Umfrage

Wer ist euer "liebster" Tatverdächtiger

Montague John Druitt
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Michael Ostrog
0 (0%)
Joseph Barnett
2 (10%)
William Henry Bury
2 (10%)
Dr. Thomas Neill Cream
0 (0%)
George Hutchinson
0 (0%)
Severin Klosowski
0 (0%)
Aaron Kosminski
5 (25%)
Sir William Gull
1 (5%)
James Maybrick
0 (0%)
Walter Sickert
0 (0%)
Robert D. Stevenson
0 (0%)
Francis Tumblety
1 (5%)
Frederick Deeming
0 (0%)
Jemand ganz anderes
8 (40%)
Richard Mansfield
1 (5%)

Stimmen insgesamt: 10

Autor Thema: Die Tatverdächtigen  (Gelesen 15733 mal)

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Offline Lestrade

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Re: Die Tatverdächtigen
« Antwort #90 am: 06.03.2017 23:58 Uhr »
Das finde ich auch. Kosminski ist doch gar nicht der Typ dazu. So , wie Lestrade ihn uns und dessen Familie darstellt, ist nachvollziehbar, aber, trotz aller Bemühungen nicht glaubhaft. Lestrade geht von einem unorgasierten Täter aus. Ich meine, Karsten, da irrst Du

Gruß Stordfield

Schade, dass Istrasil nicht mehr in unserem  kargen Kreis mitwirktr. Das wäre ein Thema für ihn.
l

Na ich denke, Bernd, von einem unorganisierten Täter geht Arthur auch aus. Es ist ja nicht so, dass ich oder wir das erfunden hätte, das sind Erfahrungswerte.

Aber jeder darf das doch so sehen, wie er möchte. Ich glaube nicht, dass ich irgend jemanden mit Kosminski überzeugen kann, dass ist auch nicht meine Absicht. Es kommt immer darauf an, was man erwartet und ich erwarte dort nichts bzw. sehr wenig. Und außerdem: Was weiß ich schon?

Roy Hazelwood hat allerdings mal gesagt, er verstehe nicht, warum jemand, der sich mit Verbrechen befasst, Jack the Ripper nur annähernd in die organisierte Kategorie steckt. Es war ihnen, also Hazelwood, Douglas und seinem Team, vielleicht war Ressler dabei, von vornherein klar, dass der Ripper desorganisiert war und shizophren. Als Ressler das Profil über den Vampir von Sacramento erstellte, sah er das genauso und sie fanden den Mörder in solch einer Person mit Richard Trenton Chase. 
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Offline Lestrade

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Re: Die Tatverdächtigen
« Antwort #91 am: 07.03.2017 00:07 Uhr »
Zitat
Das der Ripper nahe der Wohnung von Jacob Levy vorbeilief, ist ja alles andere als eine Verbindung, genau wie das gefundene Schürzenteil.

Wenn ihm Halse und Kollegen dicht auf den Fersen waren, wäre es plausibel, dass er an seinem Haus vorbeilief, um sich woanders zu verstecken.


Und hast du schon mal über die Möglichkeit nachgedacht, ob Macnaghten und Swanson vielleicht deshalb nur "Kosminski" ohne Vornamen schrieben, weil es möglicherweise ein "Codename" für einen bestimmten Verdächtigen war?

Ja klar, Arthur, über beides aber ersteres ist keine Verbindung aber ohne Zweifel interessant. Das zweite habe ich vor Jahren hier auch mal zum Thema gemacht, weil Martin Kozminski mit Jospeh Hyam Levy verbunden war und ich dachte, dass Jacob Levy für diesen Martin Kozminski gearbeitet haben könnte und daher "Kosminski". Allerdings, und das ist gerade in Arbeit, könnte da ein Link sein von der Aaron Kozminski Familie in die Chicksand Street. Für die Fluchtroute Gravel Lane, Stoney Lane, Middlesex Street, Wentworth Street wäre das auch interessant.
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Offline Lestrade

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Re: Die Tatverdächtigen
« Antwort #92 am: 07.03.2017 00:14 Uhr »
Nun gut, meine Herren!

Ich wünsch euch eine gute Nacht.

