Autor Thema: Wenn JTR in eine Irrenanstalt kam, könnte ein Arzt mehr gewusst haben  (Gelesen 3013 mal)

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Offline Arthur Dent 2

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Hi Crow!


Zitat
Jetzt noch zu einem der 3 Verdächtigen eine Kartei oder eine Akte der einer der 3 beim Patient war! Das wäre es ja!!


Drei? Wieso nur drei? Die Polizei hat sich damals fast 1400 Verdächtige näher vorgenommen.

Guckst du hier: http://jacktheripper.de/forum/index.php/topic,1745.0.html



MfG, Arthur Dent

Offline Arthur Dent 2

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Hallo Stordfield!


Das ist keine Mühe mit der Karte, sondern hilft mir selbst zum besseren Überblick - hier übrigens die Aktualisierung mit Dr. Davis:

« Letzte Änderung: 27.02.2017 19:44 Uhr von Arthur Dent 2 »

Offline CRoW

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Hi,

ja klar meine jetzt die 3 Hauptverdächtigen die wirklich was damit zuhaben könnten anhand der Beweißlast.
z.b. Irrenanstalt, Handwerk, nähe zu den Tatorten usw weißt.

mfg

Offline Arthur Dent 2

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Hallo Crow!

Zu den"drei Hauptverdächtigen" von Polizeichef Macnaghten, die er im Memorandum nannte, sollte ich dir vielleicht die Hintergründe erklären:

Macnaghten war nie an den Ermittlungen beteiligt, und wurde erst Polizeichef, als die Mordserie bereits vorbei war. Er schrieb das polizeiinterne Memorandum 1894, als die Zeitung "Star" eine Artikelserie brachte, in der sie einen Thomas Cutbush verdächtigte, der Ripper gewesen zu sein.
Gegen diese Behauptungen teilte Macnaghten seinen Beamten mit, dass Cutbush nicht dieser Verbrechen verdächtigt werde und dass es andere wesentlich bessere Verdächtige gäbe, z.B. Druitt, Kosminski und Ostrog.
Wie er zu dieser Auswahl kam, ist unklar, denn Druitt galt bei den Ermittlern definitiv nicht als ein "prime suspect" - vielmehr war Macnaghten wohl der einzige, der Druitt ernsthaft verdächtigte - und zwar nicht wegen Ermittlungsergebnissen der Polizei, sondern, wie er schrieb, wegen irgendwelcher privater Informationen, die er von dessen Familie hatte. Der an den Ermittlungen beteiligte Inspektor Abberline lästerte sogar: Das einzige, was Druitt mit den Morden verbinde, sei dass er zufällig ein paar Wochen nach dem Kelly-Mord Selbstmord begangen habe.
Und Ostrog war zwar ein Berufsverbrecher, aber sein Aufenthaltsort während der Mordserie war unklar, und es wurde nach ihm auch nur wegen geringfügigerer Delikte gefahndet - aber soweit wir wissen nie offiziell wegen der Morde.
Hier ein kleiner Überblick zu Ostrog: http://www.jacktheripper.de/tatverdaechtige/ostrog/
Der einzige der drei, der wirklich von den Ermittlern als ein Hauptverdächtiger angesehen wurde, war Kosminski. Sowohl Chefermittler Swanson als auch sein Vorgesetzter Anderson bezogen sich in ihren Anmerkungen auf ihn.

Insofern deckte sich Macnaghtens Auswahl seiner drei Gegenbeispiele zu Cutbush nicht unbedingt mit den Hauptverdächtigen der mit dem Fall tatsächlich beschäftigten Ermittler.

 
MfG, Arthur Dent
« Letzte Änderung: 28.02.2017 13:57 Uhr von Arthur Dent 2 »

Offline Arthur Dent 2

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Hallo zusammen!

Eine Frage in die Runde: Weiß jemand, warum PC Thain nach dem Nichols Mord nicht zum London Hospital lief, um einen Arzt zu holen, sondern zu Dr. Llewellyn?
Der wohnte zwar auch nicht weit, aber das Hospital war noch ein Stück näher an der Buck's Row und dort dürfte es doch einen Nachtdienst gegeben haben.
Gab es schon damals eine Art Bereitschaftsdienst für niedergelassene Ärzte? Oder lag es vielleicht einfach daran, dass PC Thain den Doc kannte und er ihm als erstes einfiel?


MfG, Arthur Dent


Offline Lestrade

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Grüß dich, Arthur!

Ich meinte darüber einmal gelesen zu haben, meine Erinnerung an Einzelheiten ist aber momentan sehr schwach.

Könnte sein, dass jeder PC für seinen Bereich oder seinen Beat die Adresse eines Arztes hatte. Vielleicht gab es eine Art Bereitschaftsdienst dieser Ärzte und der PC bekam diese Info beim Dienstantritt. Im Falle des London Hospitals, gab es sicherlich auch die Möglichkeit, eine Person, die noch in der Lage war zu gehen, eben dort abzuliefern. Beispiele dafür findet man in der Aufnahme der Whitechapel Union Infirmary zu jener Zeit. Einige Patienten wurden von PCs dort hingebracht. Personen, die nicht mehr in der Lage waren zu gehen, wären da wohl eher von einem Bereitschaftsarzt vor Ort untersucht worden. Wenn einer dieser Ärzte nicht angetroffen worden wäre, hätten man sicherlich auf das London Hospital oder eines der anderen Krankenstationen, wie die Whitechapel Union Infirmary oder dem Mile End Krankenhaus zurückgreifen können.

Lestrade.
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Offline Arthur Dent 2

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Vielen Dank, Lestrade!

