zum Morden zusprechen, oder? Denn bei dieser alltäglichen Gewalt im East End wäre es dann tatsächlich verwunderlich, es nur zu einem Ripper gebracht zu haben. Er muss etwas gehabt haben, was ihn von den Anderen in dieser Hinsicht unterschied, denn auch die Anderen wurden geprügelt und prügelten. So gewöhnlich war seine persönliche Ausführung der Gewalt nun auch wieder nicht, East End hin oder her.
Und hier kommen eben eventuell die Kindheit und Überlegungen zu dieser Andersartigkeit in`s Spiel. Nach deinen Ausführungen wäre der Ripper ja nur ein x-beliebiger gewöhnlicher Junge gewesen, der durch das East End zu dem wurde, was er war.
Zu dem wurde, was er war? Hört sich komisch an…
Grüße, Isdrasil
-
Ich habe das auch nicht abwertend verstanden.
Es ist schwierig darauf zu antworten, weil du im Prinzip schon alles gesagt hast.
Dass der Ripper eine psychische Störung hatte oder eine innere Grenze die man als "normal" bezeichnet nicht mehr hatte ist nicht weg zu diskutieren. Die Frage ist nur ob es sich um eine rein sexuelle Störung handelte. Und hier bin ich mir keinesfalls sicher.
Klar kann es sein, dass er die Morde beging um sexuelle Befriedigung zu erreichen, aber ebenso kann ich mir vorstellen dass eine Abstumpfung seines Geistes oder eine gestörte Persönlichkeit ihn dazu brachten so zu morden.
Ich möchte das an einem Beispiel erklären:
Nehmen wir an der Ripper war ein halbwegs gebildeter Mann mittleren Alters. Nehmen wir an er hat an medizinischen Fakultäten gelernt oder zumindest engen Kontakt zu Menschen gehabt die dort gelernt haben. Den Umgang mit Skalpell und sein Wissen über die Anatomie (ich nehme hier einfach mal an dass das hatte) hat er dort gelernt.
Nehmen wir weiter an er hatte eine normale Kindheit und wuchs gut behütet irgendwo in den wohlhabenderen Gegenden Londons auf. Im Laufe der Jahre ertrank er immer öfter seine Probleme (beispielsweise Liebeskummer, Fernweh, usw.) im Alkohol und wurde aggressiv. Er verlor seinen Job und verarmte, seine Eltern sagten sich von ihm los. Er landete im EastEnd. Seine Aggressivität wurde immer unkontrollierbarer und richtete sich immer öfter gegen Frauen (weil Enttäuschungen die Frau an sich für ihn ein Feindbild geworden war). In einer Nacht war er ohne Ziel durch die Straßen gegangen und traf auf eine Hure, die er in einer Explosion von Aggression und aufgestauter Wut niedermetzelte. Die erste Tat war erschreckend für ihn, aber er erkannte dass seine Wut so abnahm und er eine gewisse Erleichterung empfand. Und so begann dann seine Geschichte.
Das war jetzt sehr kurz umrissen, aber so oder so ähnlich kann es auch gewesen sein. Jedenfalls in meinen Augen. Und hier würde eine sexuelle Befriedigung ausgeschlossen sein. Die Aggression kann auch auf einer Persönlichkeitsstörung begründen, er kann vielleicht auch bereits als Kind Züge dieser Aggressionen gezeigt haben oder wurde eventuell selbst misshandelt. All das ist möglich. Aber hier habe ich eine mögliche Geschichte aufgezeigt die ohne sexuelle Motivation auskommt.
Wir sind hier jetzt aber eher an einem Punkt angelangt, an dem es um die Motivation geht, nicht mehr um seine Kindheit ;)
-
ich nehme mal folgendes an:
jack wurde im east end geboren (oder zog mit seiner familie dort hin). sein erzeuger war ein einfacher arbeiter im east end der trank und sich mit personen des horizontalen gewerbes vergnügte. seine mutter war ebenfalls alkoholsüchtig und er wurde ihr weggenommen und in ein waisenhaus (in denen gewalt an der tagesordnung war) gebracht. mit erreichen der volljährigkeit verließ er es und kam wieder im east end unter. (s. meinen post oben)
so könnte es sich abgespielt haben.
