Autor Thema: Butcher´s Row  (Gelesen 28724 mal)

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Offline Lestrade

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Butcher´s Row
« am: 05.03.2010 11:45 Uhr »
Ich habe mich einmal näher mit der Butcher´s Row beschäftigt. Inspector Robert Sagar (City Police) sprach einmal über eine Observation in diesem Bereich. Die Butcher´s Row war eine Seite der Aldgate High Street. Der Bereich der Butcher´s Row zog sich von der Nummer 44- 62 hin. Aus der Sicht dieser Reihe von rechts beginnend war da:

44 Scales & Leuw (Fleischer)
45 Hartwell (Fleischer)
46 Nathan (Fleischer)
47 Hill (Wein & Cognac)
48/49 Brown (Rumpfmetzger)
50/51 Flicker (Rumpfmetzger)
52 Lankester/ Tyler (Rumpfmetzger)
53/54 Attfield & Knott (Rumpfmetzger)
55 Nice & Hawkins (Fleischer)
56 Kilby (Fleischer)
57 Cooke & Banks (Fleischer) später Frederik Louis Louissan
58 Bullas (Fleischer)
59 De Leeuw (Fleischer) später George Louissan (Sohn von F.L. Louissan)
60 Rayment (Fleischer)
EINGANG ZUR HARROW ALLEY
62 Bosman (Fleischer)

Gegenüber der Butcher´s Row 53/54 gab es den Tabakhandel Samuel Abrahams (Über Abrahams schrieb ich kürzlich schon einmal und gegenüber weiter westlich das Three Nuns Hotel, das auch kürzlich in meinen Postings Erwähnung fand.

Mitre Square und Goulston Street liegen nicht weit weg.

Hinter der Nummer 46-49 gab es noch ein großes Schlachthaus.
Die Harrow Alley führte an der Nummer 60 der Reihe der Schlachter hinein und krümmte sich hinter Nummer 60 bis zur Nummer 58 um dann wieder gerade zu werden. Haarow Alley 61 gab es einen Pub, Still & Stars, betrieben von William Godfrey. Harrow Alley Nummer 9 wurde von einem polnischen Schneider besetzt, Lewis Kingberg, 7-8 von Phillip Solomon (General Goods Dealer). Hierbei möchte ich die Berufsbezeichnungen von David Cohen und den von mir kürzlich genannten Hyam Hyams erwähnen. Cohen, vermutlich Schneider und Hyams auch tätig gewesen als General Goods Dealer. Wir wissen über eine mögliche zweite Observation durch Detective Inspector Henry Cox /(City Police), es könnte natürlich auch ein und derselbe Mann gewesen sein. Genau da liegt aber ein Hauptproblem bei der Betrachtung. Sagar nannte die Butcher´s Row, Cox nicht, beide waren aber bei der City Police. Schauen wir uns Cox´s Aussagen an, da spricht er von einem kleinen Shop, einer Observierung von der gegenüberliegenden Seite und ihrer Arbeit Inkognito/ Undercover sowie Gesprächen mit Juden auf der Straße und dass sie wegen Kinderarbeit im Schneiderhandwerk ermitteln. Weiterhin, dass sie jenen Shop regelmäßig als “Kunden“ besuchten. Cox erwähnte, genau wie Macnaughten, dass der Verdächtige an mehreren Orten im East End tätig war. Dies würde eher wieder auf einen Mann passen, ähnlich wie Hyam Hyams. Weitere Äußerungen von Macnaughten, Anderson und Cox spalten sich von denen von Swanson und Sagar. Natürlich nicht in allem. Vor allem die Schwierigkeit der Identifikation und das schnelle Ableben des Verdächtigen in den Statements von Swanson/ Sagar im Gegensatz zu Äußerungen von Macnaughten/ Anderson und Cox, lassen mich auf zwei wichtige Observationen schließen. Sicher kann ich mir aber nicht sein. Aber es wäre möglich. Cox sprach von einen eigenen Haus oder Geschäft, Sagar von Freunden. So bleibt für mich Swanson Aussagen von einem “Bruder“ sehr unzuverlässig, auch weil ein Mann sehr schwer zu identifizieren war.

Und ständig begleitet mich der Name des Zeugen Joseph Hyam Levy. Man kann viel schreiben und sich viel einreden aber er könnte Männer gekannt haben, die sich hier im Kreis der Verdächtigen befinden oder die in Verbindung mit den Ereignissen gestanden haben. Über Martin Kosminski ( Aaron Kosminski, “Kosminski“) bis hin zu Hyam Hyams und Jacob Levy.