Citroen AX und Käfer Fahrer sind halt die härtesten...
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Offline Arthur Dent 2

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Re: Die Tatverdächtigen
« Antwort #93 am: 07.03.2017 00:23 Uhr »
Träumt was Böses. ;-)

Gute Nacht, euer Arthur

Offline Arthur Dent 2

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Re: Die Tatverdächtigen
« Antwort #94 am: 07.03.2017 07:54 Uhr »
Moin Moin!

So, Stordfield, Lestrade und ich haben "die Hosen runtergelassen". Jetzt bist du dran: Dein Favorit - in ein paar Sätzen zusammengefasst?


MfG, Arthur Dent

Offline Lestrade

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Re: Die Tatverdächtigen
« Antwort #95 am: 07.03.2017 09:24 Uhr »
Morjens die Herren,

Noch einmal zur Fluchtroute. Lawende und Co. sahen um ca. 1.40 Uhr (vielleicht 1-2 Minuten früher) Eddowes mit ihrem Begleiter, um 1.44 Uhr fand PC Watkins ihre Leiche. Seine Route führte ihn aus der Leadenhall Street kommend in die Mitre Street und danach in den Mitre Square. Leadenhall Street führte an diesem Ende in die Aldgate High Street.

Hier kann man seinen Beat anklicken:

http://www.casebook.org/police_officials/po-edward_watkins.html#watkins

War PC Watkins der PC am Mitre Square und bezieht man Sagar´s Äußerung auf ihn, dass er Aufgrund der Lichtverhältnisse keinen guten Blick auf den Verdächtigen werfen konnte, dann muss er ihn entgegenkommend bemerkt haben, vielleicht aber nicht auf der gleichen Straßenseite, als er die Mitre Street betrat. Das würde bedeuten, der Verdächtige verließ am südlichen Ausgang die Mitre Street. Beachtet auch den Zeitrahmen. Ca. 1.40 Uhr wird der Mann noch von Lawende gesehen und kurz vor 1.44 Uhr dann noch von PC Watkins. Es bleibt ja kaum Zeit, dass Watkins ihn gesehen hätte, wenn der Verdächtige, den Square verlassend, Richtung Norden gegangen wäre. Betritt Watkins nämlich die Mitre Street und verlässt der Verdächtige zur gleichen Zeit den Square Richtung Norden, Watkins hätte ihn wahrscheinlich, aufgrund der Lichtverhältnisse, überhaupt nicht bemerkt. Die andere Sache wäre natürlich, wenn sich beide am Aus-bzw. dem Eingang des Mitre Square getroffen hätten. Aber hätte das Watkins nicht gesagt? So jemand hätte ja quasi das Opfer gerade verlassen. Außerdem spricht man von “near Mitre Square“ o.ä. Mitre Street lag am Mitre Square also sollte diese Begegnung auf dieser Straße stattgefunden haben, ohne dem Wissen, dass der Verdächtige aus dem Square kam.

Die andere Sache ist die, dass DC Halse und Co. erst um 01.58 Uhr von dem Leichenfund erfuhren. Sie hörten zwar Watkins Pfeife bzw. die vom Wachmann Morris kurz nach 01.44 Uhr aber sie selber gingen erst 14 Minuten später zum Tatort. Halse ordnete die Durchsuchung der Gegend an und ging auch selber in Richtung Middlesex Street und Wentworth Street. Wenn der Verdächtige den Tatort nördlich verlassen hätte, wäre er in 2-3 Minuten in Stoney Lane gewesen. Watkins brauchte für seinen gesamten Beat auch nur 14 Minuten. Nun wissen wir nicht, was alles noch so abging mit der Stoney Lane Geschichte aber die 14 Minuten, die Halse und Co brauchten um in den Mitre Square zu gelangen, hätten für einen nördlich fliehenden Täter ausgereicht, um seine Route nach Stoney Lane dreimal hin- und herzugehen.

