Autor Thema: Charles Cross aka Charles Allen Lechmere  (Gelesen 6085 mal)

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Offline IreneAdler

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Charles Cross aka Charles Allen Lechmere
« am: 26.10.2015 12:15 Uhr »
Hallo liebe Leser,  :biggrin:

ich habe gelesen das es bereits einen Eintrag hier im Forum zu "Charles Cross" gibt, wollte aber wieder einen neuen Eintrag starten, denn im Jahr 2014 ist sein Name groß in Erscheinung als "Ripper-Hauptverdächtiger" getreten.

Der Kriminologe Dr Gareth Norris und der schwedische Journalist Christer Holmgren haben sich in einer Dokumentation des Themas angenommen und sind anhand von Indizien zu dem Schluss gekommen das der werte Herr Cross der Mörder der Damen sein könnte.

In dieser Dokumentation von Chanel 5 schildern sie, wie sie auf die Idee kommen das NUR Cross als Täter in Frage kommt.

Irgendwie klingt für mich das alles sehr schlüssig. (Einige Sachen wurden auch hier im Forum schon diskutiert, bsp. die Zeit des Auffindens von Polly Nichols)

- Charles Cross log bezüglich seines Namens die Polizei an.
- Er hatte Zeit Polly Nichols die Wunden zuzufügen.....bis der andere Zeuge Paul ihn sah. Als Paul an der Leiche ankam blutete Polly noch nicht richtig, erst später hatte sich eine Lache gebildet...demnach war es recht frisch...
- Sein Arbeitsweg führte ihn an allen Tatorten vorbei, ungefähr zu den Zeiten wo die Morde passierten
- Seine Mutter wohnte in der Berner Street, die er auch des öfteren besuchte.
- Selbst wenn Blut an seinen Kleidern gewesen wäre, wäre es auch nicht aufgefallen, da er als Fleischlieferant tätig war und täglich damit zu tun hatte...

Hier mal der Artikel aus der daily mail: http://www.dailymail.co.uk/news/article-2842352/Whitechapel-meat-cart-driver-Jack-Ripper-legitimately-blood-spattered-appearance-helped-evade-justice-claims-criminologist.html

Für mich ist das ein sehr heisser Kandidat, aber wir werden es wohl nie erfahren wer es war....es ist und bleibt ein Mysterium

Offline Arthur Dent 2

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Re: Charles Cross aka Charles Allen Lechmere
« Antwort #1 am: 26.10.2015 15:42 Uhr »
Hallo Irene,

willkommen im Forum. Du bist ein Sherlock-Holmes-Fan, nehme ich an?  8)


Einen Beitrag über Charles Cross habe ich auch mal gesehen, der war recht gut gemacht: Darin zeigten sie in einer Computersimulation die Beats der PCs rund um Buck's Row - ich nehme mal an, dass das die Doku war, die du gemeint hast, oder?

Zunächst mal ist es kriminologisch ein schlüssiger Ansatz, sich alle Leute genauer anzusehen, die man zuletzt mit dem lebenden Opfer oder zuerst bei der Leiche ermitteln konnte. Sie erfüllen einen grundlegenden Tatverdacht wegen nachgewiesener Anwesenheit beim Opfer zur ungefähren Tatzeit.
Insofern ist Charles Cross ein naheliegender Verdächtiger - und m.E. ein besserer als so mancher "Klassiker", über den man sich fragt, wie der denn überhaupt in die Liste gekommen ist.


Wägen wir mal das Für und Wider ab:

1) Die Tatsache, dass Cross als erster und allein am Nichols-Tatort war, bis Paul kurz darauf dazustieß, lässt Cross als möglichen Täter erscheinen.
2) Auch die überlieferten Zeitangaben waren verwirrend, wenn sie denn stimmen sollten: Er gehe gewöhnlich gegen 3.30 Uhr von zuhause los, soll Cross ausgesagt haben, er habe diesmal aber 10 Minuten früher das Haus verlassen. Von seiner Adresse in der Doveton Street, Bethnal Green, bis zum Tatort brauchte man allerdings gerade mal rund 10-12 Minuten - es fehlt also fast eine Viertelstunde, die für den Mord reichen würden, wenn die Zeitangaben stimmen sollten.
3) Zudem lagen den Ripperologen zufolge alle Tatorte JTRs auf den Wegen zwischen der Wohnung von Cross, seiner Arbeit als Fleisch-Auslieferer in der Broad Street und dem Wohnort seiner Mutter in der Berner Street.
4) Auch hätte er als Fleischauslieferer eine Erklärung für Messer und Blut an der Arbeitskleidung gehabt.
Dies alles sind zunächst mal ernstzunehmende Verdachtsmomente.

