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Fachliche Themen => Allgemeine Diskussion => Thema gestartet von: Stordfield am 29.09.2007 21:26 Uhr
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Hallo !
Wie ich bisher fälschlicherweise immer annahm , war das Aufschlitzen der MO des Rippers . Dem ist aber nicht so . In John Douglas`Buch " Jäger in der Finsternis " schreibt der führende Experte für Persönlichkeitserforschung und krimonologischer Analysen von Serienmördern : " Eine wichtige Anmerkung : Es ist ein modus operandi ( MO ), eine Vorgehensweise sich den Arm einzugipsen , um Frauen zu entführen - Frauen umzubringen und sie zu häuten , ist kein MO . Für diesen Bestandteil des Verbrechens habe ich den Begriff " Handschrift " geprägt , denn er stellt sozusagen eine persönliche Note des einzelnen Täters dar . Als Vorgehensweise ( MO ) bezeichnet man das , was der Mörder tut , um sein Verbrechen ausführen zu können ; die " Handschrift " ist in gewisser Weise der Grund , warum er es tut - nämlich das , was ihn emotional befriedigt . Ich habe über Jahre hinweg festgestellt , daß die " Handschrift " viel mehr über das Verhalten eines Serientäters verrät als die Vorgehensweise . Das liegt daran , daß die " Handschrift " immer gleichbleibt , während sich die Vorgehensweise ändert . Sie entwickelt sich im Laufe einer Verbrecherkarriere , da der Täter aus seinen Erfahrungen lernt . Wenn ihm eine bessere Methode einfällt , ein Opfer in seine Gewalt zu bringen , wird er sie anwenden . Doch sein emotionales Motiv , das ihn veranlaßt , das Verbrechen überhaupt zu begehen , ist festgelegt ."
Wenn ich dies jetzt richtig verstanden habe , müßte doch eigentlich der MO des Rippers seine Methode sein , wie er die Opfer an entlegende Orte lotst , sich ihr Vertrauen erschleicht . Oder ???
Gruß Stordfield
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Na ja, es war nicht wirklich schwer mit Geld das "Vertrauen" der Gelegenheitsprostituierten zu erschleichen und sie dann in einen Hinterhof o.ä. zu "locken".
Ob JTR von so etwas wirklich emotional befriedigt wurde? Ich weiss nicht recht. Das kann ich mir nicht so recht vorstellen. Ich denke es ging um reine Triebbefriedigung. Und diese erlangte er, indem er Frauen umbrachte.
:)
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Die "Handschrift", der emotionale Beweggrund, könnte vieles gewesen sein. Eben das wissen wir ja nicht genau....was ich auch für das größte Problem bezüglich der Lösung des Falls halte.
War es eine Art sexueller abartiger Trieb? War die Entnahme der Organe wichtig (und damit nicht zugeschriebene Opfer tatsächlich ein Opfer JTRs)? War es der Mord an sich? Das brutale Abschlachten als eine Art Rache oder Machtgefühl?
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Hallo !
Die " Handschrift " des Rippers war eindeutig das Aufschlitzen . Dies macht es leichter , seine tatsächlichen Opfer zu benennen .
Gruß Stordfield
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Hi
Ich sehe im MO des Rippers inzwischen immer die Herangehensweise an die Morde und deren Ausführung. Dazu zählt in meinen Augen nicht die Art der Verletzungen, denn diese bilden bei Wiederholungen bei jedem Opfer die Handschrift des Täters. Beim Ripper würde ich sagen, seine Handschrift sind der Fokus auf Kehle, Geschlechtsorgane, und das Öffnen/Schlitzen im Bauchdeckenbereich. Nicht umsonst wird diskutiert, ob Tabram zum Beispiel ein Opfer des Rippers ist. Durch die Handschrift macht er sich einzigartig und man kann ihn zuordnen. Natürlich müssen auch hier Dinge wie äußere Umstände, der Zustand des Opfers (lebend) und ähnliche berücksichtigt werden. Das führt ja auch dazu, dass Kelly von den meisten als Ripperopfer gesehen wird, obwohl sich die Handschrift streng genommen von Opfern wie Nichols, Chapman oder Eddowes unterscheidet.
