Autor Thema: Der Ripper, ein Schumacher?  (Gelesen 7479 mal)

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Van Helsing

  • Gast
Der Ripper, ein Schumacher?
« am: 17.01.2004 18:42 Uhr »
Hi zusammen!
 8) Hab nun endlich wieder Zeit hier meine Meinungen zu äussern.
Und ich fange gleich damit an.
Also ich persönlich denke ja, dass man John Piser aus den Reihen der Verdächtigen streichen sollte. Ich finde es gibt auch nichts was dafür spricht, ihn als Täter zu verdächtigen. Gut, zugegeben er hatte ein Hang zu Gewalt ausserdem hatte er in seinem Beruf als Schumacher immer mit scharfen Messern zu tun! Dennoch, macht ihn das gleich zu einem Serienkiller? Wenn es danach gehen würde dann müsste man jeden Mann verdächtigen, der während der Zeit der Ripper-Morde einen Hang zur Gewalt hatte und in seinem Beruf mit Messern zu tun hatte.

Es war ja auch nur ein Zufall das ausgerechnet Piser von der Polizei verdächtigt wurde. Als man Annie Chapman´s Leiche fand, fand man in der Nähe auch eine blutige Lederschürze und zwar so eine wie sie Schuhmacher bei ihrer Arbeit trugen. Doch ist dies Beweis genug
um Piser zu beschuldigen? Ich denke dass der wahre Mörder diese Schürze dort zurückgelassen hat um die Polizei auf eine falsche Spur zu führen. Und selbst wenn Piser den Mord an Chapman begangen haben sollte, wäre er doch ziemlich blöd die Schürze, die ihn verraten könnte zurück zu lassen.
Dennoch für die Polizei hat es damals gereicht ihn zu verhaften.
Doch durch ein festes Alibi und den Aussagen der Zeugen, die den Ripper gesehen haben wollen, konnte Piser entlastet werdn und wurde wieder auf freien Fuss gesetzt. Soweit  Pisers Auftritt im Fall Jack the Ripper.

Meiner Meinung nach hatte es sich die Polizei  bei Piser auch einfach gemacht. Zugegeben er hatte das Profil eines Serienkillers, aber man muss auch dazu sagen dass die britische Gesellschaft damals davon ausging, das kein Brite bzw. kein Engländer eine solche grausige Tat ausführen könnte.
Und nun war man bei Piser an der richtigen Adresse. Er war Pole und obendrein auch noch Jude! Den Rest kann man sich ja denken.
In einem Land das einen sehr starken Fremdenhass und Antisemitismus aufzuweisen hatte, war es den Menschen wohl lieber einen Ausländer, der obendrein auch noch Jude war als Täter zu erklären als einen Engländer. 8)

 :!: In diesem Sinne, macht euch stark gegen die Unterdrückung von Minderheiten :!:

widerbohrst

  • Gast
Der Ripper, ein Schumacher?
« Antwort #1 am: 19.01.2004 23:45 Uhr »
Hallo Van Helsing

Ich lese gerade The Complete History of Jack the Ripper von Philip Sugden. Dort steht zum Thema folgendes:

John Piser himself
Er kam zu Ehren der Verdächtigung weil er einem Straßengerücht zu folge am Morgen des Mordes von Polly Nichols mit ihr in der Backer’s Row gesehen wurde. Das Gerücht wurde, dem Autor nach, von einem Reporter aufgeschnappt und im Star kolportiert.

Die Lederschürze
Die wurde im Hinterhof (Hanbury Street 29) gefunden in dem Anni Chapmann ermordet wurde. Die Lederschürze war nicht blutbefleckt, darüber hinaus noch zusammengefaltet und es sah insgesamt nicht so aus als währe sie kürzlich benutzt worden. Während der gerichtlichen Untersuchung hat Mrs Richardson (Bewohnerin des Hauses) angegeben, dass sie die Schürze (ziemlich verschimmelt) 2 Tage vor dem Mord im Keller gefunden hat und ihrem Sohn gehört. Mrs Richardson selbst hat die Schürze im Hinterhof unter einem Wasserhahn deponiert, wo sie dann auch gefunden wurde.   :shock:
Der Sohn von Mrs Richardson ist übrigens jener frühe Besucher des Hinterhofes (4.45 – 4.50 Uhr) der sich auf den Stufen sitzend ein Stück seines Lederschuhs abgeschnitten hat.

Polizei
Der Polizei war Piser zwar wegen seiner gewalttätigen Haltung gegenüber Prostituierten bekannt, hatte ihn aber nie weitergehend hinsichtlich der Whitechapel Morde in Verdacht. So einfach hat es sich die Polizei nicht gemacht. :wink:

Und eine Nachtrag
Verwirrend kommt hinzu, dass Piser in Whitechapel wohl unter dem Spitznamen Leather Apron bekannt war.