jetzt zu meiner hypothese wie er zu den (von vielen angenommenen) anatomischen kenntnissen kam:
im waisenhaus herrschte gewallt und vielleich gab es auch verletzungen die ein arzt behandeln musste. Jack musste dem arzt vielleich bei so was helfen (er könnte einer der ältesten jungen in waisenhaus gewesen sein). dadurch bekam er z.b. kenntnisse vom menschlichen körper oder er fragte den arzt einfach mal so nebenbei was das eine oder andere ist. so braucht jack nicht unbedingt ein buch über anatomie gelesen haben sondern hat es durch einfaches beobachten gelernt.
gruss zom :icon_wink:
-
@Floh
Ja, das klingt auch in meinen Ohren nach einem vorstellbaren Szenario. :icon_wink: :icon_mrgreen:
Und um den Kontext zur Kindheit wieder herzustellen: In diesem Falle wäre die Frage interessant, ob das Ertränken der Probleme in Alkohol auch seinen Urspung in der Kindheit findet und ob der Arzt auch hier in der Jugend begründeten Phänomen unterworfen ist – oder ob Menschen diese Art mit Problemen umzugehen willkürlich wählen.
Aber das geht jetzt wirklich ziemlich weit…bald artet das hier noch in pädagogische Diskussionen aus. Wir sind immerhin in einem Jack the Ripper Forum. Mal nicht übertreiben hier…. :icon_rolleyes:
Einigen wir uns einfach darauf, das die Motivation des Rippers nicht einer sexuellen Befriedigung entspringen muss und das wir bei diesen ganzen Varianten tatsächlich ganz unterschiedliche Werdegänge annehmen können.
Mir fällt in diesem Zusammenhang etwas ganz seltsames auf: Wir reden meist von armen Schluckern oder wohlhabenden (Arzt)-Familien. Wo bleibt eigentlich die Mittelschicht, „White Collars“ oder Andere? Es muss nicht immer bettelarm oder sehr wohlhabend sein. Eben auch mal die unauffällige Mittelschicht. Die ganz normale schrecklich nette Familie...
Grüße, Isdrasil
-
Stimmt. Auch das habe ich mal in einer meiner Geschichten aufgeworfen.
Wir steigern uns eventuell zu sehr ins Extreme. Das liegt aber vermutlich an der extremen Tötungsart. Wir versuchen die extreme Tat mit einem extremen Motiv bzw. mit extremen Vorgeschichten zu erklären. Dazu zähle ich auch sehr arme oder sehr reiche Verhältnisse in Kindestagen. Natürlich übersieht man dann mal eine Möglichkeit: Dass es sich um einen relativ gewöhnlichen Mann mit einer relativ gewöhnlichen Kindheit und einem gewöhnlichen Elternhaus handeln könnte. Ein extremer Mord muss nicht von einem extremen Mann ausgeführt worden sein.
-
Hallo !
@Floh : Dein letzter Satz gefällt mir .
@Isdrasil : Ganz habe ich Deine Ausführungen nicht verstanden . Wenn die Ripper - Morde kein sexuelles Bedürfnis befriedigen , was dann ?! Welches andere Motiv könnte beim Herausschneiden bzw. Verstümmeln der weiblichen Geschlechtsteile ( meines Wissens Perogynie genannt ) denn sonst noch vorliegen ?
Gruß Stordfield
-
@Stordfield
@Isdrasil : Ganz habe ich Deine Ausführungen nicht verstanden . Wenn die Ripper - Morde kein sexuelles Bedürfnis befriedigen , was dann ?! Welches andere Motiv könnte beim Herausschneiden bzw. Verstümmeln der weiblichen Geschlechtsteile ( meines Wissens Perogynie genannt ) denn sonst noch vorliegen ?
:icon_question: Frag Floh - das waren doch seine Ausführungen...