Im Modus Operandi sehe ich ganz prinzipielle Dinge: Das die Morde mit einem Messer begangen werden zum Beispiel. Das der Ripper offensichtlich Prostituierte auf der Straße ansprach. Die Tatzeit, an Feiertagen und Nachts. Solche Dinge. Über den Modus Operandi sind uns in der Hinsicht weniger Dinge bekannt als über die Handschrift. Ein gutes Bild über die Handschrift liefern uns die vorhandenen Post Mortem Untersuchungen. Wie sich der Ripper aber an seine Opfer heranschlich, wie er im Endeffekt den Kehlschnitt ausführte, ob er auf dem Opfer saß oder nebendran - all dies sind Spekulationen...
Ich denke, das Messer ist ein wesentlicher Bestandteil des Modus Operandi, denn es war essentiell wichtig, um den Ripper die Befriedigung durch Schlitzen zu ermöglichen.
Grüße, Isdrasil
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Ich denke, das Messer ist ein wesentlicher Bestandteil des Modus Operandi, denn es war essentiell wichtig, um den Ripper die Befriedigung durch Schlitzen zu ermöglichen.
Sehe ich etwas differenzierter.
Gehen wir von obiger Definition aus
(Als Vorgehensweise ( MO ) bezeichnet man das , was der Mörder tut , um sein Verbrechen ausführen zu können ; die " Handschrift " ist in gewisser Weise der Grund , warum er es tut - nämlich das , was ihn emotional befriedigt .)
müsste das Beschaffen und Beisichführen des Messers Bestrandteil des modus operandi sein.
Aber ist das Zufügen von Schnittverletzungen, Verstümmelungen ist nach dieser Definition dann Teil der Handschrift.
Das kann m.E. zumindest nicht für die Schnitte am Hals gelten. Diese sind nur ein Mittel, sich des Opfers vollständig endgültig zu bemächtigen (auf Nummer Sicher gehen, dass kein Widerstand mehr kommt) und damit modus operandi.
Insoweit gebe ich dir recht.
- Die anschließenden Verstümmelungen und eben auch, dass hierzu gerade ein Messer eingesetzt wird sind doch dann aber
Teil der Handschrift.
oder nicht ???
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die emotionale befriedigung ist eher das motiv als handschrift.
durchaus würde ich es nicht unbedingt so sehen - modus operandi, die tatvorbereitung die in die "handschrift", die art des tötens übergeht, alles in allem eine konkludente handlung. es spielt daher für mich keine rolle, ob man modus operandi und "handschrift" differenziert, da es eigentlich keine grosse erkenntnis bringt. beides passt für den ganzen ablauf der tat.
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Hi Londonfog,
ja, da können wir jetzt wirklich drüber diskutieren. Aber irgendwie hast du es doch schon selbst gesagt:
Als Vorgehensweise ( MO ) bezeichnet man das , was der Mörder tut , um sein Verbrechen ausführen zu können ; die " Handschrift " ist in gewisser Weise der Grund , warum er es tut - nämlich das , was ihn emotional befriedigt.
Aber ist das Zufügen von Schnittverletzungen, Verstümmelungen ist nach dieser Definition dann Teil der Handschrift.
Das Zufügen der individuellen Verletzungen am Opfer ist Teil der Handschrift - die Tatwaffe zählt in meinen Augen jedoch eher zum MO, zählt sie doch nach deiner Definition zu den Sachen, die der Mörder tut, um sein Verbrechen auszuüben. Ich kann es auch anders ausdrücken: Die Handschrift des Täters ist ein (mehr oder weniger) einzigartiges Merkmal. Sicher wird es Mörder geben und hat es Mörder gegeben, die dem Ripper in seiner Handschrift ähneln, das ist klar, aber prinzipiell erkennt man den Täter an seiner Handschrift. Das Verwenden eines Messer ist mir in diesem Fall viel zu allgemein gehalten. Sehr viele tätliche Angriffe im East End fanden mit einem Messer oder einem Schneidwerkzeug statt. Daher kann ich das Messer nicht zur Handschrift zählen - denn es ist absolut nicht individuell auf den Ripper bezogen.