Wenn er immer noch zu hören war, um ca. 2.00 Uhr und die Verfolgung aufgenommen wurde, warum war das möglich? PC Long fand erst um 2.55 Uhr das Schürzenteil in der Goulston Street, um 2.20 Uhr war noch nichts da. Zwischen diesen beiden Zeitpunkten verbrachte der Täter etwas Zeit in diesem Eingang in der Goulston Street. Er versteckte sich wohlmöglich und könnte ihn der Tat der Verfolgte gewesen sein, von dem Sagar sprach. Erinnern wir uns an Mrs. Mortimer aus der Berner Street in jener Nacht. Sie hörte ein schweres Stampfen beim Laufen von jemand. Nun wird oft vermutet, dass dies ein Konstabler war aber es könnte auch der Täter gewesen sein. Sagar sprach von leisen Schuhen mit Gummisohlen, die waren leise und unterschieden sich klar von den Geräuschen, die der Flüchtende hinterließ. Gut möglich, dass dies Watkins aufgefallen war. Auch Mrs. Cox hörte im Kelly Fall jemanden im Court auf- und abgehen und wurde gefragt, ob dies ein Polizist gewesen sein könnte. Es ist klar, dass DC Halse und Co. in Zivil unterwegs waren und sie leise Schuhe getragen haben dürften. Wenn also der Verdächtige unter solchen Umständen immer noch oder wieder gehört wurde, aufgrund der Geräusche seines Schuhwerkes, was machte er da also noch? Die Frage ist, konnte er nicht weg? War ihm der Weg verbaut, als er südöstlich fliehen wollte? Watkins ging nach dem Fund zu Morris, der kam kurz mit und ging dann Richtung Aldgate wo er PC Harvey traf, der ja kurz vorher, um 1.40 Uhr, in der Church Passage war, wohl sofort nachdem Eddowes mit ihrem Mörder dort hindurchgegangen war. Harvey kam gerade aus der Houndsditch und war gegenüber der Duke Street, als Morris kam. Harvey sah dann auf der anderen Seite noch PC Holland und nahm ihn mit. Morris muss Harvey und Holland getroffen haben, als Harvey gerade Hales und Marriott (Outram, glaube ich, kam erst gegen 1.58 Uhr wieder zu ihnen zurück) hinter sich gelassen hatte, die ja auf der Aldgate standen, gegenüber der Houndsditch. Lassen wir die Aktion von Watkins und Morris drei Minuten gedauert haben. Genug Zeit für den Täter, Stoney Lane erreicht zu haben. Aber das könnte nicht der Fall gewesen sein. Nun bliebe diese Zeit für den Täter auch übrig, um seinen Weg via die Aldgate High Street weiter Richtung Whitechapel zu folgen. Wahrscheinlich hätte er PC Harvey noch abgepasst, bevor dieser Houndsditch verlassen hätte. Aber was war mit PC Holland? Lief der schon vor ihm auf dieser Straße? Woher kam Outram? Wartete er um dann festzustellen, dass sich Morris, Harvey und Holland sich vor seinen Augen fanden? Bemerkte er die Zivilpolizisten gegenüber Houndsditch auf der Aldgate, die durch Outram noch Zuwachs bekamen? Es bliebe für ihn natürlich die Rückkehr via Mitre Street aber dort war er eben ja fast den Watkins in die Arme gelaufen. Der kürzeste Weg, wenn auch nicht sicher, wäre als Umweg die Duke Street gewesen. Houndsditch, eine Einmündung weiter, wurde von Halse und Co beobachtet. Klar, es bliebe noch südlich die Jewry Street aber, laut Sagar, ging er die letztendlich nicht. Der Fund des Schürzenteils, etwas weiter von Stoney Lane entfernt, deutet eher daraufhin, dass er Richtung Whitechapel wollte. Das ging auch via Stoney Lane aber das hätte er schon lange erreicht gehabt, bevor Halse das Kommando für die Suche gab. Er hing meiner Meinung nach um den Mitre Square fest, wie etwas später in der Goulston Street auch. Aber via Aldagte, verbaute ihm die Polizei den Weg. Er war voller Blut, er musste einen sicheren und möglichst direkten Weg nach Hause finden. Vielleicht enterte er sofort noch Morris, Harvey und Holland, die Duke Street erneut und vielleicht, als Beobachter der Szene, bemerkte Halse diesen Mann genau das tun und bemerkte auch, wie bereits Watkins, dessen schwere Schuhe. Vielleicht erzählte ihm das Watkins auch sofort nach seiner Ankunft und Halse machte sich auf den Weg in die Richtung, in der diesen Mann gehen sah oder vermutete. Das alles würde zum PC near Mitre Square passen, ein Mann, der dort gesehen wurde, nichts weiter. Es würde passen zum Watchman aus der Aldgate High Street, der einen Mann mit einer Frau Richtung Mitre Square hat gehen sehen und ihn erneut bemerkte, als er alleine von dort zurückkam. Die Geräusche dieses Mannes, verursacht durch seine Schuhe, schwanden immer mehr aber sie waren durchaus deutlich wahrnehmbar. Vielleicht waren es die gleichen stampfenden Geräusche, die Fanny Mortimer in der Berner Street in der gleichen Nacht wahrnahm, vielleicht waren es die gleichen, die Mary Ann Cox im Millers Court Wochen später hörte. Vielleicht, vielleicht, vielleicht…

Keine Ahnung, was den Ripper bei einer nordöstlichen Flucht aufgehalten haben könnte aber für die südöstliche Flucht, die eine nördliche Wendung nahm, gebe es Erklärungen.