Nun möchte ich drei Möglichkeiten in Betracht ziehen.

1. Nehmen wir Sagar´s Behauptungen:

Wenn er in der Butcher´s Row beobachtet hatte, dann kommen die oben genannten Geschäfte in Betracht. Da gab es hinter der Butcher´s Row jenes große Schlachthaus. Hier wäre es leicht möglich, relativ anonym Arbeit als Schlächter zu finden. Inwieweit alle anderen Fleischer in den Geschäften Tiere töteten, kann ich nur erahnen. In diesem großen Schlachthaus geschah dies aber sicherlich tagtäglich. Der Ripper war, wenn da tätig, durch diese schwere Arbeit sicherlich topfit und absolut sicher im Umgang mit dem Messer. Das haben seine Taten bewiesen. Andererseits könnte er auch täglich Beobachter dieser Arbeiten gewesen sein, wenn er in gegenüberliegenden Geschäften tätig war (Kingberg, Salomon). Er könnte dort Kontakte gehabt haben oder gelegentlich dort tätig gewesen sein. Eine Observation von anderen Häusern aus, so denke ich, war sicherlich möglich gewesen.

2. Sagar und Cox zusammen:

Dann wäre es ein kleiner Shop gewesen. Die Observation gegenüber eines kleinen Geschäftes (Bullas, De Leeuw, Rayment, Bosman) hätte vom gegenüberliegenden Bull Inn Yard aus einem dort ansässigen Gasthaus (Samuel East jr.) erfolgen können. Natürlich gäbe es auch andere Möglichkeiten aber hier hätte die Polizei am unauffälligsten agieren können. De Leeuw und Bosman waren Juden. Mit einem kleinen Shop hätte aber auch Kingberg´s Schneiderei dahinter gemeint sein können. Immerhin waren sie ja als Verfolger von Kinderarbeit im Schneidergewerbe unterwegs…Ich erinnere hier an die Halstücher beim Ripper und das rote Halstuch bei Kelly oder den Hut bei Nichols…

3. Cox observierte eine weitere Person:

Hier wäre es möglich, dass ein weiterer Mann, der in Zusammenhang mit den Verbrechen stand, beobachtet wurde. Außerhalb, wenn auch in der Nähe der Butcher´s Row.
 
Liebe Grüße, Lestrade.
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Aeneas

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Re: Butcher´s Row
« Antwort #1 am: 05.03.2010 13:01 Uhr »
Super arbeit  :icon_thumb:

wo hast du die ganzen Infos her????

die hausnummern und was sich dort verbarg???? von der Casebook Seite??

Offline Lestrade

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Re: Butcher´s Row
« Antwort #2 am: 05.03.2010 13:50 Uhr »
Danke Aeneas !

Ja, Casebook. Wollte es nur mal übersichtlicher darstellen...

Die Observation war ja ein bekannter Fakt. Ich suchte nur nach einer Schlachterei, die vielleicht in einer Art Akkord arbeitete. Hatte immer nur auf die Geschäfte geschaut. Dabei das Schlachthaus übersehen.

Der Täter war mir einfach zu schnell, zu sicher mit dem was er tat. Der hatte Erfahrung, war kräftig und perfekt mit dem Messer. Dieses "Ausbluten" lassen, die Tatorte und Beschreibungen der Mediziner, der war in Übung.

Gruß.
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Offline panopticon

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Re: Butcher´s Row
« Antwort #3 am: 05.03.2010 15:56 Uhr »
Danke, Lestrade - tolle Übersicht! :icon_thumb:


Hast Du vielleicht auch irgendwelche Zusammenhänge mit diesen ´Harrison Barber Slaughterhouses´ feststellen können? Eines davon befand sich ja angeblich in der Winthrop Street (bei der Buck´s Row gleich "um´s Eck") und ein weiteres angeblich direkt in der Hanbury Street.....

Butcher´s Row wiederum ist, wie Du ja schon erwähnt hast, nicht weit vom Mitre Square weg, dort gab es eben dieses Schlachthaus (Harrow Alley, Aldgate) – Wer betrieb das denn jetzt genau?