Grüße
widerbohrst

Scharfnase

  • Gast
Der Sohn interessiert nich
« Antwort #2 am: 20.01.2004 11:25 Uhr »
Werte Herren,

mit Piser habt ihr natürlich recht, er ist da aufgrund seines jüdischen Glaubens und mehr oder minder mit einer recht fadenscheinigen Begründung zu unrecht verdächtigt worden. Leather Apron war aber nicht Jack the Ripper!

Wer mich schon eher interessiert ist der Sohn von Mrs Richardson, der so unverdächtig an seinen Schuhen herumschnippelte. Sicher besaß er auch ein scharfes Messer. Weiß jemand, ob ihn die Polizei vernommen hat? Ist vielleicht etwas weit hergeholt, aber gerade diese unscheinbaren Randfiguren sollten wir betrachten, wenn wir dem Mörder auf die Schliche kommen wollen.

Gott zum Gruße,
Scharfnase

Offline thomas schachner

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Der Ripper, ein Schumacher?
« Antwort #3 am: 20.01.2004 16:41 Uhr »
hi,

ja...er wurde bei der gerichtlichen anhörung vernommen:


John Richardson, of John-street, Spitalfields, market porter, said: I assist my mother in her business. I went to 29, Hanbury-street, between 4,45 a.m. and 4.50 a.m. on Saturday last. I went to see if the cellar was all secure, as some while ago there was a robbery there of some tools. I have been accustomed to go on market mornings since the time when the cellar was broken in.
[Coroner] Was the front door open? - No, it was closed. I lifted the latch and went through the passage to the yard door.
[Coroner] Did you go into the yard? - No, the yard door was shut. I opened it and sat on the doorstep, and cut a piece of leather off my boot with an old table-knife, about five inches long. I kept the knife upstairs at John-street. I had been feeding a rabbit with a carrot that I had cut up, and I put the knife in my pocket. I do not usually carry it there. After cutting the leather off my boot I tied my boot up, and went out of the house into the market. I did not close the back door. It closed itself. I shut the front door.
[Coroner] How long were you there? - About two minutes at most.
[Coroner] Was it light? - It was getting light, but I could see all over the place.
[Coroner] Did you notice whether there was any object outside? - I could not have failed to notice the deceased had she been lying there then. I saw the body two or three minutes before the doctor came. I was then in the adjoining yard. Thomas Pierman had told me about the murder in the market. When I was on the doorstep I saw that the padlock on the cellar door was in its proper place.
[Coroner] Did you sit on the top step? - No, on the middle step; my feet were on the flags of the yard.
[Coroner] You must have been quite close to where the deceased was found? - Yes, I must have seen her.
[Coroner] You have been there at all hours of the night? - Yes.
[Coroner] Have you ever seen any strangers there? - Yes, plenty, at all hours - both men and women. I have often turned them out. We have had them on our first floor as well, on the landing.
[Coroner] Do you mean to say that they go there for an immoral purpose? - Yes, they do.
At this stage witness was despatched by the coroner to fetch his knife.

John Richardson (recalled) produced the knife - a much-worn dessert knife - with which he had cut his boot. He added that as it was not sharp enough he had borrowed another one at the market.
By the Jury: My mother has heard me speak of people having been in the house. She has heard them herself.
The Coroner: I think we will detain this knife for the present.
<~> any propaganda is good propaganda, as long as they spell your name right <~>

Van Helsing

  • Gast
Der Ripper, ein Schumacher?
« Antwort #4 am: 20.01.2004 18:24 Uhr »
8) Also auch wenn meine Angabe von der blutigen Schürze jetzt nich korrekt war, immerhin laufen doch eure Aussagen darauf hinaus wo ich doch eingentlich auch hinwollte: JOHN PISER IST NICHT DER RIPPER. Und wir sollten ihn auch nicht weiter verdächtigen! :!:  8)

Scharfnase

  • Gast
John Richardson bei der Anhörung
« Antwort #5 am: 21.01.2004 10:47 Uhr »
Hi Thomas,

wenn ich das richtig verstanden habe, ist John Richardson, seines Zeichens Gehilfe im Laden seiner Mutter, am fraglichen Morgen um 10 vor 5 Uhr morgens auf der mittleren Stufe der Treppe zum Hinterhof gesessen und hat ein Stück von seinem Schuh abgeschnitten. Er wollte sich eigentlich nur vergewisern, dass niemand in den Keller eingebrochen ist, der sich dort befand. Obwohl es schon zu dämmern begann und ziemlich hell war, hat er im Hof angeblich nichts gesehen.

Gegen 6 Uhr morgens am 8. September wurde dann die blutbeschmierte Leiche von Dark Annie entdeckt, die im Hof direkt neben der kleinen Treppe lag, auf der Richardson zuvor gesessen hat. Richardson will zwar mitbekommen haben, dass dort Leute aus- und eingingen, er hat den Mord selbst aber nicht bemerkt.