In Liebe,

Lestrade.
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Offline Lestrade

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Re: Die Tatverdächtigen
« Antwort #96 am: 07.03.2017 10:55 Uhr »
Arthur, mein Engel!

Nochmal zu Jacob Levy, mit Codenamen "Kosminski". Das fand ich durchaus einmal interessant aber es wurde halt gesprochen über einen "Polish Jew", "the Pole" und "healing from Poland" im Falle "Kosminski". Ich bin mir nicht sicher aber es schien mir, dass Jacob Levy, Du wirst es besser aufklären können, in seiner Familie eher niederländische Wurzeln hatte, seine Frau könnte ihre Wurzeln in Amsterdam gehabt haben, also das diese Familie eher Juden aus den Niederlanden waren. Er war auch nicht der einzige Jacob Levy, der zu jener Zeit als Butcher unterwegs war, nur mal so als Info, wenn auch bedeutungslos. Es gab dann noch einen weiteren Jacob Levy, einen Polen, der aus Kalish stammte, also der Region in Polen, aus der auch Martin Kozminski stammte, wie allerdings auch die Familie von Aaron Kozminski.

Vom Hundevorfall im Dezember 1889 wissen wir nun auch, dass Aaron Kozminski als Aaron Abrahams geführt wurde, jedoch auf Kozminski bestand. Es wäre ja möglich, dass sich, trotz des Abrahams offiziell, er sich lieber als Kozminski weiterhin bezeichnete, gerade vielleicht auch in Befragungen durch die Polizei. Ab Februar 1891 war das dann mit dem Abrahams vorbei, da kennen wir ihn nur noch als Kozminski. In den Anstalten soll er etwas Deutsch gesprochen haben. Juden sprechen ja oft ihr ganz eigenes Deutsch und vielleicht klang das für die Engländer besonders komisch:

Ihr Name bitte: Kissme´ndski (Kozminski)
Beamter: "Was will er? Küss mich und meinen Schneeschuh?"

Das ist natürlich erst einmal Nonsens und zwar absolut. Aber die Leute bei der Anhörung, die er nur mit Hilfe eines Bruders antrat, brachte er zum Lachen mit seiner Aussage wegen seines Namens. Warum auch immer. Aber wie er es gesagt hat, hätte durchaus komisch geklungen haben können. Vielleicht blieb so etwas als Running Gag bei der Polizei im Gedächtnis, jemand, der anstelle seines "richtigen" Namens, etwas eher komisches von sich gab...

Nichtsdestotrotz, als Butcher muss Jacob Levy nach dem Double Event von der Polizei abgeklärt worden sein. Die Butcher und auch ihre Angestellten, wurden unter die Lupe genommen. Für ihn gab es sicherlich Aufzeichnungen über seine Aufenthalte zur Zeit der Morde, zumindest für das Double Event. Welche Erkenntnisse die Polizei über ihn hatte, werden wir nur schwerlich jemals erfahren. Gerade der Fluchtweg des Rippers, der fast an seiner Tür vorbeiging und der Fund des Schürzenteils nicht weit entfernt in der Goulston Street wäre aber sicherlich für die Polizei von besonderen Interesse gewesen. Ich vermute, sie haben ihn sich besonders genau angeschaut. Und laut Sagar, gab es auch einen sehr wichtigen Butcher, den er für den Ripper hielt. Leider wissen wir nur von Sagar den Dezember 1890, als er in der Butchers Row Dienst schob, da war Jacob bereits in Stone. Aber er könnte bereits schon vorher einmal dort im Einsatz gewesen sein... Klar scheint auch zu sein, dass der Ripper, auf seinem Weg zum Mitre Square, eine Menge Butcher hinter sich ließ, nämlich die in der Butchers Row Aldgate. Aber auf diesem kleinen Gebiet waren wohl eh all diese Butcher und ihre Angestellten "verdächtig"...