Ich denke ja auch, dass der Ripper sexuell motiviert war - aber ich habe Floh Recht gegeben, dass eben auch die Möglichkeit einer anderen Motivation besteht und das ich mir dies auch vorstellen kann (wenn auch in meinen Augen doch um Einiges unwahrscheinlicher). Das ist mir nämlich auch noch in den Sinn gekommen: Mögliche Rache oder Wut hin oder her - so ein Täter würde wohl kaum (Geschlechts-) Organe entfernen, geschweige denn mit nach Hause nehmen, wie Du auch schon gesagt hast. Das sieht dann doch stark nach sexueller Motivation und psychopathischer, sexueller Störung aus. Aber man muss auch andere Motive einräumen. Was weiß ich - das satanische Ritual eines extremen Frauenhassers oder ähnliches. So Fälle hat es auch schon gegeben. Es gibt leider kein Schema F in der Welt der Serientäter. Daher möchte ich nach wie vor Floh nicht ganz widersprechen...aber ich bleibe trotzdem in Gedanken bei meinem "sexuell gestörten Metzgerssohn", keine Angst :icon_wink:
@Floh
Naja...extrem war der Täter auf alle Fälle - wenn auch nicht an der Oberfläche. Das Innerste eines Mörders ist gleichermaßen extrem, ungeachtet seiner Lebensverhältnisse. Es sind doch im Grunde auch (oder gerade?) die "glatten" und "gewöhnlichen" Persönlichkeiten, unter deren Oberfläche es gewaltig brodeln kann...
So - genug Worte im Mund herumgedreht. :icon_aetsch:
Grüße, Isdrasil
-
Ganz habe ich Deine Ausführungen nicht verstanden . Wenn die Ripper - Morde kein sexuelles Bedürfnis befriedigen , was dann ?! Welches andere Motiv könnte beim Herausschneiden bzw. Verstümmeln der weiblichen Geschlechtsteile ( meines Wissens Perogynie genannt ) denn sonst noch vorliegen ?
Das galt dann wohl eher mir.
Natürlich ist dafür die beste Erklärung ein sexueller Hintergrund. Ich schließe das ja auch gar nicht aus, sondern sehe das als möglichstes Motiv. Aber wie Isdrasil schon sagte gäbe es auch andere (wenn auch unwahrscheinlichere) Gründe dafür. Ritualmorde hat er bereits genannt. Vielleicht war die Verstümmelung gar nicht das eigentliche Ziel (schwer vorstellbar, ich weiß...aber auszuschließen? Ich finde nicht), sondern Ablenkung vom eigentlichen Zweck, dem Tod der Personen? Vielleicht war es eine Beziehungstat und er hat aus unvorstellbarer Wut gegen die Frauen (Ex-Huren von ihm z.B.) getan?
Ich hoffe das war jetzt etwas verständlicher?!
-
und was ist jetzt mit der kindheit ?
-
und was ist jetzt mit der kindheit ?
Ich glaube, der Ripper muss in seiner Kindheit noch recht jung gewesen sein :icon_mrgreen:
-
Wenn Du ein Schlüsselerlebnis nicht als notwendig betrachtest, so musst Du aber dennoch dem Ripper einen speziellen Charakter, eine besondere Affinität zum Morden zusprechen, oder? Denn bei dieser alltäglichen Gewalt im East End wäre es dann tatsächlich verwunderlich, es nur zu einem Ripper gebracht zu haben. Er muss etwas gehabt haben, was ihn von den Anderen in dieser Hinsicht unterschied, denn auch die Anderen wurden geprügelt und prügelten. So gewöhnlich war seine persönliche Ausführung der Gewalt nun auch wieder nicht, East End hin oder her.
Rund 13 Prozent der Gesamtbevölkerung des Slums standen jeden Tag vor dem Hungertod. Die Redewendung ""verhungern oder sündigen" war ganz normal (also Sex gegen Nahrung). 50 Prozent aller Kinder starben bevor sie 5 Jahre alt werden konnten. Trickbetrügereien, Diebstähle und Schlägereien waren an der Tagesordnung. Prostitution war ganz normal. Auch extreme Gewalt war keinesfalls selten. Man denke nur an Emma Smith, Annie Millwood, Ada Wilson, an die Opfer des Torso-Mörders und die Opfer, die man nach 1888 JTR zuschrieb. Thomas Sadler war in der Todesnacht von F. Coles in mindestens drei schwere Schlägereien verwickelt, was die Seemannsgewerkschaft aber nicht davon abhielt ihn zu verteidigen.
Denk mal an das Foto der trauernden Frau aus "Jack the Ripper - Anatomie einer Legende". Das tote Kind liegt unter dem Tisch...