Offline Lestrade

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Gerne, Arthur!

Laut Neil Bell, suchten die PCs einen Arzt auf ihren Beats auf, wenn es denn einen Notfall gab. Fanden sie jemanden irgendwie verletzt, leisteten sie zunächst erste Hilfe und brachten unter Umständen diese Person in ein Krankenhaus. Man musste das wohl selbst einschätzen. Also wenn ihnen jemand geistig verwirrt erschien und man nichts weiter feststellen konnte, lieferte man ihn stationär ein. Nichols war ein Notfall, klar, da konnten sie nicht viel tun. Aber die Adresse von Llewellyn und dem London Hospital lag ja keine 50m voneinander entfernt, du machtest bereits ja Anmerkungen darüber. Dann wohl auch lieber zu einem Arzt, der gleich mitkommen konnte, als zu einem Arzt, der mitten in der Arbeit im Hospital steckte. So erkläre ich mir das auch alles... 
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Offline Arthur Dent 2

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Hi Lestrade!

Da hast du wohl recht, dass die Ärzte im Hospital wohl eher für Patienten da sein mussten, die zu ihnen ins Hospital kamen, während die niedergelassenen eher die Hausbesuche machten bzw. zu Unfällen und ähnlichem vor Ort gingen. Wenn man Nachtschicht im Krankenhaus hat, kann man seine Patienten nicht einfach so allein lassen - damals hat es ja wohl noch kein Notarztsystem mit an den Krankenhäusern stationiertem Rettungsdienst gegeben.


MfG, Arthur Dent



Offline Stordfield

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Hallo!

wie die Whitechapel Union Infirmary

So weit mir bekannt ist, ist das Whitechapel Union Infirmary keine Krankenstation, sondern ein Arbeitshaus. Warum sollte man dorthin schwerst kranke Personen schicken? Liege ich falsch?

Gruß Stordfield
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Offline Stordfield

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Ja, ich liege falsch. Entschuldigung. Habe mich vertan.
Natürlich ist das WUI ein Krankenhaus.

Gruß Stordfield
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Offline Lestrade

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Hallo Stordfield!

Ein Arbeitshaus mit Krankenstadion! Whitechapel Workhouse als Arbeitshaus und die Infirmary als dortige Krankenstadion.

Hier die Daten aus jener Zeit:

http://forum.casebook.org/showthread.php?p=24615)

Gruß, Lestrade.
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Offline Lestrade

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@Arthur:

Mehr dazu, wird uns wohl noch oder wieder über den Weg laufen!
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Offline Arthur Dent 2

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Hi zusammen!


Wie ernst die Polizei die Angelegenheit mit verdächtigen Insassen in Anstalten nahm, zeigen z.B. die folgenden Artikel:
 

The Bristol Mercury, 29. Dezember 1888:
"The Dublin Express London correspondent on Thursday
gave as the latest police theory concerning the Whitechapel murderer, that he has fallen under the strong suspicion of his near relatives, who to avert a terribly family disgrace, may have placed him out of harm's way in safe keeping. As showing that there is a certain amount of credence attached to this story, detectives have recently visited all the registered private lunatic asylums, and made full inquiries as to the inmates recently admitted."


South Eastern Gazette (UK), 18. Februar 1890:
"The Whitechapel Murders
The Dublin Express London correspondent says:-
A patient was recently admitted into a London infirmary, and removed after a few weeks to an asylum. The man, who came from the East End, dropped some remarks about the Whitechapel murders which have led to enquiry, and a detective has been in the asylum constantly with the patient since, of course disguised as another patient. The police are trying to discover whether the man knows anything about the crimes, or is merely suffering under delusions. It is said he has disclosed facts not previously known."


Im zweiten Fall hatte die Polizei sogar einen Beamten undercover als Patienten eingeschleust.



MfG, Arthur Dent

Offline Lestrade

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Mache es kurz, muss gleich weiter robotten...

Ich weiß garnicht, was aus diesem zweiten Artikel geworden ist. Howard hat das auch mal gepostet:

http://www.jtrforums.com/showthread.php?t=18497

Da gab es ja einige Krankenhäuser, Scott fand da auch jemanden, etwas älter, auf den das zugetroffen haben könnte. Kam, glaube ich, aus dem London Hospital. Nimmt man die East End Krankenhäuser, wenn es denn eines war, dann findet man vielleicht eine Handvoll Personen für diesen Zeitraum. Als ich mal bei Ancestry war, bin ich da auch mal durch, fand aber nichts auf die Schnelle in den Krankenhäusern. Auf jeden Fall eine interessante Sache. Etwas ähnliches gab es bereits im Oktober 1888, vielleicht im Zusammenhang mit dem Batty Street Vorfall, auch da gab es eine Überwachung, zumindest der Einrichtung. Auch da gab es den Hinweis, wie im ersten Artikel, über eine besorgte Familie bzw. Angehörige. Ich meine, dieser Artikel passt gut zum Zeitraum in dem Cox seine Überwachung gestartet hatte. Weiß aber nicht, ob ein passender Kandidat in den bekannten Krankenhäusern im Oktober 1888 gefunden wurde (ich fand jedenfalls nichts). Gab ja auch kleinere Einrichtungen dieser Art, mir fällt dort Stepney Green ein, jüdisch aber da gibt es keine Aufzeichnungen bzw. sie werden nicht zur Einsicht zugelassen. Wobei eine jüdische Institution in London, meine auch East End, über Zahlreiche Aufzeichnungen dieser und jener Art verfügt. Aber sie lassen einen Abblitzen bei Anfragen.
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