Auch zähle ich den Kehlschnitt zu den Merkmalen des Rippers, denn ich sehe ihn nicht als zweckmäßig an. Ich glaube immer noch, der Ripper hat seine Opfer vor dem Durchtrennen der Kehle zumindest bewusstlos gewürgt. Man kann auch sagen, dass Würgen mit anschließendem Schnitt zählt zur Handschrift des Rippers. Somit ist der reine Zweck des Kehlschnitts eher fraglich...hatten wir diese Diskussion nicht schon mal bei Bury? :icon_wink:
Grüße, Isdrasil
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Jetzt hast du mich aber ertappt. :icon_mrgreen:
Den wollte ich auf diese weise etwas versteckt ausgraben. Sorry, aber Ich komme einfach nicht so ganz von
ihm los.
Du hast recht, die Diskussion über die Zweckmäßigkeit der Kehlschnitte können wir uns wohl schenken.
Für alle, die das interssiert folgender link:
http://jacktheripper.de/forum/index.php/topic,215.75.html
Oh, ich sehe gerade, dass wir das eigentlich doch weiterdiskutieren könnten. Wir haben das damals einfach so abgebrochen.
Daher folgende Einladung: http://jacktheripper.de/forum/index.php/topic,966.0.html
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Hi
Ich habe zu diesem Thema gerade eher zufällig ein paar Definitionen gelesen, die ich Euch nicht vorenthalten möchte.
John E. Douglas, ehemaliger FBI-Profiler, beschreibt den Verhaltens-Fingerabdruck 1992 im FBI Law Enforcement Bulletin wie folgt:
"Die Visitenkarte ist das, was über das zur Begehung des Mordes Notwendige hinausgeht. Die Handschrift ist sehr häufig fantasiegebunden. Sie mag sich entwickeln, was jedoch nicht heißt, dass sie sich im landläufigen Sinne verändert. Vielmehr ist dies ein Prozess des sich nach und nach ausprägenden Themas. Die Handschrift bleibt im Kern - im Gegensatz zum Modus Operandi - unverwechselbar erhalten."
Robert D. Keppel, ehemaliger Kriminalist und jetziger Präsident des Institute for Forensic in Seattle, beschreibt die "psychologische Visitenkarte" in seinem Buch Signature Killers (1997) als "persönlichen Ausdruck, den unverwechselbaren Stempel, den er der Tat aufdrückt als Ergebnis eines psychologischen Zwangs, sich auf diese Weise sexuell zu befriedigen."
Brent E. Turvey, Wissenschaftler und Fallanalytiker, schreibt in Criminal Profiling 1999 folgendes:
"Eine Täter-Handschrift ist das Muster eines unverwechselbaren Verhaltens, das charakteristisch ist für emotionale und psychologische Bedürfnisse".
Stephan Harbort, deutscher Serienmordforscher und Kriminalhauptkommissar, stellt in Phänomen Serienkiller 2002 unter Anderem folgendes fest:
"Unter einer Signatur sollten unverwechselbare Handlungssequenzen verstanden werden , die die speziellen Bedürfnisse eines Täters abbilden und keinen strategischen oder rationalen Charakter aufweisen. Hierdurch unterscheidet sich die Signatur vom Modus Operandi, der lediglich die kognitiv gesteuerten Tathandlungen beschreibt - die innere, psychopathisch bedingte und hochsignifikante Struktur der Tat, ihre charakteristische Ausprägung hingegen weitgehend unberücksichtigt lässt....es wird davon auszugehen sein, dass das Signatur-Konzept lediglich auf bestimmte Tätertypen anwendbar ist - insbesondere sadistische Serienmörde...signifikante Handlungsmuster können sich verändern, wenn entsprechende Fantasien weiterentwickelt werden."
Grüße, Isdrasil
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Danke Isdrasil !
Das finde ich äußerst lehrreich !