Was hingegen die These, dass er der Mörder war, relativiert:
1) Cross hätte, als er die Schritte von Paul hörte, einfach nach Westen verschwinden können, ohne erkannt zu werden, statt auf einen Zeugen zu warten: Es war noch dunkel, und es sind gut 100 Meter vom östlichen Ende der Buck's Row bis zum Tatort, bis zu den Querstraßen im Westen als Fluchtwege sind es weniger als 50 Meter. Stattdessen wartete er, wies Paul erst auf den Körper am Straßenrand hin, und ging mit ihm schließlich einen Polizisten suchen.
2) Möglicherweise ist einfach die Überlieferung zu Cross Zeitangaben missverständlich oder ungenau, und Cross meinte nicht, dass er 10 Minuten früher als sonst losgegangen sei, sondern dass er vor zehn Minuten von zu Hause losgegangen sei. Oder die Uhr, an der er sich orientierte, ging einfach falsch. Denn auch andere überlieferte Zeitangaben stimmen nicht überein: Paul z.B. sagte, wenn ich mich recht erinnere, er habe sein Heim gegen 3.45 Uhr verlassen - zu diesem Zeitpunkt will aber PC Neill bereits die Leiche entdeckt haben.
Der Fall leidet ganz allgemein darunter, dass es zu der damaligen Zeit noch keine synchronisierten Funkuhren gab: Die mechanischen Uhren hatten große Gang-Ungenauigkeiten, und es hing davon ab, wie oft sie mit welcher Referenzuhr - Bahnhof, Rathaus, Kirche - verglichen und nachgestellt wurden. Und wer keine eigene Taschenuhr hatte, schaute auf eine in der Wohnung oder auf eine öffentliche und schätzte dazwischen bis zum nächstmöglichen Blick auf eine Uhr einfach die Zeit. Unter solchen Rahmenbedingungen eine korrekte Zeitleiste zu erstellen, ist nicht leicht.
3) Da Cross erst auf dem Weg zur Arbeit war, wäre frisches Blut an Messer und Kleidung keine plausible Erklärung gewesen, aber weder Paul noch PC Mizen fiel an Cross irgend etwas Verdächtiges auf.
4) Eine Änderung des Namens, wie im Falle Lechmere, der den seines Stiefvaters Cross benutzte, kam in der damaligen Zeit leider häufig vor und ist somit nicht per se verdächtig. Die Praxis der Namensänderungen machte nur leider die Ermittlungen damals und die Recherche der Ripperologen heutzutage nicht gerade einfacher.
5) Cross kam nach der Arbeit brav auf die Wache zu seiner Aussage und wurde von der Polizei offensichtlich als unverdächtig und glaubwürdig empfunden. Jedenfalls gibt es m.W. in keinen erhaltenen Dokumenten irgendein Hinweis darauf auf, dass er damals zu den Verdächtigen gezählt worden wäre oder er noch einmal in Zusammenhang mit einem Mord aufgetaucht wäre.
6) Außerdem lebte er nach dem Ende der Morde noch mehr als drei Jahrzehnte als unbescholtener und gesunder Bürger weiter - was für einen Serienkiller mit so einem ausgeprägten Jagd- und Tötungsdrang und einer so kurzen Abkühlphase wie JTR eher unwahrscheinlich ist.


Wie gesagt: Seine Anwesenheit unmittelbar nach dem Nichols-Mord allein am Tatort macht ihn zum besseren Verdächtigen als manchen Klassiker wie z.B. Gull, Druitt oder Sickert - aber das gilt für viele andere Zeugen auch. Ansonsten deutet m.E. bisher nur sein Arbeitsweg quer durchs Eastend auf ihn als möglichen Täter hin - was aber ebenfalls viele andere Bewohner mit ihm gemeinsam gehabt haben dürften.


MfG, Arthur Dent

Andromeda1933

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Re: Charles Cross aka Charles Allen Lechmere
« Antwort #2 am: 26.10.2015 15:52 Uhr »
Vielen Dank für Deinen Beitrag, Irene und willkommen im Forum!
Wir brauchen frisches Blut!  ;)
Du wirst sicher bemerkt haben, hier im Forum hat fast jeder seinen Kandidaten, dessen „legitimen Ansprüche“, Jack The Ripper zu sein, er/sie vehement vertritt.
Cross gehört zum erweiterten Kandidatenkreis und ist sicher ein seriöserer Verdächtiger als so manch andere „Lösung des Falles“, die alle 6 Monate angeboten werden.
Ich habe unter Mary Ann Nichols auch einmal über Charles Cross „nachgedacht“. Der Haken an diesem Mann ist jedoch, er hatte auch ein Leben „danach“. Ob jemand nach solchen Morden (wenn man jetzt von den K5 ausgeht) anscheinend normal weiter leben kann, erscheint mir persönlich fraglich. Was ihn aber nicht definitiv ausschließt.