Martin Kosminski, den Kürschner, den Joseph Hyam Levy kannte, würde ich übrigens eventuell anderswo vermuten: Sieh Dir mal die Werbungen in diesen Zeitungen an, wenn Du (als alter Kosminski-Experte ;) ) es nicht ohnedies schon getan hast: (´Berners Street´ ist übrigens nicht mit ´Berner Street zu verwechseln, es handelt sich  dabei tatsächlich um eine andere Straße!) ´

http://www.casebook.org/about_the_casebook/cbindex.html?showindex=Martin%20Kosminski

Wenn er das war, ging´s ihm wohl scheinbar gar nicht schlecht. Und alt dürfte er dann auch geworden sein.


Grüße,
panopticon

Offline Lestrade

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Re: Butcher´s Row
« Antwort #4 am: 06.03.2010 00:44 Uhr »
Hi panopticon !

Ich antworte dieser Tage...

Lieben Gruß,

Lestrade.
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Offline Lestrade

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Re: Butcher´s Row
« Antwort #5 am: 06.03.2010 12:43 Uhr »
Guten Morgen panopticon !

Nun komme ich doch eher dazu…

Du stößt mich aber vielmehr mit der Nase drauf…

Ich wusste nur von der Winthrop Street (Buck´s Row), jetzt weiß ich aber auch vom Barber´s Yard (Hanbury Street) und dem Schlachthaus in der Harrow Alley (Mitre Square). Etwas, nachdem ich gesucht habe. Die ersten beiden, gehörten zu den Harrison Barber Slaughterhouses. In der Harrow Alley weiß ich nicht. Meine Idee?
Scales & Leuw, De Leeuw, Fam.Louissan, evtl. Nathan, Bosman könnten dieses Schlachthaus betrieben haben. Egal in welcher Konstellation. Ich kenn mich nicht so gut mit dem Judentum aus, denke aber dass sie “besonderes Fleisch“ brauchten. Hier wären genug Juden in dieser Butcher´s Row, die auch Geschäfte betrieben um dahinter ein eigenes Schlachthaus zu betreiben…Nur eine Idee eben…

Wir haben in der unmittelbaren Nähe dreier Opfer (Nichols, Chapman, Eddowes) drei Schlachtereien. Dies kann kein Zufall sein.
Ich erinnere an Aussagen von Macnaughten und Cox, das ihr Verdächtiger an verschiedenen Orten zu finden gewesen war. Macnaughten glaube ich, sagte, dass sein Verdächtiger zu den Taten allein, nach Einbruch der Dunkelheit, in verschiedenen Einrichtungen oder Geschäften zu finden war. Dabei könnte er solche Schlachtereien gemeint haben. Ich denke, solche Schlachtereien waren rund um die Uhr besetzt. Auch an Feiertagen und Wochenenden. Die Zeugen (Bretton, Mumford, Tomkins) aus der Schlachterei in der Winthorp Street, im Falle Nichols, könnten dies ja evtl. untermauern. Dieser Einsatz in solchen Schlachthöfen, könnten auch einen Rhythmus ergeben, wie wir ihn beim Ripper fanden (Monatsanfang, Monatsende). Weder hatte er frei oder ging zur Arbeit. Blut in einer Schlachterei dürfte wohl nicht auffallen…Die Wahrscheinlichkeit dass Jack the Ripper ein Butcher war, betrachte ich sehr, sehr hoch…

Wenn dies so wäre…dann hätten Bretton, Mumford und Tomkins den Täter gekannt. Hier könnte der “Kosminski“ zu finden gewesen sein…

Apropos Kosminski panopticon! Wenn ich den meine, dann meine ich immer “Kosminski“. Swanson seinen…Niemals Aaron Kosminski, eher David Cohen (+Fido´s Kaminsky). Ich denke, es ist eine 50:50 Chance, dass dieser Mann überhaupt so hieß. Weder war er verwandt mit Kosminskis oder gehörte zum Bekanntenkreis derer. Martin Kosminski dürfte nichts mit den Verbrechen zu tun gehabt haben, vielleicht gab es aber eine Art von “Verbindung“ damit.
Martin Kosminski (ja, Berners Street und Berner Street sind nicht das ein und dasselbe) war ja nicht nur Joseph Hyam Levy bekannt (übrigens ja auch Fleischer) sondern durch gesellschaftliche Aktivitäten auch mit dem Louissan- Clan (siehe Butcher´s Row) und dem (Tabak) Abraham- Familienverbund.