Gruß Stordfield
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Hi Stordfield,
Dankeschön :icon_razz:
Ich denke, die meisten (mich eingeschlossen) glaubten bis jetzt oder zumindest am Anfang ihres Interesses am Ripperfall, es sei der MO, der einen Täter so speziell macht. Dabei ist das völlig falsch! Der Modus Operandi kann sich von Tat zu Tat vollkommen unterscheiden und sagt relativ wenig über den Täter aus. Natürlich hat ein Täter öfters einen speziellen MO und Herangehensweise an den Mord, aber diese kann auch von mal zu mal unterschiedlich sein - da sich die Umstände niemals vollständig gleichen. Mal spielt der Ort eine Rolle, mal das Verhalten des Opfers, mal die Tagesform des Täters, mal so scheinbar lapidare Dinge wie das Wetter. Aber das hast Du ja auch alles schon gesagt - ich kaue halt gerne nochmal drauf rum :icon_wink:
Es ist die Signatur, die entscheidend ist. Und selbst die Signatur kann sich anscheinend ändern, solange die Kernelemente dem Charakter des Täters und seinen Fantasien entsprechen. Wie Harbort schrieb: Fantasien können sich weiterentwickeln. Aus einem Raubtäter kann ein Sexualtäter werden, aus diesem ein sadistischer Täter. Es scheint ein Mythos zu sein, dass jeder Täter bei jedem Opfer stets die gleichen Verletzungen zufügt und dies auch so möchte. Es gibt etliche Beispiele, bei denen die Täter erst nach dem ersten, zweiten oder dritten Mord ihre Signatur vollständig entwickelt hatten. Manche fingen sogar Jahrzehnte später noch an, andere Elemente in ihre Taten einzubauen (siehe Kroll)...
Was ist mein persönliches Fazit?
1. Argumente wie "Die kann kein Ripperopfer sein, völlig anderer MO." sind im Grunde hinlänglich, da sich der MO aus der Umgebung und den Umständen ergibt und sich von Tat zu Tat aufgrund der Umstände unterscheiden kann.
2. Tabram und Kelly sind noch lange nicht ausgeschieden. :icon_wink:
Grüße, Isdrasil
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dann sagen modus operandi und signatur eigentlich recht wenig aus. ich frage mich jetzt nur was nützt es, sich mit solchen dingen dann auseinander zusetzen, da eine tat so oder so von statten gehen kann. die erkenntnisse, die man aus einer tat herausziehen kann sind dann wohl nur für kriminalpsychologen von bedeutung und helfen bei der aufklärung einer tat nicht sonderlich, oder liege ich da etwas falsch ?
auf alle fälle interessant deine ausführungen isdrasil, danke :icon_thumb:
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Hi PF
Ja, da hast wohl recht. Das ist vielleicht auch ein Grund, weshalb auch heutzutage viele Serienmörder nicht geschnappt werden und viele Mordserien gar nicht erst als solche erkannt werden. Die Signatur ist eben fast nur bei sadistisch-sexuell motivierten Tätern von Bedeutung, und selbst da ist sie Änderungen unterworfen. Man muss schon sehr stark in der Materie drin sein, um solche Änderungen zu erkennen. Wir Hobbyripperologen haben den Vorteil, das uns die Opferauswahl schon vorgegeben ist und wir nur noch zwischen vorgegebenen Bahnen entscheiden müssen.
Wie schwer muss es erst für die heutigen Ermittler sein, eine Mordserie zu erkennen, die sich bundesweit erstreckt und in den Tatbegehungen unterscheidet?
Man muss allerdings dazu sagen, dass eben nur die Möglichkeit einer Änderung der Signatur besteht und dies in den Definitionen eben drin stehen muss. Es ist nicht zwingend, obwohl es tatsächlich in vielen modernen Fällen so war und ist. Also mal keine Schwarzmalerei hier... :icon_wink:
Wir müssen uns nur die Möglichkeit offenhalten, dass der Ripper auch Änderungen unterworfen war und von dem starren Bild wegkommen. Meine Meinung.
Grüße, Isdrasil
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Wie schwer muss es erst für die heutigen Ermittler sein, eine Mordserie zu erkennen, die sich bundesweit erstreckt und in den Tatbegehungen unterscheidet?
zum glück haben die heutige ermittler andere möglichkeiten (z. b. dna) um eine tat aufklären zu können, anhand der sichtung bzw. eines erkennen des mo oder der signatur fällt die aufklärung wahrlich schwer, wenn überhaupt möglich, da diese dinge dann wohl nur wahrscheinlichkeiten sind. aber das einzige, was für die eindeutige überführung eines täters notwendig ist, sind nun einmal beweise und keine wahrscheinlichkeiten.