Offline Arthur Dent 2

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Re: Charles Cross aka Charles Allen Lechmere
« Antwort #3 am: 07.11.2015 17:45 Uhr »
Hallo allesamt,

ich habe mir gerade noch einmal die Doku "Jack the Ripper - The missing evidence" angesehen, in der vom Journalisten Christer Holmgren der Nichols-Zeuge Charles Cross / Lechmere als möglicher Ripper vorgestellt wird.
https://www.youtube.com/watch?v=tndfLueunCQ

Insgesamt m.E. eine gut gemachte Doku, aber mir sind doch ein paar schwache Punkte aufgefallen - ihre Argumentation erscheint mir nicht immer wirklich schlüssig:


1. Die Namens-Geschichte

Es wird darin so dargestellt, als hätte Cross mit seinem Namen gelogen, und dies wird als Verdachtsmoment aufgebaut, so als er hätte er etwas zu verbergen gehabt - dabei hatte Lechmere den Namen Cross nicht erfunden, sondern von seinem Stiefvater übernommen und eine ganze Zeit lang öffentlich benutzt. Es wird in der Doku sogar erwähnt, dass es praktisch genausoviele Dokumente über ihn unter dem Namen Cross wie Lechmere gibt.
Unabhängig davon wäre es völliger Blödsinn gewesen, ausgerechnet den Namen des Stiefvaters zu nennen, wenn er etwas hätte verbergen wollen, und dann auch nur beim Nachnamen zu lügen, aber nicht beim Vornamen und bei der Adresse - doch beides gab er korrekt als Charles Allen und Doveton Street 22 an. Somit hätte ihm die Nennung eines falschen Nachnamens überhaupt nichts genützt.


2. Arbeitswege und Zeiten

In der Doku wird dargestellt, dass mehrere Morde auf seinen Wegen zu Arbeit lagen und damit der Verdacht einer möglichen Täterschaft nahegelegt.
Das Problem dabei ist nur: Die Arbeit von Cross in der Broad Street begann laut der Doku um 4 Uhr morgens, damit lägen die Morde an Chapman und Kelly außerhalb seines Zeitfensters - es sei denn er hätte sich folgenlos und ohne aufzufallen um jeweils mehr als eineinhalb Stunden verspäten dürfen, was im frühkapitalistischen England eher unwahrscheinlich ist.

So wird in der Doku der Tatzeitraum beim Mord an Chapman im Hinterhof der Hanbury Street 29 angegeben mit 4.30 - 6.30 Uhr - dies ist nicht korrekt:
Gegen 4.45 Uhr war John Richardson noch im Hinterhof, und gegen 5.30 Uhr wurde Chapman zum letzten Mal lebend gesehen von der Zeugin Elizabeth Long, und zwar direkt vor der Tür zum Hof mit einem Mann (vermutlich der Ripper). Gegen 5.15 Uhr erwachte Albert Cadosch aus dem Nachbarhaus Nr. 27 und ging ein paar Minuten später in seinen Hinterhof zur Toilette, und als er danach ins Haus zurück wollte, hörte er vom Hof nebenan zunächst ein leises "No" und kurz darauf bei seinem Aufbruch zur Arbeit etwas gegen den Zaun stoßen.
Somit lag die Tatzeit bei kurz nach halb Sechs. Bereits gegen 6 Uhr wurde Chapmans Leiche im Hinterhof vom Bewohner John Davies entdeckt und gegen 6.10 Uhr der Polizeistation in der Commercial Street gemeldet.
Wäre Cross der Ripper gewesen, wäre er folglich mehr als eineinhalb Stunden zu spät zur Arbeit gekommen.

Auch beim Mord an Mary Jane Kelly wäre es für Cross als Mörder eng geworden:
Der Zeuge George Hutchinson sah Kelly gegen 2 Uhr mit einem Kunden zurück auf ihr Zimmer gehen. Er wartete bis gegen 3 Uhr gegenüber dem Miller's Court, und erst zwischen 3.15 Uhr und 3.45 Uhr hörten die Zeuginnen Sarah Lewis und Elizabeth Prater einen leisen, unterdrückten Schrei vom Hof her: "Mord!" Korrekterweise legt auch die Doku die Tatzeit auf zwischen 3 und 4 Uhr.
Aber laut forensischen Einschätzungen hätte der Ripper für diese Tat rund zwei Stunden gebraucht  (was sich mit der Aussage der Nachbarin Marie Ann Cox deckt, die gegen 6 Uhr Schritte im Hof gehört haben will).
Auch in diesem Fall wäre Cross also 1,5 bis 2 Stunden zu spät zur Arbeit gekommen, und das schon zum zweiten Mal am Morgen eines Mordes, nachdem er bereits als ein Zeuge des Nichols-Mordes öffentlich bekannt geworden war. Irgendwie gar nicht auffällig...


