Autor Thema: Nikolay Vasiliev  (Gelesen 288 mal)

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Offline Stordfield

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Nikolay Vasiliev
« am: 01.03.2017 12:20 Uhr »
Hallo!

Vasiliev wurde 1847 in Tiraspol, Provinz Cherson in Russland geboren. Seine Jugend verlebte er an seinem Geburtsort und später ging er an die Universität nach Odessa.
Mit 25 Jahren war er einer der Köpfe der Skoptsy, eine in Russland entstandene religiöse Sekte, die um 1757 als Geheimbund aus der Tradition der Flagellantensekte der Chlysten hervorging und völlige sexuelle Enthaltsamkeit propagierte. Die Anhänger trieben die Askese so weit, dass rituelle Verstümmelungen der äußeren Genitalien und später auch der weiblichen Brust Vorschrift wurden. Trotz kontinuierlicher staatlicher Verfolgung und Verbannung nach Sibirien konnte sich das Skopzentum in Russland ausbreiten.
1872 ging Vasiliev nach Paris/Frankreich ins Exil, um der Verfolgung der russischen Regierung zu entkommen. Empfehlungsschreiben von Mitgliedern seiner örtlichen Gemeinde erleichterten ihm den Einstieg.
Ein paar Monate lang mietete er eine Unterkunft in der Rue Mouffetarde. Tagsüber vergrub er sich in Unmengen von Büchern, nachts strich er durch die Straßen und brachte viele Obdachlose dazu, zu bereuen und sich der Skoptsy anzuschließen. Bald wurde er als "Erlöser der verlorenen Seelen" bekannt. Allmählich änderten sich allerdings seine Methoden: aus Bitten wurden Flüche, aus Großzügigkeit Zwang. Bis dann das Unerwartete passierte.
Unter den Frauen, die er zu reformieren versuchte, war ein junges Mädchen namens Madeleine, das er in der Rue Richelieu traf. Vasiliev verliebte sich in sie und hoffte, sie zu erlösen und ihre Seele zu retten. Er brachte sie bei der angesehenen Kauffrau  Guidard, in der Rue Serrurier unter und besorgte ihr eine Arbeitsstelle in einer Spitzenklöppelei. Aber nach ein paar Wochen lief seine Geliebte weg und Vasiliev verließ seine Wohnung, um nach ihr zu suchen.
Zwei Monate später fand er sie an der gleichen Stelle, wo er sie das erste Mal aufgegabelt hatte. Er stach ihr in den Rücken. Zwei Tage nach dem Tod von Madeleine ermordet er eine weitere Prostituierte in einer ruhigen Straße des Faubourg St. Germain. Wiederum drei Tage darauf fand man eine andere Straßenhure, die sich in ihrem Quartier in Mouffet-Arde in ihrem eigenen Blut wälzte. Innerhalb von zwei Wochen wurden fünf weitere Opfer im Arrondissement des Pantheon, zwischen dem Boulevard St. Michel und dem Boulevard de l'Hôpital, geschlachtet. Ihre Habseligkeiten hatten die Opfer noch bei sich, sie wurden nicht angerührt.
Vasiliev wurde verhaftet, als er in der Rue de Lyon versuchte, einen Streetworker zu töten und dieser um Hilfe rief. 
Während seines Prozesses behauptete sein Anwalt, Maître Jules Glaunier, dass sein Klient wahnsinnig sei und Vasiliev in einem privaten Asyl in Bayonne untergebracht sei. Nach einigen Berichten wurde er später nach Russland geschickt, wo er 16 Jahre in einem Asyl bei Tiraspol verbrachte; nach anderen Quellen blieb er im Asyl in Frankreich.
Die Zeitungen beschrieb ihn als groß, mager, mit einer kräftigen Gestalt, einem blassen, wachsartigen Teint (der eine Nebenwirkung der Kastration gewesen sein könnte) und brennenden schwarze Augen. Er wurde am 1. Januar 1888 aus dem Asyl entlassen, als er 40 Jahre alt war.
Vasiliev könnte, ähnlich wie Dr. Pedachenko, durchaus auch eine, von der internationalen Presse, erfundene Figur sein, wie von einigen Experten vermutet wird.

Gruß Stordfield





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Offline Stordfield

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Re: Nikolay Vasiliev
« Antwort #1 am: 01.03.2017 12:37 Uhr »
Ach, ja - seine Biographie ist zweifelslos durch mehrere britische und internationale Zeitungen skizziert worden. Nachforschungen ergaben, dass die Morde in Paris so niemals stattgefunden haben. Dennoch gibt es zwei Bücher über Vasiliev als Verdächtigen: "The History of the Whitechapel Murders: A Full and Authentic Narrative of the Above Murders" , (Richard K. Fox, Publisher and Printer, New York) and Leather Apron.
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