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Hi PF
Stimmt natürlich. Heutztage haben wir eine ganz andere Fahndungsqualität. Auch interessant: Etliche Mordserien werden erst aufgedeckt, nachdem ein Täter die Morde gestanden hat. Oft wird ein Mörder für eine Tat festgenommen und plötzlich kommt heraus, dass noch viel mehr ungeklärte Mordfälle auf sein Konto gehen.
Grüße, Isdrasil
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Hallo !
Sicher ist das alles richtig , was Du schreibst , PF , aber wenn man so gar keinen Ermittlungsansatz hat , sind eben auch Wahrscheinlichkeiten wichtig . Ich bin der Meinung , daß in absehbarer Zeit , die Auswertung von MO und Handschrift noch eine größe Bedeutung zukommt . Heute stecken wir auf diesem Gebiet ja noch in den Kinderschuhen . ( Isdrasil kann uns sicher genau sagen , seit wann sich die deutsche Polizei damit befaßt . Es ist ja noch gar nicht so lange her , daß sein Freund Harbort sich dem Thema verschrieben hat .)
Gruß Stordfield
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Hi
"Mein Freund Harbort" :icon_mrgreen:
Liegt vielleicht auch ein wenig daran, dass Harbort neben Thomas Müller einer der sehr wenigen Menschen ist, die sich im deutschsprachigen Raum mit Auswertungen von Serienmorden beschäftigen. Und da mir Müllers Schreibstil nicht gerade gelegen ist, bleibt eben nur noch einer übrig... :icon_wink:
Fakt ist, dass Harbort der erste war, der die Serienmorde im deutschen Raum aufschlüsselte und nach Wahrscheinlichkeiten (Beruf des Täters, Bildung, Tatorte) und der dahinterstehenden Psychologie auswertete. Er fing etwa 1996 damit an und und verfasste 2002 sein erstes Buch zu dem Thema - soweit ich das jetzt weiss. Davor gab es, obwohl das Phänomen Serienmord schon lange bekannt war, keine Auswertung der betreffenden Fälle. Serienmord war in Deutschland ein unerforschtes Gebiet. Die Vorreiterstellung nahm die USA ein, die schon etwas länger Serienmordforschung betreiben, allen voran Douglas - dessen Aussagen jedoch auch von Harbort kritisch hinterfragt werden und in Frage gestellt werden (Beispiel mit der Signatur - Harbort stellte die gleichbleibende Signatur in Frage und nahm dabei Bezug auf einzelne Tätertypen).
@PF nochmal
Sicher kann die Täterpsychologie keine Allzweckwaffe sein, Täter werden oft durch völlig andere Dinge überführt - nämlich Beweise, wie du schon gesagt hast. Ein zutreffendes Profil ist kein Beweis. Aber ein zutreffendes Profil, basierend auf Erfahrungswerten, kann durchaus hilfreich sein. Wo wären wir denn ohne Profiling? Im einfachsten Sinne bedeutet es doch, festzustellen, ob zum Beispiel eine Täter-Opfer-Beziehung existiert. Wenn man Anhaltspunkte hat, den Ehemann zu verdächtigen, warum sollte man diesem Verdacht nicht nachgehen? Und das ist doch Profiling im rudimentärsten Sinne - anhand von bestimmten Merkmalen zu versuchen, den Täterkreis einzuschränken.
Dazu zählt eben auch die Signatur, auch wenn sie kein Allheilmittel ist - und keine Garantie.
Und es ist halt einfach ein spannendes Thema. Es ist einfach unheimlich interessant, den Ripperfall mithilfe solcher Mittel zu durchleuchten. Finde ich zumindest :icon_aetsch:
Grüße, Isdrasil
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kannst schon recht haben, aber habort untesuchte doch wohl (meisten) gelöste fälle und m nachhinein ist dies nicht unbedingt schwer, im gegensatz zu einen ungelösten fall.