Die Geographie ist natürlich auch in seinem Falle hochinteressant. Aber nehmen wir deine Karte. Da kann man auch Hyam Hyams einsetzen. Die Adresse New Street wurde 1891 von seiner Frau angegeben, obwohl er da wieder in der Anstalt war. Diese Straße lag hinter Stoney Lane und der Levy Adresse. Ende Dezember 1888 war bei seiner Einlieferung die Jubilee Street aktuell, gelegen hinter dem London Hospital. Im Frühjahr 1889 war das dann bei ihm wohl die Bell Lane, parallel der Middlesex Street gelegen, eine Art Verlängerung der Goulston Street. Eine frühere Adresse war auch in der Mitre Street aber das könnte ein anderer Hyam Hyams gewesen sein. Aber es ist wohl nicht auszuschließen, dass es dennoch familäre Verbindungen zur Mitre Street gab. Es wäre ja möglich, dass es bereits im Herbst 1888 Verbindungen zur Bell Lane oder der New Street gab und diese beiden Adressen kurz nach der Jubilee Street bewohnt wurden. Die New Street jedoch wohl erst nach dem September 1889. Aber er hatte eben auch Einweisungen ins Workhouse, kam nach Colney Hatch, nach Stone und wieder nach Colney Hatch.

Ein interessanter Mann, wie Kosminski, Levy und auch Cohen. Für einen anderen Kosminski als Aaron Kozminski, käme sicherlich jener David Cohen besser in Frage als Levy oder Hyams..

Auch die Charles Cross Theorie hat bezüglich der Geographie etwas Interessantes an sich. Der Arbeitsweg von ihm könnte durchaus Bucks Row und Hanbury Street gewesen sein. Sein Weg führte vielleicht auch nahe Dorset Street entlang. Seine Mutter lebte nahe Dutfields Yard und so weiter.

So viele Verdächtige werden diskutiert, Kosminski, Levy, Cross, Bury, Chapman/Klosowski, Cohen, Druitt, Hutchisnon, McCarthy, Donovan, Stephenson usw. und man findet bei vielen interessante Anhaltspunkte. Fakt ist, wir sind viele Interessierte mit vielen Verdächtigen aber wir wissen auch, dass nur einer davon, wenn überhaupt, der Ripper gewesen sein kann. Die Chance ist doch immens hoch, damit, also mit seinem Favoriten, falsch zu liegen.

Ich sehe ja, dass wir uns in unseren Vorstellungen des Rippers sehr ähneln. Aber meine Erkenntnis ist die, dass man Jacob Levy sehr wenig den uns bekannten Informationen wirklich zuordnen kann, also mit einer sicheren Verbindung dazu. Das ist schon bei Kosminski alles andere als einfach. Levy ist in meinen Augen ein viel besseres Konstrukt als so manch anderer Verdächtige. Er ist weitaus besser als Cross oder Druitt. Levy ist vielleicht aber nicht besser als Hyam Hyams oder David Cohen. Aber mit ihnen spielt er schon in der hohen Liga und sollte dem Mann ähneln, der Jack the Ripper war. Wer sich am Ende auch immer hinter Kosminski verbirgt, er wurde von zwei wichtigen Beamten als Jack the Ripper angesehen und von einem dritten als überzeugenden Verdächtigen genannt. Ob hinter ihren Aussagen auf irgendeine Weise Jacob Levy gemeint war, ist schwer zu glauben.

Aber, nichts ist unmöglich.

Yours, Lestrade. 
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Offline Stordfield

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Re: Die Tatverdächtigen
« Antwort #97 am: 07.03.2017 13:07 Uhr »
Hallo!

Mein "Favorit" ist Richard Mansfield oder jemand im Umkreis seiner Theatergruppe.
Anfangs betrachtete ich einen solchen Verdacht als skurril, doch mit der Zeit verfestigte sich bei mir der Argwohn gegen diesen Mann. Ich habe versucht, etwas über ihn zu erfahren, speziell über seinen Aufenthalt nach der Absage von "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" in London. Bis zu seinem nächsten Auftritt in NY klafft eine riesige Lücke in seiner Vita. Und das bei einem Mimen, der zu der Zeit als soetwas wie der Brad Pitt der Bühnen galt.
Mein guter Kumpel Isdrasil hat sich bemüht, sich durch die cirka 1000seitige, nur englischsprachige Biographie Mansfields zu quälen, konnte darin aber auch keine verwertbaren Daten recherchieren.
Ich glaube nicht wirklich an R. Mansfield als Ripper. Aber bei ihm habe ich so ein "Gefühl". Ihr wißt sicher, was ich meine.
Ansonsten favorisiere ich John Smith oder Ben Mayer. Typen, die auf keinem Verdächtigenzettel standen. Und wenn doch, dann nur in Verbindung mit Leather Apron.