Was glaubst du, kann man in so einer Umgebung für Schlüsselerlebnisse haben? Jeden Tag einen? Mehrere? Einige Mörder wurden schnell geschnappt (Lipski), andere stellten sich schlauern an (Torso-Mörder), aber "allein" war JTR nie. Nicht einmal in der Zeit, in der er mordete, war er der einzige Mörder im East-End.
Und hier kommen eben eventuell die Kindheit und Überlegungen zu dieser Andersartigkeit in`s Spiel. Nach deinen Ausführungen wäre der Ripper ja nur ein x-beliebiger gewöhnlicher Junge gewesen, der durch das East End zu dem wurde, was er war.
Nein, JTR war schon etwas "Besonderes". Aber er war nicht einzigartig. Er war kein böser Komet, der in eine beschauliche Landschaft kracht und dann Horror verbreitet. JTR war der Schlimmste Mörder in einer schlimmen Zeit. Aber er war auch ein Kind seiner Zeit. Und das, was JTR tat, das taten andere auch. Nur halt nicht mit dieser erschreckenden Konsequenz und auch nicht mit diesem Medienecho.
:)
-
Hi Alex,
sicher, man kann Jack the Ripper als Produkt einer schrecklichen Zeit sehen. Doch es fehlt irgendwie eine wichtige Komponente, die ihn anders machte als die anderen. Du sagst es ja selbst: Keiner handelte mit dieser erschreckenden Konsequenz und diesem Medienecho. Er hob sich von den anderen ab, auch von Emma Smith, Ada Wilson und Annie Millwood. Nicht umsonst werden die beiden erstgenannten höchstens als "Probeopfer" oder "Einstiegsopfer" eines grausamen Serientäters gesehen. Selbst, wenn diese nicht dem Ripper zum Opfer fielen - die Qualität dieser Übergriffe erreichte in keinem Fall die der Rippermorde. Auch nicht der Lipski-Mord. Man kann Mord nicht mit Mord vergleichen. Den Torso-Mörder können wir bei der Betrachtung des East Ends ruhig außer acht lassen, denn de facto wurde lediglich ein Torso im East End gefunden, die anderen Torsi befanden sich in durchaus wohlhabenderen Gegenden. Wieso mordete also der Torso-Mörder, wenn er vermutlich gar kein Kind des East Ends war?
Was war anders beim Ripper? Weshalb handelte er mit dieser erschreckenden Konsequenz, wie du es ausdrücktest? Eventuell kann man in diesem Zusammenhang doch an körperliche Aspekte denken, die solch einen Werdegang begünstigen oder beeinflussen?
Ich weiß es ja auch nicht...aber den Ripper einfach als Produkt seiner Zeit zu betrachten erscheint mir persönlich zu einfach. Da muss noch was anderes sein außer der täglichen East End-Gewalt, eine zusätzliche Komponente.
Grüße, Isdrasil
-
Was war anders beim Ripper? Weshalb handelte er mit dieser erschreckenden Konsequenz, wie du es ausdrücktest? Eventuell kann man in diesem Zusammenhang doch an körperliche Aspekte denken, die solch einen Werdegang begünstigen oder beeinflussen?
Ich weiß es ja auch nicht...aber den Ripper einfach als Produkt seiner Zeit zu betrachten erscheint mir persönlich zu einfach. Da muss noch was anderes sein außer der täglichen East End-Gewalt, eine zusätzliche Komponente.
nun, um es mal ganz lapidar auszudrücken, ein jeder geht mit dem erlebten anders um, erlebt und verarbeitet die umstände anders. es ist ja nicht so, dass alle bei gleicher ausgangslage gleich reagieren. es hängt viel mit dem individium selber zusammen, seine seelische und geistige verfassung ist ausschlaggebend. meine damit nur, dass jtr nicht unbedingt etwas ganz besonders wiederfahren sein muss (sei es in der kindheit, beim heranwachsen oder im mannesalter), es ist doch durchaus vorstellbar, dass jemand anderes mit viel mehr widrigen umständen in seinem leben umgehen musste und nicht zum schläger, dieb oder gar brutalen mörder geworden ist.