Was ich sagen will, wir bekommen über die Nennung des Namens “Kosminski“ bei Swanson und Macnaughten und über bestimmtes Wissen über den Zeugen Joseph Hyam Levy, ein daraus resultierendes Beziehungswirrwarr verschiedenster Personen, das bei einer Sortierung ein gewisses Bild ergibt. Nämlich das dieser “Kosminski“ sehr gut Jack the Ripper gewesen sein könnte.

Wenn, dann gibt es eine Akte. Irgendwo…Oder es gab sie zumindest…mit Bildchen…

Bis denne,

Lestrade.
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Re: Butcher´s Row
« Antwort #6 am: 07.03.2010 11:46 Uhr »
Also ich habe über das jüdische Schlachten (die Schechita) etwas nachlesen können. Der Vorgang heißt dort Schächten und wird vom Schächter (Schochet) mit einem rasierklingenscharfen Messer (Schächtmesser) durchgeführt. Mit einem einzigen präzisen Schnitt wird die Halsschlagader und Speiseröhre bis auf die Halswirbelsäule durchtrennt. Der Schnitt muss wie das Messer perfekt sein. Laut Volksmund ist ein Töten in Hinterhöfen ohne Störung der Zeremonie/des Rituals weit verbreitet. Ein Rabbiner muss anwesend sein. Lunge, Leber und alle anderen Organe werden auf ihre Gesundheit geprüft. Überwiegend wird in Rückenlage geschächtet. Gebete werden gesprochen.

Heute dauert die die Ausbildung zum Schächter wohl ca. anderthalb Jahre. Dabei bekommt man neben den jüdisch-religionsgesetzlichen Grundlagen des Schächtens, auch Wissen über die Anatomie der Schlachttiere, tiermedizinische Grundlagenkenntnisse und die Technik des korrekten jüdischen Schlachtens gelehrt.

Wenn wir also annehmen, dass ein jüdischer Schlachter Jack the Ripper war, finden wir einige Punkte die dies untermauern könnten.

Die Art des Kehlschnittes
Die Lage der Opfer
Der Zugriff auf innere Organe
Die Tatorte (Hanbury Street, Berner Street, Mitre Square, Miller´s Court also Hinterhöfe, Höfe, abgelegene Ecken, geschlossene Räume )
Möglicher Verzehr von Fleisch

Ich erinnere an die Aussage des Zeugen William Marshall der bei Liz Stride einem Verdächtigen sagen hörte: Sie würden alles andere als ihre Gebete sagen!

Sollte solch eine Mann von vornherein tatsächlich vorgehabt haben Kannibalismus zu betreiben, dann könnte er sich an die Vorgaben gehalten haben. Das heißt, er hätte eine weitere Person (eine Art Rabbiner) dabei gehabt haben müssen. Ich erinnere erneut an die Sichtung zweier Männer durch den Zeugen Schwartz im Falle Stride und an meine Gedanken zu den Anderson,- Macnaughten,- Swanson,- Sagar,- Cox  Statements die meiner Meinung nach auch auf zwei unterschiedliche Personen passen könnten. Dazu natürlich auch die zwei Täterbeschreibungen (“schäbig“ und “fein“) weiterer Zeugen.

Natürlich ist die Einzelserientäter- Theorie auch im Falle Jack the Ripper wahrscheinlicher. Bin ich auch dafür aber gänzlich ausschließen? Hierbei könnte es, beim eigentlichen, typischen Einzeltäter, zu einer Konfrontation seines gewollten Kannibalismus mit seinem Glauben Fleisch zu sich zunehmen, gekommen sein. Und es hätte dann zu einem Einbezug einer weiteren Person führen können, die, das muss ich zugeben, nicht viel weniger krank gewesen sein darf.

Schönen Sonntag,

Lestrade.


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KvN

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Re: Butcher´s Row
« Antwort #7 am: 07.03.2010 16:26 Uhr »
Cave: Das Schächten, also das betäubungslose Ausbluten des Schlachttieres, ist heute eine Eigenart jüdischer und moslemischer Glaubensgemeinschaften...1888 war es aber die normale Form des Schlachtens!
Grüße

Offline Lestrade

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Re: Butcher´s Row
« Antwort #8 am: 07.03.2010 17:22 Uhr »
Echt? Dann müssen die Wikipedia Infos darüber verkehrt sein. Auch die Illustrationen darin aus dem 15 Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts.

Naja, dann vergiss es...