Neulich las ich von einer Theorie, dass es gar keinen Ripper gab.

Gruß Stordfield
Du kannst fliehen, wohin Du willst; Du nimmst Dich immer mit.

Offline Arthur Dent 2

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Re: Die Tatverdächtigen
« Antwort #98 am: 07.03.2017 20:00 Uhr »
Hi Stordfield!


Zitat
Neulich las ich von einer Theorie, dass es gar keinen Ripper gab.

Hab ich auch mal gehört, ich glaub im Rahmen der Realitätstheorie...


Aber zu Mansfield haben wir hier im Forum noch keinen Thread, und ich kenne den auch nur aus der Jack the Ripper Verfilmung mit Micheal Caine - wie wärs, wenn du dazu mal einen Thread aufmachst?
Nach dem Elefantenmenschen nun der Darsteller von Jeckyll & Hyde! Vorhang auf! :-)


MfG, Arthur Dent




"Blutvergießen ist eine Sache - aber der wahre Horror kommt erst beim Aufwischen: Samstag, der 14te! Jetzt im Kino!" (OttO)


Offline Cannon

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Re: Die Tatverdächtigen
« Antwort #99 am: 07.03.2017 20:09 Uhr »
Rasante Themenwechsel bei Euch! :) Das habe ich schon in anderen Abteilungen hier bemerkt.

Wenn ich meinen Senf dazu geben darf, meine Vorstellung vom Mörder ist:

Alleintäter, ein Mann (keine Frau oder Bande), geistig/psychisch schwer gestört (kann eventuell seiner Umgebung nicht aufgefallen sein oder wurde nicht als gefährlich betrachtet)

Kam aus den “eigenen Reihen” (also ein Mann aus jener Gegend, u.a. blieb er auch deshalb so “unsichtbar”, weil er sich durch seine Kleidung, sein Aussehen, seine Sprache nicht als Fremdling verriet. Womöglich gehörte er auch lange Zeit zum Straßenbild, viele kannten ihn vielleicht vom Sehen, wenn er als Arbeiter unterwegs war, in der Kneipe usw.)

Schade, dass man ihn mit seinen Opfern nicht näher einkreisen kann. Ich halte seine Opfer für zufällige Beute, die ihm über dem Weg liefen, wenn die Gelegenheit günstig war. Nur passt das Geschehen in der Hanbury Street nicht richtig in dieses Schema. Er wurde scheinbar mit der Frau kurz vorher gesehen, sofern ER es war, und dann hätte er sie ja angesprochen. Ja, und eigentlich auch am Mitre Square..... These schon wieder auf den Müll zu werfen!
Kelly, glaube ich, unterschied sich nur zufällig von den anderen Opfern. Wie er in diese Wohnung gelangen konnte, ist etwas rätselhaft. Jedenfalls glaube ich, hinter diesem kaputten Fenster hätte auch eine 60 jährige Frau schlafen können. Es war die Gelegenheit, ungestört zu sein, nicht die junge Frau. Aber wie der Mann nun hiess.......  ???

An Stordfield - Vielleicht haben unsere Forumsgründer den Ripper erfunden?

Offline Arthur Dent 2

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Re: Die Tatverdächtigen
« Antwort #100 am: 07.03.2017 20:31 Uhr »
Hi Cannon!


Wenn ich meinen Senf zu deinem Senf geben darf:

- Alleintäter:
Sehr wahrscheinlich, denn wen bekommt man dazu, bei so etwas mitzumachen - das dürfte sogar den meisten Berufskriminellen zu abartig sein, und es sprang ja auch nicht wirklich etwas dabei heraus außer der Aussicht auf den Strick. Und einen solchen Partner zu finden (folie à deux), kommt zwar vor, ist aber eher selten.