-
Also zu einem "Schläger" und "Dieb" wird man in einem Slum zwangsläufig. Jedenfalls dann, wenn man in einem Slum mehrere Jahre lebt. Anders kann man dort auch kaum überleben. Ein in einem Slum aufgewachsenes Kind wird zwangsläufig Zeuge roher, oft sinnloser Gewalt und es wird, wenn es groß und stark genug ist, auch selbst rohe, sinnlose Gewalt anwenden.
Das kann zuerst durchaus zur Selbstverteidigung sein. Aber die Grenzen sind fliessend. Hier gibt es keine Einstiegstaten, keine Probeopfer. Eins kommt ganz natürlich zum anderen. Man prügelt sich, man stiehlt, man vergewaltigt, man betrügt, man säuft, lügt, schlägt. Blanke Not, Hunger, Suff, Dreck, Huren, Diebe, rohe Gesellen... all das ist kein flüchtiger Eindruck sondern Alltag. Ein Alltag, dem man nicht entfliehen kann. Es gibt keine Vorbilder, keine Alternativen, Niemanden der es anders macht, Niemanden an dem man sich anderweitig orientieren kann. Hemmungen gibt es nicht, und wenn doch, dann vernichtet sie der Alkohol oder die nackte Not.
Warum ist nun Jemand in dieser Umgebung "schlimmer" als der Rest? Damit meine ich natürlich JTR. Die Frage kann man kaum beantworten. Vielmehr stellt sich hier die Frage, wieso nicht alle so schlimm waren wie JTR. Was hielt sie zurück? Waren es "bessere" Menschen? Oder gibt es sehr menschliche Gründe für diese Zurückhaltung? Körperliche Schwäche? Gier? Angst? Suff? Müdigkeit?
Oder:
Wo liegt denn der Unterschied zwischen Thomas Sadler und JTR? Ist das ein grundsätzlicher Unterschied oder nur ein gradueller Unterschied? Ich denke hier liegt nur ein gradueller Unterschied vor. JTR war "schlimmer" als Sadler. Aber er war nicht grundsätzlich anders. Beide waren Kinder ihrer Zeit und vor allem Kinder ihrer Umgebung, ihres sozialen Umfeldes. Das soll nicht die individuelle Schuld dieser Männer mindern. Jeder ist trotz allem seines eigenen Glückes Schmied.
:)
-
@Alex und PF
Klar. Jeder Mensch geht individuell mit Gewalterfahrungen, seien sie nun passiv oder aktiv, um. Der eine frisst den Frust in sich rein, der andere lässt seinem Frust freien Lauf. Ein kriminelles und gewalttätiges Umfeld macht auch zwangsläufig die Menschen zu einem Teil der Gewaltspirale. Da gebe ich Euch beiden vollkommen recht.
Aber Alex hat es doch sogar schon selbst gesagt:
"Das JTR von seinen Taten auch sexuell befriedigt wurde, nehme ich schon stark an."
Und genau das ist doch der Punkt. East End hin, East End her. Gewalt macht aus keinem Menschen einen Triebtäter, solange nicht die andere Voraussetzungen oder die jeweilige Vorgeschichte vorhanden sind.
Säufer und Räuber? Ja. Diebe und Schläger? Ja. Mörder? Ja. Triebtäter? Meiner Meinung nach: Nein.
Da gehört mehr dazu als nur soziale und gesellschaftliche Umstände. Wieso haben ihn diese Morde befriedigt? Doch nicht, weil er im East End aufgewachsen ist, oder? Diese angenommene sexuelle Befriedigung hängt nicht mit dem East End zusammen. Ich glaube hier spielen ganz andere, zusätzliche und prägende Faktoren eine Rolle.
Daher möchte ich diese Morde nicht mit Lipski, Sadler oder Co vergleichen, denn das Motiv (auch wenn es nicht klar ist), und damit die Ursprünge und die Bedeutung für die Kindheit Jack the Rippers, sind nicht gleichzusetzen. Und daher gefällt mir persönlich die Erklärung durch das East End nicht. Als Puzzleteil und auch großer Bestandteil des Rätsels "warum wurde er zum Täter" sicher, aber nicht als alleinige Begründung für die Taten. Und dieses und noch viele andere Puzzleteile vermute ich unter anderem in der Kindheit und Prägephase Jack the Rippers - und diese anderen Puzzleteile erachte ich als nicht "East End-spezifisch".
