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Karyo Magellan “by ear and eyes”
300 Seiten
Longshot Publishing, 2005 (Paperback)
ISBN: 0-9550240-0-5


Lediglich „by ear and eyes“ (anhand des Ohrs und der Augen) konnte Mary Jane Kelly, das offiziell fünfte und letzte Ripper-Opfer, von ihrem Lebensgefährten Joseph Barnett identifiziert werden. Die Leiche war so grässlich zugerichtet, dass keine weiteren Anhaltspunkte mehr vorhanden waren, um die immer wieder in der damaligen Presse erwähnte „anmutende Schönheit“ auch nur erahnen zu können. Magellan argumentiert allerdings, dass Mary Kelly nicht durch die Hand des Rippers starb, aber dem „Phantom von Whitechapel“ sehr wohl andere, bisher weniger beachtete Morde in der Region, zuzuschreiben sind.
Hierfür schlägt er einen in der Ripper-Literatur relativ neuen und bisher vernachlässigten Weg ein. Seine Herangehensweise basiert teilweise auf aktuellen forensischen (Er-)Kenntnissen – Ob diese allerdings mehr Gewicht haben dürfen, als Niederschriften der Ärzte, die damals die Leichen „in-situ“ sahen und post-mortem Untersuchungen an den Körpern durchführen konnten, bleibt für den kritischen Betrachter der Morde eher zweifelhaft.
Nichtsdestotrotz ist jedoch das Prinzip, wie Magellan die Opfer gegenüberstellt und daraus Folgerungen über deren Zuordnung zur Mordserie des Rippers zieht, eine durchaus interessante Möglichkeit, um das Für und Wider noch einmal genauer zu überdenken. Auf eine Gegenüberstellung der Morde von Emily Dimmock (1907) und Mary Jane Kelly (1888) hätte Magellan allerdings verzichten können, da diese Argumentation vollkommen ins Leere verläuft. Weiterhin ist die exzessive Erwähnung der „Königlichen Verschwörung“, allen voran der Tatverdächtige Walter Sickert, völlig unnötig und man fragt sich unweigerlich, ob es nicht schon genügend Argumente, Bücher und Dissertationen gegen den deutschen Maler gibt, um hier weiter darauf herumreiten zu müssen. In Anbetracht des Themas und der bis zu diesem Punkt im Buch sehr interessanten Darstellung der Fakten Magellans stellt sich die Frage, ob er diesen Teil nicht lieber weggelassen hätte.


Fazit:
Für eine etwas andere Betrachtungsweise der „Jack the Ripper“-Morde ist dieses Buch ohne Einschränkungen zu empfehlen – Etwas mehr als Grundwissen der Mordserie sollte allerdings vorhanden sein. Der Schreibstil des Autors kommt, trotz einer forensischen und medizinischen Sichtweise, stellenweise ohne viel für den Neuling verwirrende Fachbegriffe aus und liest sich durchaus gut. Alleine die Präsentation der Wunden in grafischer Form, auch wenn diese etwas detaillierter hätten ausfallen können, sind es allemal wert sich das Buch zu Gemüte zu führen. Schade nur, dass diese erst gebündelt am Buchende abgedruckt sind und nicht im Text selbst, wo auf diese verwiesen wird.

 

Thomas Schachner
(Dokument zuletzt bearbeitet am 13.06.06)


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