- ein Mann:
Sehr wahrscheinlich, denn Frauen töten i.d.R. anders und aus anderen Gründen. Bei JTR deutet alles auf einen männlichen Triebtäter hin.

- geistig/psychisch schwer gestört:
Sehr wahrscheinlich wegen seines Risikoverhaltens, wegen des Ausweidens des Unterleibs und der Mitnahme von Organen (u.U. sogar aus kannibalistischen Gründen).

- Kam aus den “eigenen Reihen”:
Sehr wahrscheinlich - die Gründe hast du selbst genannt, hinzu kommt nur noch der Aspekt Ortskenntnis.

- Ich halte seine Opfer für zufällige Beute, die ihm über dem Weg liefen, wenn die Gelegenheit günstig war.
Sehr wahrscheinlich aufgrund des Ablaufs der Ereignisse und der Tatorte.


Zitat
Nur passt das Geschehen in der Hanbury Street nicht richtig in dieses Schema. Er wurde scheinbar mit der Frau kurz vorher gesehen, sofern ER es war, und dann hätte er sie ja angesprochen. Ja, und eigentlich auch am Mitre Square..... These schon wieder auf den Müll zu werfen!

Nö, wieso? Du musst dir nur vorstellen, wie die Kontaktaufnahme auf dem Straßenstrich läuft:
JTR nähert sich der Frau als vermeintlicher Freier, man macht das Geschäft klar und sucht gemeinsam einen relativ ungestörten Ort für den Vollzug - dann schlägt er zu.


Zitat
Kelly, glaube ich, unterschied sich nur zufällig von den anderen Opfern. Wie er in diese Wohnung gelangen konnte, ist etwas rätselhaft. Jedenfalls glaube ich, hinter diesem kaputten Fenster hätte auch eine 60 jährige Frau schlafen können. Es war die Gelegenheit, ungestört zu sein, nicht die junge Frau.

Dass es mehr die Gelegenheit als die Person MJK war, glaube ich auch.
Und wie er reinkam, da gibt es mehrere Möglichkeiten: Sie gabelte ihn als Freier auf der Straße auf, oder er passte sie beim Betreten ihres Zimmers ab, oder er klopfte an ihre Tür, oder er hatte mal gesehen, wie man die Tür durch das Fenster öffnen konnte und überwältigte sie im Bett.


Zitat
Aber wie der Mann nun hiess...

Das ist die vermaledeite letzte unbedeutende Frage, mit der wir uns herumschlagen. Vielleicht Rumpelstilzchen? ;-)


MfG, Arthur Dent

Offline Cannon

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Re: Die Tatverdächtigen
« Antwort #101 am: 07.03.2017 20:43 Uhr »
Guten Abend, Arthur!

Ich bin ja erst seit wenigen Tagen dabei, einige von Euch dagegen schon seit Jahren (wenn man Eure Beiträge liest). Eigentlich ist es doch besser, wenn sich diese Frage nie klären lässt....was dann danach???  Vakuum!  :boredom:

Offline Arthur Dent 2

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Re: Die Tatverdächtigen
« Antwort #102 am: 07.03.2017 20:46 Uhr »
Hi Cannon!

Ach was, es gibt doch genug Rätsel auf der Welt. "42" zum Beispiel. Und es bleibt einem immer das größte Rätsel: Frauen!
Aber JTR ist ungefährlicher... ;-)


MfG, Arthur Dent

Offline Cannon

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Re: Die Tatverdächtigen
« Antwort #103 am: 07.03.2017 21:46 Uhr »
Das Rätsel Frau - zu kompliziert....

JTR ist ungefährlicher... ;-)      :good:

Offline Stordfield

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Re: Die Tatverdächtigen
« Antwort #104 am: 07.03.2017 23:06 Uhr »
Hallo Arthur!

Hast Du schon mal etwas von Heuristik gehört/gelesen? Durch diese Wissenschaft bin ich auf Mansfield gekommen.
Deinen Vorschlag mit einem extra Thread finde ich super. Das war in 2007 schon mein Gedanke; ich wurde aber verlacht, bzw. nicht ernst genommen, obwohl ich einige Mitstreiter hatte (Nicki, Isdrasil, Claudia). Ich werde jetzt meine gesammelten Unterlagen ordnen und euch in absehbarer Zeit genaueres über Mansfield mitteilen.

Gruß Stordfield
Du kannst fliehen, wohin Du willst; Du nimmst Dich immer mit.