Ist aber alles nur meine persönliche Meinung :icon_wink:
Grüße, Isdrasil
-
Freilich bewegen wir uns hier auf rein spekulativem Gebiet. Sicher ist nichts. Wenn JTR nicht im East-End aufgewachsen ist, dann sind alle meine Überlegungen hinfällig.
Triebtäter:
Das JTR von seinen Taten sexuell befriedigt wurde, heißt noch nicht das er so oder so zum Triebtäter geworden wäre. In einem anderen sozialen Umfeld hätte er vielleicht gelernt mit seinen Neigungen anders umzugehen und/oder eine Ersatzbefriedigung gefunden. Aber im East-End, wie in jedem Slum, war Gewalt gegen Frauen beinahe "legitim", zumindest an der Tagesordnung. Das machte es JTR auf jeden Fall leichter.
:)
-
Servus
Diese Diskussionen rund um die Kindheit und den Werdegang des Rippers gleiten immer weiter in die Persönlichkeit des Mörders ab, was mich anregt, auch mal wieder zu posten… :icon_wink:
Meiner Meinung nach spielt das Umfeld zwar eine Rolle, insbesondere in diesem Fall, da das Leben in East End eben als besonderes Extrem zu nennen ist, wenn man davon ausgeht, dass der Ripper höchstwahrscheinlich seine (nicht allzu guten) Erfahrungen mit dem Elendsviertel machen musste.
Es stellt sich dann auch die Frage, ob Jack the Ripper im East End aufgewachsen oder ob er erst später zugezogen ist.
Aber ich gehe nicht davon aus, dass Jack allein ein Produkt aus den sozialen Missständen und etwaigen schwierigen familiären Verhältnissen war. Auch wenn die Kindheit noch so prägend gewesen sein mochte, er „jeden Tag Schlüsselerlebnisse“ hatte und schwerst misshandelt wurde, erklärt das diese Ausartung von abnormalen Verhalten nicht.
Und genau das ist doch der Punkt. East End hin, East End her. Gewalt macht aus keinem Menschen einen Triebtäter, solange die Voraussetzungen oder die jeweilige Vorgeschichte vorhanden sind. Räuber? Ja. Diebe? Ja. Mörder? Ja. Triebtäter? Meiner Meinung nach: Nein. Da gehört mehr dazu als nur soziale und gesellschaftliche Umstände. Wieso haben ihn diese Morde befriedigt? Doch nicht, weil er im East End aufgewachsen ist, oder?
Ich denke, dass, wenn wir von einem psychisch labilen Triebtäter ausgehen, das Potential dafür schon früh in ihm schlummerte. Dieses Potential (Stichwort - Ursprung des Bösen) kann vom Umfeld gefördert oder unterdrückt werden. In diesem Fall wirken dann die Gesellschaft und das Umfeld schon ein, auch wenn Ausnahmen die Regel bestätigen und…
…ein extremer Mord nicht von einem extremen Mann ausgeführt worden sein… muss.
Der Satz gefiel mir auch… :icon_mrgreen:
Dies mal außen vor gelassen, ist es wirklich kein Einfaches, von Jacks Taten auf seine Kindheit zu schließen, ohne die philosophische Ebene je zu verlassen… :icon_wink:
es grüßt
Irene Adler
-
Freilich bewegen wir uns hier auf rein spekulativem Gebiet. Sicher ist nichts. Wenn JTR nicht im East-End aufgewachsen ist, dann sind alle meine Überlegungen hinfällig.
das sehe ich eigentlich nicht so alexander. ich denke mal, dass die psychische fehlentwicklung von jtr nicht unbedingt mit dem east-end im zusammenhang stehen muss. diese fehlentwicklung könnte doch überall stattgefunden haben und jtr später nach london gezogen sein. klar war das east-end ein fruchtbarer boden für "vorprogrammierte" kriminelle karrieren, aber ich denke, dass psychsische fehlentwicklungen durchaus auch unter bessere lebensumstände entstehen, daher sollten wir unsere thesen über die herkunft/aufwachsen von jtr nicht zu sehr an das east-end koppeln.