Grüße zurück.
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OceanTango

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Re: Butcher´s Row
« Antwort #9 am: 07.03.2010 17:35 Uhr »
Also ich habe über das jüdische Schlachten (die Schechita) etwas nachlesen können. Der Vorgang heißt dort Schächten und wird vom Schächter (Schochet) mit einem rasierklingenscharfen Messer (Schächtmesser) durchgeführt. Mit einem einzigen präzisen Schnitt wird die Halsschlagader und Speiseröhre bis auf die Halswirbelsäule durchtrennt. Der Schnitt muss wie das Messer perfekt sein. Laut Volksmund ist ein Töten in Hinterhöfen ohne Störung der Zeremonie/des Rituals weit verbreitet. Ein Rabbiner muss anwesend sein. Lunge, Leber und alle anderen Organe werden auf ihre Gesundheit geprüft. Überwiegend wird in Rückenlage geschächtet. Gebete werden gesprochen.

Heute dauert die die Ausbildung zum Schächter wohl ca. anderthalb Jahre. Dabei bekommt man neben den jüdisch-religionsgesetzlichen Grundlagen des Schächtens, auch Wissen über die Anatomie der Schlachttiere, tiermedizinische Grundlagenkenntnisse und die Technik des korrekten jüdischen Schlachtens gelehrt.

Wenn wir also annehmen, dass ein jüdischer Schlachter Jack the Ripper war, finden wir einige Punkte die dies untermauern könnten.

Die Art des Kehlschnittes
Die Lage der Opfer
Der Zugriff auf innere Organe
Die Tatorte (Hanbury Street, Berner Street, Mitre Square, Miller´s Court also Hinterhöfe, Höfe, abgelegene Ecken, geschlossene Räume )
Möglicher Verzehr von Fleisch

Ich erinnere an die Aussage des Zeugen William Marshall der bei Liz Stride einem Verdächtigen sagen hörte: Sie würden alles andere als ihre Gebete sagen!

Sollte solch eine Mann von vornherein tatsächlich vorgehabt haben Kannibalismus zu betreiben, dann könnte er sich an die Vorgaben gehalten haben. Das heißt, er hätte eine weitere Person (eine Art Rabbiner) dabei gehabt haben müssen. Ich erinnere erneut an die Sichtung zweier Männer durch den Zeugen Schwartz im Falle Stride und an meine Gedanken zu den Anderson,- Macnaughten,- Swanson,- Sagar,- Cox  Statements die meiner Meinung nach auch auf zwei unterschiedliche Personen passen könnten. Dazu natürlich auch die zwei Täterbeschreibungen (“schäbig“ und “fein“) weiterer Zeugen.

Natürlich ist die Einzelserientäter- Theorie auch im Falle Jack the Ripper wahrscheinlicher. Bin ich auch dafür aber gänzlich ausschließen? Hierbei könnte es, beim eigentlichen, typischen Einzeltäter, zu einer Konfrontation seines gewollten Kannibalismus mit seinem Glauben Fleisch zu sich zunehmen, gekommen sein. Und es hätte dann zu einem Einbezug einer weiteren Person führen können, die, das muss ich zugeben, nicht viel weniger krank gewesen sein darf.

Schönen Sonntag,

Lestrade.



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boah is das ekelig!!!
-ich weiß ja wie das abging-aber trotzdem!
ein killer will ich nicht sein.

KvN

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Re: Butcher´s Row
« Antwort #10 am: 08.03.2010 07:43 Uhr »
Morgen!

@Lestrade: Ich behaupte ja keinesfalls dass meine Informationen absolut korrekt sind! Sind natürlich auch nur second hand, soooo alt bin i ja auch wieder ned...Und es kommt natürlich auch auf die Definition des Schächtens an. Versteht man darunter das exakte Ritual der Schechita, dann schränkt sich die Anwendung auf die Fleischer mosaischen Bekenntnisses ein. Sieht man die Sache lediglich technisch, also Schlachtung durch Kehlschnitt ohne Betäubung, dann müssen wir den Anwenderkreis etwas erweitern...Da aber der christliche Glauben nach meinem Wissensstand keine ritualisierten Schlachtvorgänge kennt wurden die Tiere wohl auf viele verschiedene Arten gemurkst. Da befinde ich mich aber auf dünnem Eis, bin für jedwege Erweiterung meines Erkenntnisstandes dankbar! Tatsache ist aber - und so möchte ich mein posting verstanden wissen - dass auch bei vielen anderen Schlachtarten der Tod durch Exsanguinierung nach Durchtrennung der Carotiden eintritt.

