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Patricia Cornwell "Wer war Jack the Ripper? - Porträt eines Killers"
414 Seiten
Hoffmann und Campe, 2002
ISBN: 3455093655


Die ersten Seiten lassen den am Ripper interessierten Leser befürchten, dass es sich bei Cornwells Buch um eine Bibliographie von Walter Sickert handelt. Er ist nicht nur ihr Hauptverdächtiger – in der Betrachtung der Autorin ist Sickert Jack the Ripper! Dank Patricia Cornwell, ist das Geheimnis um den Mörder von damals gelüftet, so scheint es. Daran lässt sie zumindest vorerst keinerlei Zweifel aufkommen. Sie konfrontiert den Leser sofort mit ihren Theorien, um unmissverständlich aufzuzeigen, dass doch alles auf Sickert als Täter hindeutet. Anfang des zweiten Kapitels vermittelt sie dem Leser welch grauenhafter Kampf in ihr tobte, bis sie sich entschloss diese gewagte These zu einem Buch werden zu lassen. Sehr pathetisch und für eine erfolgreiche Kriminalautorin nicht glaubwürdig, vermittelt sie ihren Antrieb dieses Buch zu schreiben, dass es schon fast entschuldigend klingt. Zumindest wird hier klar, dass Cornwell sehr wohl wusste, auf welch gefährliches Terrain sie sich damit begab.

Der Blickwinkel auf eine 116 Jahre alte Mordserie, unter Zuhilfenahme modernen Profilings und den heutigen Kenntnissen im Bereich der Forensik, ist sicherlich das Interessanteste an diesem Buch. Und hier weiß Cornwell wovon sie spricht. Ihre Tat- und Opferbeschreibungen und daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen sind spannend und bieten Hobby-Detektiven jede Menge neuer Ansätze und interessante Aspekte. Letztendlich ist es aber genau dieser Blickwinkel, aus dem es ihr nicht gelingt ihre These zu unterstreichen. Der Spagat, sich mit den Mordfällen von damals aus gerichtsmedizinischer Sicht auseinanderzusetzen und daraus Sickerts Verbindung zu den Taten zu erläutern, gelingt ihr nicht. Mühsam quält sich der Leser durch ein Dickicht von vermeintlichen Hinweisen und Schlussfolgerungen. Ihre Versessenheit, Sickert als Täter zu zeigen, zwingt dem Leser die subjektive Sichtweise der Autorin auf, was zeitweise nervt. Eben diese mangelnde Objektivität und der fehlende Spielraum für den Leser ist es, was dem Buch schadet.

Es bleiben Vermutungen, schwache Indizien und ein weiterer Name in der langen Liste der Verdächtigen.

Dass dieser – Sickert – ein sehr bedeutender Künstler seiner Zeit war, mag die Kunstbegeisterten von jener Epoche aufregen – ist jedoch für eine weitere, ernstzunehmende Ripper-Theorie zu schwachbrüstig. Und so verliert sie sich nahezu obsessiv in immer absurder scheinenden Indizien, die Sickert mit den Mordfällen in Verbindung bringen sollen.

Cornwells Beschreibung des viktorianischen Londons gelingt hingegen, und fesselt den Leser. Man wird förmlich entführt in diese Zeit und die damaligen Lebensumstände in einem Viertel wie Whitechapel. Den Höhepunkt findet sie hier in der detaillierten Beschreibung operativer Eingriffe in der damaligen Zeit.

Fazit:
Lesenswert sind diverse Passagen allemal. Ein weiterer Meilenstein in der Ripper-Bibliothek zu werden, hat das Buch aber nicht verdient.

 

JtR


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