-
Hi
Dies mal außen vor gelassen, ist es wirklich kein Einfaches, von Jacks Taten auf seine Kindheit zu schließen, ohne die philosophische Ebene je zu verlassen… :icon_wink:
Wir können ruhig mal etwas Philosophie mit einbringen :icon_wink:
Ich stimme Irenes Ausführungen schon mal voll und ganz zu. :icon_thumb:
Dieses "Potential", aus was es nun immer bestehen mag, muss in Jack the Ripper geschlummert haben - denn ohne dieses Potential hätte auch das East End nicht solche Auswirkungen auf einen Menschen. Es ist ja gar nicht abzustreiten, dass ein von Gewalt geprägtes Umfeld das Ausbrechen dieses Potentials begünstigt. Nicht umsonst kommen auch in Deutschland die meisten Serientäter aus sozial problembehafteten Gegenden. Aber das soziale Umfeld spielt eben nur eine Rolle von vielen.
Das JTR von seinen Taten sexuell befriedigt wurde, heißt noch nicht das er so oder so zum Triebtäter geworden wäre. In einem anderen sozialen Umfeld hätte er vielleicht gelernt mit seinen Neigungen anders umzugehen und/oder eine Ersatzbefriedigung gefunden. Aber im East-End, wie in jedem Slum, war Gewalt gegen Frauen beinahe "legitim", zumindest an der Tagesordnung. Das machte es JTR auf jeden Fall leichter.
Da stimme ich dir auch zu einem Großteil zu. Das Vorhandensein dieser alltäglichen Gewalt und auch das allgemeine Umgehen mit der Gewalt im East End (da fallen mir diese drei Affen ein - nichts hören, nichts sehen, nichts sagen) haben es Jack the Ripper natürlich leichter gemacht. Gar keine Frage. Eventuell mag dies auch ein Phänomen sein, welches gerade in den Problemzonen den Ausbruch der Gewalt fördert.
Aber ich stelle mir auch folgende Frage (und bin froh, dass du sie aufgerufen hast): Hätte er tatsächlich in einem anderen sozialen Umfeld eine "Ersatzbefriedigung" gefunden. Dies ist natürlich auch wieder extrem spekulativ - aber unterstreichen würde ich dies nicht. Denn obwohl ein Großteil der Serientäter aus sozialen Hexenkesseln kommen, gibt es auch die anderen Beispiele, die belegen, dass es eine Art Point of no return gibt - nach dessen Überschreitung es kein zurück mehr für den Täter gibt. Man müsste sich fragen, inwieweit Jack the Ripper psychisch gestört war und wann er diesen Punkt überwunden hatte. Dies kann schon Jahre vor den Morden geschehen sein - oder erst wenige Sekunden vor dem ersten Mord. Dies ist natürlich nicht zu beantworten. Man kann leider nur sagen, dass es nach dem ersten Mord und der gefühlten Befriedigung wohl kein Umkehren mehr gab.
Und noch was ist mir eingefallen: Es kommt natürlich darauf an, wie konkret seine Fantasien gefasst waren. Joachim Kroll zum Beispiel wollte schon immer wissen, wie es ist, einen Menschen "aufzumachen". Jahrzehnte später tat er dies auch. Wenn Jack the Rippers Fantasie war, eine Frau "zu öffnen" - was hätte ihm schon eine Ersatzbefriedigung geben sollen?
Es ist eine verdammt schwere Frage, aber es ist auch einmal schön, in diesem Zusammenhang über die Rolle der Gesellschaft und des Sozialgefüges zu reden. Wir haben leider derzeit einen abscheulichen Fall eines Kinderschänders in Norwegen, der sich in einem gefestigten Lebensrahmen befand und sich nicht abhalten liess - bleibt die Frage, ob Jack the Ripper wirklich soweit vom East End getrieben wurde oder die Taten sowieso begangen hätte...und dies scheint die persönliche Meinung jedes Einzelnen zu bleiben. :icon_wink:
Grüße, Isdrasil
-
Sicher gibt es irgendwo einen Point of no Return. Die Frage ist: Hätte JTR diesen Punkt so oder so erreicht? Aber eine Antwort ist kaum möglich. Dazu wissen wir einfach zu wenig. Wir bräuchten zumindest einen Verdächtigen und müssten etwas mehr über seine Kindheit wissen. Man müsste auch wissen ob JTR schon lange zuvor auffällig war (davon gehe ich aus) und ob diese Auffälligkeiten in einem anderen sozialen Umfeld erkannt und behandelt worden wären (und sei es indem JTR in eine Irrenanstalt gebracht worden wäre). Im East-End gab es jedenfalls keine Hilfe.