Grüße

P.S. Trotz meiner Skepsis, ein Punkt der die Schächter Theorie eventuell untermauern könnte:
Es ist Vorschrift dass für die Durchführung ein Schnitt ausreichen sollte. Ist dies nicht möglich, darf das Messer keinesfalls aus der Wunde gezogen werden, weitere Schnitte müssen ohne Absetzen gesetzt werden. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass JtR einen Hals bis auf die Wirbelsäule mit einem Schnitt durchtrennen konnte, von einem zweiten Schnittansatz ist aber nirgendwo die Rede...Hmmmm... 

Offline Lestrade

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Re: Butcher´s Row
« Antwort #11 am: 08.03.2010 12:14 Uhr »
Nun ja, da magst du sicherlich recht haben aber ich sehe mir halt bestimmte Tatsachen an und Versuche dabei etwas zu erkennen, was uns eventuell weiterhilft.

Da wären:

Die Observation in der Butcher´s Row, die wahrscheinlich einem Juden galt.
Drei Schlachtereien in der Nähe dreier Tatorte
Die Verwendung eines äußerst scharfen Messers
Die Halsverletzungen
Das Ausschlachten oder der Versuch dazu bei den Opfern
Die Position der Opfer
Die Schnelligkeit und die Sicherheit im Umgang mit dem Messer

Dies würde auch, ohne das jüdische Schächten weiter zu betrachten, auf einen Schlächter hindeuten, wie ich meine. Der Täter war geübt, er war kräftig und fit und hatte keine Skrupel vor dem Töten. Ich sage ja auch nur, dass dies ein Butcher gewesen sein könnte, es gibt selbstverständlich andere Möglichkeiten aber die Wahrscheinlichkeit eines Schlächters würde ich im Falle Jack the Rippers als äußerst hoch einstufen. Meinem aktuellen Wissenstand entsprechend…

Falls er nur Schlachtungen für koscheres Fleisch vornahm, könnte dieser Mann auch einen anderen Beruf ausgeübt haben und nur dafür angefordert worden sein. Ich meine, er könnte solche Schlachtungen unabhängig von den Betreibern solcher Schlachthöfe durchgeführt haben. Er war dort, wo man Ihn gerade brauchte.

Die Tatorte waren schon sehr risikoreich. Möglich, dass solche Täter einfach so sind und so agieren aber bei Ihm war dies schon ganz schön heftig. Deshalb, auch aufgrund von diversen Zeugenaussagen und dort besonders von Schwartz, würde ich einen zweiten Mann am Tatort nicht vollkommen ausschließen wollen. Früher dachte ich, einer der nur Schmiere steht aber wenn ich jetzt mein Wissen über das Schächten hinzuaddiere, dann ergibt es gegen die Einzeltätertheorie doch eine recht annehmbare Möglichkeit, nämlich jenes Ritual des Schächtens. Für mich der einzigen Grund den ich jetzt kenne, warum ein eigentlich vorprogrammierter Einzeltäter eben von dieser Art des Agierens abgegangen sein könnte.

Aber wie immer nur neues Blablabla...was sollen wir auch anderes machen...? Immer das gleiche durchkauen ist doch auch ziemlich öde...

Was heißt eigentlich KvN?

Kosminski versus NaughtenMac? :icon_idea:

Ich pfeif auf euch...

Lestrade.



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Re: Butcher´s Row
« Antwort #12 am: 08.03.2010 21:28 Uhr »
Weit simpler...Kurt Vinzenz Nistler, schlichtweg mein Name.
Bezüglich des Schlächters allgemein stimme ich dir absolut zu, kaum jemand (Ärzte inklusive) hat so viel Erfahrung im Durchtrennen von Gewebe. Vielleicht hat er ja Medizin studiert und dabei seine wahre Berufung erkannt*hähä*...
Und auch bei den Tatorten gehen unsere Überlegungen parallel, sie sind enorm risikoreich, aber eben nur für einen Einzeltäter.

Auch nur Blabla, oder, wie wir Ösis sagen, Hirnwichserei...
Aber irgendwie amüsant und entspannend!

Grüße

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Re: Butcher´s Row
« Antwort #13 am: 08.03.2010 22:41 Uhr »
Dem Ripper traue ich alles zu...

Dein Name hört sich aber alt an...Österreich? Da hatten wir hier mal einen merkwürdigen Export von euch...ist lange her...

