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Alan Moore & Eddie Campbell „From Hell“
592 Seiten
Thomas Tilsner Verlag, 2002
ISBN: 3936068291

Im Wesentlichen baut „From Hell“ (nach gleichnamigen Brief) auf Stephen Knights‘ „The Final Solution“ auf, in der es um die „königliche“ Verschwörung geht, die heute für „unwahrscheinlich“ gehalten wird.

Erst habe ich mich vom Genre bzw. dem „Format“ (Comic) abschrecken lassen, man verbindet mit diesem Format meist für Kinder gedachtes. Doch ich ließ mich belehren. „From Hell“ ist im eigentlichen Sinn kein Comic, sondern, um es zu präzisieren, eine „Comic-Novelle“, und somit etwas schwere Kost.
Sehr schön ist, dass Alan Moore seinen Partner alles in „Schwarz-Weiß“ zeichnen ließ. Das hat folgenden Effekt:
Man fühlt sich in das viktorianische Zeitalter zurückversetzt, in dem es diese „Flyer“ und Werbeaushänge mit den kunstvollen Werbefiguren und Strips darauf, die an Bretterwänden aus Holz hingen, gab, und eine Art „Tapete“ bildeten. Zum anderen wird die gedrückte Stimmung mit dem tristen Farbenbild gut wiedergegeben.

Als Leser steigt man recht schnell in die Thematik ein. Dabei schafft es Moore und Partner, einem eine Zeit entgegen zu bringen, die unserer so ähnelt und doch so fern erscheint.
Die Geschichte beginnt mit Abberline und Lee, die am Strand spazieren und diskutieren. Dieser „Prolog“ spielt lange nach den Ereignissen. Sehr schön fand ich die Möwe, die eine Anspielung auf den Täter, um den Moore von Anfang an kein Geheimnis macht (anders als im Film), ist (Gull=Möwe!).  Für sensible ist „From Hell“ sicher nicht die passende Lektüre. Denn: Sex spielt ebenso eine Rolle wie Blut und Gedärme. Dem Zeichner ist es gelungen, ein relativ präzises London des 19. Jahrhunderts zu entwerfen. Die Straße, billige Baracken und ästhetische Kirchen sind gut getroffen. Das Blut ist schwarz. In From Hell wird Gulls Leben aufgerollt bis er auf die „Freimaurerei“ stößt. Durch diese kommt er in Kontakt mit den höchsten Machtebenen und Victoria, Königin, bittet ihn um einen Gefallen, den er nach eigenem gut Dünken ausführt. Abberline kommt ihn nicht wirklich auf die Spur, es ist Lee, der Wahrsager. Er verpfeift Gull und dieser muss sich vor den Freimaurern rechtfertigen. Er gesteht und wird unter falschem Namen in die Psychiatrie gebannt, wo er stirbt.

Etwa 6 Jahre hat Moore mit den Recherchen verbracht und alle möglichen Theorien und Verdächtige auf irgendeine Weise in die Novelle eingebaut. Wir begegnen u.a. Oscar Wilde und dem Elefantenmenschen. Schade, dass er bei all seinen Recherchen (er baut Knights Theorie noch aus), auf den „Taxil-Schwindel“ hereingefallen ist - Es gibt nämlich keinen „Gott der Freimaurer“. Die Straßensprache macht alles sehr proletarisch unter den Prostituierten.
Während seiner Taten scheint Gull in Ekstase zu geraten und hat Visionen der Zukunft. Es scheint mehr hinter seinen Theorien zu stecken, als man glauben möchte. Mit dem „Jahrhundert des Massenmordes“, welches Gull einleitet, ist das „3.Reich“ gemeint. Und nur nebenbei: Der Comic zeigt auch ein Ehepaar aus Oberösterreich, das mit einander schläft. Die Ehefrau, namens Klara, hat einen Traum von einer Synagoge, die mit Blut gefüllt ist.


Fazit:
Monströs, dunkel, mystisch und ergreifend. Für Verschwörungsliebhaber und verträumte Esoteriker ein absolutes Muss!

 

Florian Frank
(Dokument zuletzt bearbeitet am 06.04.09)


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