Beim Thema Ersatzbefriedigung kann ich nur raten. Es gibt einige extreme Arten des Sex, Praktiken und Techniken die Sex und Schmerz durchaus miteinander verbinden (ohne das da gestorben wird). Aber darüber weiß ich viel zu wenig um sagen zu können ob da etwas für JTR dabei gewesen wäre. Hier stellt sich natürlich auch die Frage inwieweit so etwas von der Gesellschaft akzeptiert worden wäre (wohl eher nicht) und ob JTR in der Lage gewesen wäre sich zu beherrschen (also bei solchem Sex nicht den Point of no Return zu überschreiten).
Letztlich ist das halt alles reine Spekulation. Im Grunde kann man in JTR sehr viel hineininterpretieren. Wir haben einfach zu wenig Fakten um etwas über seine Kindheit oder seine sexuellen Vorlieben sagen zu können. Das JTR "krank" war und eine Gefahr darstellte, ist wohl klar. Das es wohl sehr schwer gewesen wäre ihn zu "heilen" oder zu "therapieren" ist auch klar. Eine Therapie für JTR wäre vielleicht auch heute nicht möglich bzw hätte keinen Erfolg.
Aber das East-End begünstigte JTRs perverse Neigungen und Triebe in einem Ausmaß, das es ihm möglich war zu so einem bestialischen Schlächter zu werden. In einem anderen Umfeld hätte das kaum funktioniert, und sei es, weil er von der Polizei geschnappt worden wäre.
:)
-
Hi
Na, da haben wir ja doch noch einen Konsens gefunden :icon_thumb:
Klar ist es eigentlich nicht möglich, die wahren Motive Jack the Rippers offenzulegen oder den Point of no return festzulegen - aber spekulieren ist doch auch mal was ganz Angenehmes :icon_wink:
Ich denke eben, die Art und Weise, wie Jack the Ripper seine Taten beging (und auch hier gibt es die bekanntermaßen soviele Meinungen wie es Ripperologen gibt) kann uns auch Aufschluss über Begebenheiten seiner Kindheit geben. Denn eines ist sicher, das kann (meiner Meinung nach) keiner bestreiten:
Wenn die Taten Jack the Ripper sexuell befriedigten, dann muss er irgendwann auch gemerkt haben, dass ihn so etwas befriedigen kann. In Anbetracht der doch geringen Änderungen der Signatur kann man doch davon ausgehen, dass schon Pollys Mord seinen Fantasien entsprach und die weiteren Taten lediglich eine Ausarbeitung der Fantasie darstellten. Er hatte also eine genaue Vorstellung von dem, was er tun wollte. Und genau dies muss sich irgendwann, irgendwie, irgendwo entwickelt und herauskristallisiert haben...außer wir haben einen Ritus vorliegen :icon_mrgreen:
Grüße, Isdrasil
-
daerf ich da mal eine zwischenfrage stellen ? :icon_rolleyes:
gibt es irgendwelche erhebungen darüber, aus welchen sozialen schichten solche extremtäter stammen ? zieht es sich durch alle schichten oder stammen die untersuchten täter doch eher aus der unteren soziale schicht ?
-
Hallo Pathfinder !
Meines Wissens stammen die einzigen diesbezüglichen Erhebungen , denen man wissenschaftliche Sachlichkeit und akribische Sorgfalt zusprechen kann , von Herrn Harbort . Um die Sache abzukürzen , ein Satz von ihm : " Psychisch abnorme Mörder oder Serientäter stammen häufig aus zerrütteten Familienverhältnissen , sind ungebildet , einzelgängerisch veranlagt , sozial entwurzelt ."
Seine Erkenntnisse beziehen sich allerdings nur auf den deutschen Raum . Dennoch glaube ich , daß man sie auf den gesamten europäischen ( nicht auf den amerikanischen ) Sektor übertragen kann .
Gruß Stordfield