Ach, naja, ich lese gerne die Beiträge hier...

So eine Puzzlelei entspannt, ja...

Grüße.
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Re: Butcher´s Row
« Antwort #14 am: 16.07.2010 17:45 Uhr »
Nachdem die Zeit etwas vergangen ist und einige Blickwinkel sich verändert haben, möchte ich hier mal wieder etwas schreiben.

Ich möchte daher noch mal kurz Sagar ins Spiel bringen, der ja einen Mann in der Butcher´s Row observiert hatte.

Sager sagte, dieser Mann war nicht zu identifizieren und konnte nicht belangt werden, kam jedoch nach kurzer Zeit in eine Anstalt. Falls es der gleiche Mann war wie von Swanson beschrieben, könnte Sagar eben seine Aussage auf die stattgefundene Identifizierung bezogen haben, die uns ja schließlich Swanson beschrieb. Wie weit und genau Sagar über dieses Sache informiert gewesen wäre, lassen wir mal außen vor. Aber Sagar´s:

Identification being impossible, he could not be charged.

könnte ja auf die zurückgezogen Aussage von Swanson´s Zeuge bezogen worden sein. So wie sie uns Swanson beschrieb:

"...because the suspect was also a Jew and also because his evidence would convict the suspect, and witness would be the means of murderer being hanged which he did not wish to be left on his mind...

Sagar´s Kollege Cox könnte, aufgrund der Betrachtungsweise der einzelnen Observationen, einen anderen Mann beschattet haben. Der aber vielleicht dennoch in Bezug zu den Taten gestanden haben könnte. Aber somit wäre Cox "kleiner Shop", nicht unbedingt maßgebend bei der Begutachtung der Butcher´s Row, was die Schlachtergeschäfte in der Aldgate High Street angeht. Sondern auch ein größeres Geschäft. Bei den kleinen wären es die von Bosman und De Leeuw aber von den größeren auch Scales & Leuw und das von Henry Nathan. Wenn man die jüdischen Geschäfte betrachtet. Zu einem Juden erhalten wir aber von Sagar keinen Hinweis, dennoch aber von Swanson und Cox. Diese beiden größeren Geschäfte sind auch daher interessant, da man, wenn man aus diese Läden ging und zwar nach rechts, überquerte man quasi die Grenze von der City Police zur MET, in wenigen Augenblicken.

Henry Nathan (Meat Salesman) konnte ich im Census von 1881 finden. Dort allerdings mit der Adresse High Street 46. Sein Geschäft in der Butcher´s Row in 1888- 1891 trug die Nummer Aldgate High Street 46. Ich vermute fast, es ist ein und die selbe Adresse. Henry Nathan wurde in London 1843 geboren. Seine Frau Catherine! 1848. Sie hatten die Kinder Henry (1872) und Emil (1881). Zu Gast war Flora Leslie (1869). Weiterhin lebte dort als Haushälterin Elizabeth! Merriman (1848). Es ist zumindest bemerkenswert, das zwei Frauen in einem Haushalt lebten, 1888 beide 40 Jahre alt waren und die Opfer des DoubleEvents ,die gleichen Vornamen trugen, wie wir sie auch im Haushalt der Nathans finden. Als Shop Boy, war der 1865! in Rotterdam geborene Abraham Ackorte dort ebenfalls lebend. Ein ungewöhnlicher Zuname wie ich feststelle. Außerdem ist es das gleiche Geburtsjahr wie das von Kaminsky, Cohen und Kosminski. Es wäre ja möglich, das sich dort später ein gleichaltriger Shop Boy dazugesellte oder den alten ersetzte. Eine Annie! Nathan lebte in 1881 auch noch in der Nummer 67. Sie war Haushälterin von Beruf. 1833 geboren. Sie war der Haushaltsvorstand und sie lebte mit ihrem Neffen Jonas (1869) zusammen. Keine Ahnung ob Annie und Henry Nathan verwandt waren. Zu den Namen Catherine und Elizabeth würde sich dann aber noch der Name Annie zugesellen. In 1888 dann 55 Jahre alt. Das wären dann die drei Vornamen, wie wir sie auch bei den Ripper- Opfern finden.

Ich wollte euch das zumindest einmal mitteilen. Und auch, wie ein "Geschäft" so ausgesehen haben könnte, Personenbezogen.

Viele liebe Grüße,

Lestrade.
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