es ist schon wichtig erkenntnisse zu finden, doch dies ist nun mal schwierig und man bekommt aufgrund seiner ermittelten wahrscheinlichkeiten nicht immer ein positives ergebnis, für mich taugt das dann eher als studie um nicht böse zu behaupten, da kann man genausogut pendeln oder ein medium anrufen :icon_wink:
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Hi
Ich weiß schon, was Du meinst, aber ich sehe das eben ein wenig anders. :icon_wink:
Gehen wir doch mal einen Fall durch: Du hast einen Mord und stellst am Tatort DNS-Spuren sicher, die vom Täter stammen müssen. Womit vergleichst Du diese DNS-Spuren nun? Wo suchst Du? Ist doch klar: Du versuchst, dem Täter ein Gesicht zu geben, Wahrscheinlichkeiten abzuwägen, Spuren zu deuten...und in dieser Richtung suchst Du dann den Verdächtigen - oder vergleichst die Spuren mit bereits einschlägig vorbestraften Tätern, die in das Schema passen. Du brauchst diese Einschränkung und Erfahrungswerte, um zu einem Ergebnis zu kommen und die Ermittlungen erst einmal zum Laufen zu bringen.
Welche Rolle dabei die Auswertungen von Harbort und die Kriminalpsychologie spielen? Ganz einfach: Du stellst fest, dass schon einmal vor einem Jahr ein ähnlicher Fall statttfand. Das Profil und die Signatur des Täters von damals stimmen mit der aktuellen Tat überein. Du vergleichst die DNS-Spuren beider Morde - Bingo! Ein Serientäter!
-> Die DNS-Analyse hat zwar erst die Gewissheit gebracht - doch dass es überhaupt zu einem Vergleich gekommen ist, das ist den Erfahrungswerten und der Kriminalpsychologie zu verdanken.
So sehe ich das zumindest. Ich bezeichne die Arbeit von Harbort ja nicht als Wundermittel. Aber sie wird in naher Zukunft, da stimme ich mit Stordfield überein, eine wesentliche Rolle spielen. Ich habe auch gelesen, dass diese Auswertungen derzeit in das sogenannte VISCAL-System (hieß das so? Bin mir gerade nicht so sicher...)eingespeist werden und diese Prozedur in den nächsten Jahren ein Ende haben wird. Dieses System wird dann durch irgendwelche Parameter in der Lage sein, bundesweit Morde zu vergleichen. Dies soll die Korrespondenz zwischen den einzelnen Bundesländern ermöglichen und möglicherweise landesübergreifende Serientäter besser erkennbar machen. Die Polizei arbeitet also bereits mit diesen Dingen.
Grüße, Isdrasil
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nein, bitte nicht falsch verstehen, das wird schon alles sinn machen, ansonsten würde das profiling allgemein ja nicht verwendet werden. denke mal, dass die ermittler und profiler da viel schlauer sind wie ich und ich respektiere ihre arbeit. doch als du in deinem post geschreiben hast, das mo und signatur veränderbar sind, also auf deutsch gesagt, eine option für "alles ist möglich und nichts ist sicher", da habe ich mich natürlich gefragt, was bringt das ganze denn ? aber es ist ja schon richtig, dass eine signatur und der mo sich eben bei einem serientäter nicht oder kaum ändern könnte, da kann man dann schon herausfinden, dass mit einer ziemlichen wahrscheinlichkeit, die tat von ein und dem selben täter stammen ist. also macht es ja doch sinn und ich gönne dir ja harbort :icon_wink:
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Hi PF,
ja, vielleicht habe ich das auch wieder ein wenig falsch rübergebracht. Die Signatur kann sich zwar ändern, wenn sich die Fantasie weiterentwickelt. Aber die Betonung liegt auf "weiterentwickelt". Das heißt ja nicht, dass sich alles komplett ändert, sondern das die Grundfantasie gleichbleibt, sich aber eben ein paar Facetten mehr entwickeln - zum Beispiel. Ich kenn mich da doch auch nicht aus, ich wollte eben nur auf meiner Laienebene rüberbringen, dass sich auch die Signatur verändern kann - aber der Täter trotzdem für einen extrem geschulten Kriminalpsychologen erkennbar bleibt. Das sehen wir ja bei Kelly - viele sehen sie als Ripperopfer, weil der "Kern" der Signatur doch irgendwie mit den anderen Opfern vergleichbar ist. Ich denke, du verstehst, was ich meine. Ich wollte ja nix erzählen, nur eben rüberbringen, was ich gelesen habe und wie ich es verstanden habe :icon_wink:
Schön, das wir pünktlich zum Fest der Liebe einen gemeinsamen Nenner gefunden haben :SM010:
Grüße, Isdrasil
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hallo isdrasil,
du hast es für mich schon gut rüber gebracht, wenn auch etwas laienhaft :icon_mrgreen:
nein spaß beiseite, ich habe es schon so verstanden, doch es war für mich halt ""frustrierend, dass man wie ich oben schon geschrieben habe, alles ist möglich und nichts ist sicher, aber davon geht die welt ja hoffentlich nicht gleich unter :icon_lol:
also lass dich von mir nicht davon abringen harbot`schen erkenntnisse hier zu veröffentlichen, sie sind immer interessant.