John Richardson gibt sich ansonsten wenig verdächtig. Er gibt aber an, dass er schon öfters Leute des Durchgangs verweisen musste, die wohl dort herumgelungert sind. Sicherheitshalber hat das Gericht dann trotzdem sein Messer eingezogen. Wie es scheint, ist John Halbwaise, da sein Vater gestorben ist. Wohnhaft ist er in der Johnstreet in Spitalfields. Ist das im Hause seiner Mutter? Wie alt er war, steht leider auch nirgends.

Gott zum Gruße,
Schafrnase

Scharfnase

  • Gast
Über John Richardson
« Antwort #6 am: 21.01.2004 15:56 Uhr »
Hi nochmal,

jetzt hab ich es selbst gefunden in den Gerichtsakten. Seine Mutter Mrs. Richardson erzählt uns etwas mehr über ihn:

Amelia Richardson, 29, Hanbury-street, deposed: I am a widow, and occupy half of the house - i.e., the first floor, ground floor, and workshops in the cellar. I carry on the business of a packing-case maker there, and the shops are used by my son John, aged thirty-seven, and a man Francis Tyler, who have worked for me eighteen years. The latter ought to have come at six a.m., but he did not arrive until eight o'clock, when I sent for him. He is often late when we are slack. My son lives in John-street, Spitalfields, and he works also in the market on market mornings. At six a.m. my grandson, Thomas Richardson, aged fourteen, who lives with me, got up. I sent him down to see what was the matter, as there was so much noise in the passage. He came back and said, "Oh, grandmother, there is a woman murdered." I went down immediately, and saw the body of the deceased lying in the yard. There was no one there at the time, but there were people in the passage. Soon afterwards a constable came and took possession of the place. As far as I know the officer was the first to enter the yard.
[Coroner] Which room do you occupy? - The first floor front, and my grandson slept in the same room on Friday night. I went to bed about half-past nine, and was very wakeful half the night. I was awake at three a.m., and only dozed after that.
[Coroner] Did you hear any noise during the night? - No.
[Coroner] Who occupies the first floor back? - Mr. Walker, a maker of lawn-tennis boots. He is an old gentleman, and he sleeps there with his son, twenty-seven years of age. The son is weak-minded and inoffensive. On the ground floor there are two rooms. Mrs. Hardman occupies them with her son, aged sixteen. She uses the front room as a cats' meat shop. In the front room on the first floor on Friday night I had a prayer meeting, and before I went to bed I locked the door of this room, and took the key with me. It was still locked in the morning. John Davies and his family tenant the third floor front, and Mrs. Sarah Cox has the back room on the same floor. She is an old lady I keep out of charity. Mr. Thompson and his wife, with an adopted little girl, have the front room on the second floor. On Saturday morning I called to Thompson at ten minutes to four o'clock. I heard him leave the house. He did not go into the back yard. Two unmarried sisters reside in the second floor back. They work at a cigar factory. When I went down all the tenants were in the house except Mr. Thompson and Mr. Davies. I am not the owner of the house.
[Coroner] Were the front and back doors always left open? - Yes, you can open the front and back doors of any of the houses about there. They are all let out in rooms. People are coming in or going out all the night.
[Coroner] Did you ever see anyone in the passage? - Yes, about a month ago I heard a man on the stairs. I called Thompson, and the man said he was waiting for market.
[Coroner] At what time was this? - Between half-past three and four o'clock. I could hear anyone going through the passage. I did not hear any one going through on Saturday morning.
[Coroner] You heard no cries? - None. Supposing a person had gone through at half-past three, would that have attracted your attention? - Yes.
[Coroner] You always hear people going to the back-yard? - Yes; people frequently do go through.
[Coroner] People go there who have no business to do so? - Yes; I daresay they do.
[Coroner] On Saturday morning you feel confident no one did go through? - Yes; I should have heard the sound. They must have walked purposely quietly? - Yes; or I should have heard them.
By the Jury: I should not allow any stranger to go through for an immoral purpose if I knew it.

John Richardson ist demzufolge 37 Jahre alt, wohnt in Spitalsfield, hilft seiner Mutter im Laden und arbeitet an Markttagen auch auf dem Markt. Er hat wohl einen 14jährigen Sohn, der aber zur Tatzeit bei der Oma lebt. Daraus lässt sich messerscharf ableiten, dass John und seine Frau getrennt sind, warum auch immer.;-)

Gott zum Gruße,
Scharfnase

zeke11522

  • Gast
Der Ripper, ein Schumacher?
« Antwort #7 am: 12.12.2005 19:28 Uhr »
Also für mich hört sich das nach einem weiteren Verdächtigen an...

Gruß Zeke