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Hi PF,
Ja, die Frustration. Die spüre ich auch sehr oft, wenn ich solche Bücher lese...im Endeffekt ist wirklich alles sehr ungewiss und dadurch auch alles möglich - oder unmöglich, wie man eben gerade drauf ist.
Ich finde es trotz der Wertschätzung meines "Freundes Harbort" auch ein wenig schade, dass es nicht noch mehr Lehrmeinungen oder Auswertungen anderer Kriminologen gibt. Gut, die gibt es bestimmt, aber so wie ich den Markt überblicke, sind eben die Bücher von ihm einem sehr breiten Publikum zugänglich - während andere womöglich auch sehr gute Kriminalisten ein Schattendasein fristen (wer dennoch einige Autoren empfehlen kann - nur her damit!). Es wäre auch interessant zu wissen, ob sich die Serienmörder in den Staaten tatsächlich so vehement von den europäischen unterscheiden (bleibt wohl eher zu Recht fragwürdig) oder Douglas und Co. doch nicht so sauber gearbeitet haben (könnte schon eher sein), denn Harbort stellt besonders in "Phänomen Serienkiller" die Erkenntisse des FBI und seiner Profiler sehr kritisch in Frage, belegt seine Aussagen mit Beispielen und liefert ein wesentlich komplexeres Bild von Tätern, als man es bisher gewohnt war. Es steckt eben wirklich noch alles in den Kinderschuhen.
Aber die Erkenntnis, das nichts so einfach ist und die Opfer oft nicht einfach mal so nach bestimmten Merkmalen selektiert werden können, liegt auch mir manchmal schwer im Magen. Es spielt so viel eine Rolle, und irgendwie lässt sich in meinen Augen im Ripperfall ein passendes Szenario für jedes Opfer finden, welches sogar noch einem bestimmten Tätertypus treu bleibt.
Ich habe auch eine kleine Harbort-Overdose, ehrlich gesagt, habe drei Bücher von ihm in Reihe gelesen und gehe mir selbst schon ein wenig auf die Nerven damit - freue mich mal wieder auf ein gutes Ripperbuch. Aber ich bin mir sicher, ich werde es nun mit anderen Augen lesen - noch dazu, wo ich zur Zeit tatsächlich an die "Kanonischen Sechs" glaube...Stephan, was hast Du nur getan! :icon_mrgreen: :icon_wink:
Grüße, Isdrasil
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Hallo !
Ich habe vom Weinachtsmann neun ( 9 ! ) Bücher zum Thema Serienmörder bekommen , darunter auch alle Veröffentlichungen von Harbort .
Was meinst Du , Isdrasil , mit den " kanonischen Sechs "? Bist Du jetzt auch der Meinung , daß M. Tabram das erste Opfer war ?
Gruß Stordfield
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Hi Stordie
Na, dann mal Daumen hoch für die Geschenke :icon_thumb:
Neun Bücher....Respekt, da hast Du ja erstmal genug zu tun! :icon_wink:
Ja, ich glaube an Tabram als Ripperopfer. Tabram ist in meinen Augen ein überzeugendes Erstopfer als Übergang vom relativ "harmlosen" Raubtäter zum Serienmörder - der (Affekt-) Mord, durch den der bisher nur durch kleinere Delikte aufgefallene Täter die Hemmschwelle zum Morden übertrat. Der Mord, bei dem die Fantasien des Täters noch keinen konkreten Ausdruck gefunden haben. Irgendwie passt das zusammen, finde ich.
Grüße, Isdrasil