Es bleibt daher mein Fazit:

Cross war als erster und allein am Nichols-Tatort, bis Paul kurz darauf dazustieß. Somit hätte Cross der Mörder gewesen sein können, zumal auch alle Tatorte JTRs auf den Wegen zwischen seiner Adresse in der Doveton Street 22, seiner Arbeit als Fleisch-Auslieferer in der Broad Street und dem Wohnort seiner Mutter in der Nähe der Berner Street liegen.
Allerdings hätte Cross, als er die Schritte von Paul hörte, einfach nach Westen verschwinden können, ohne erkannt zu werden, statt auf ihn zu warten: Es sind rund 100 Meter vom östlichen Ende der Buck's Row bis zum Tatort und es war noch dunkel. Bis zu den Querstraßen im Westen als Fluchtwege sind es nur wenige Meter, bei einer Flucht nach Süden wäre er schnell im Verkehr der Whitechapel Road untergetaucht. Stattdessen wartete er auf Paul, wies ihn erst auf den am Straßenrand liegenden Körper hin und ging mit Paul einen Polizisten suchen.
Weder die Polizei noch der Untersuchungsrichter beim Inquest hielten ihn irgendwie für verdächtig, und auch auf der Arbeit wäre wohl aufgefallen, dass ausgerechnet der Nichols-Zeuge an zwei weiteren Mord-Tagen zu spät zu Arbeit kam.
Außerdem war er nicht nur vor den Morden ein unbescholtener Mann und Familienvater, der 20 Jahre lang zuverlässig denselben Job innehatte, er lebte auch noch mehr als 30 Jahre nach dem Ende der Serie als freier und gesunder Bürger weiter, ohne irgendwie einschlägig aufzufallen. Daher war Cross wohl eher nicht der Ripper.


MfG, Arthur Dent




P.S. Noch eine Bemerkung in eigener Sache: Ich habe selbst in meinen obigen Beitrag einen Fehler gemacht. Die Mutter von Cross wohnte nicht "in der Berner Street", sondern "in der Nähe der Berner Street" (ich glaube, es war die Cable Street).

Offline Lestrade

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Re: Charles Cross aka Charles Allen Lechmere
« Antwort #4 am: 23.06.2016 11:50 Uhr »
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Re: Charles Cross aka Charles Allen Lechmere
« Antwort #5 am: 25.06.2016 12:15 Uhr »
Hallo allesamt,

mir ist gerade noch ein Gedankenfehler in der Cross-Theorie von Holmgren aufgefallen:

Wieso hätte Cross in der Nacht des Double Event nach dem Mord an Stride in Richtung seiner Arbeitstelle in der Broad Street flüchten sollen?
Es war sein freier Tag, und er hatte daher keinen Grund, zwischen 1 und 2 Uhr nachts weiter nach Westen in Richtung seiner Arbeitsstelle zu gehen (wo die Arbeit zudem um 4 Uhr begann).
Vielmehr wäre wohl zu erwarten gewesen, dass er nach Norden oder Nordosten geht, um damit seinen Heimweg zu verkürzen, statt ihn zu verlängern.
 

MfG, Arthur Dent

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Re: Charles Cross aka Charles Allen Lechmere
« Antwort #6 am: 25.06.2016 13:05 Uhr »
Ich meine, dass Christer Holmgren/ Edward Stow das vor nicht allzu langer Zeit damit erklärten, dass Charles Lechmere/Cross auf der Suche nach einem zweiten Opfer, einen ihm vertrauten Weg benutzte. Er wohnte ja erst kürzlich in der Devoton Street und davor in der James Street (St. George in the east). Von dieser gelangte er via Fairclough Street auch in die Berner Street und konnte dann weiter Richtung St. Botolph Bereich (Mitre Square) und dann weiter in die Broad Street, seiner Arbeitsstelle. Knapp 180m vom Tatort Stride entfernt, lebte ja seine Mutter in der Mary Ann Street. Also theoretisch könnte das sein alter Weg zur Arbeit gewesen sein, meinten sie.

Er befand sich also auf vertrauten Gelände um den Stride Tatort in der Berner Street herum, kürzliche alte Adresse und die Adresse seiner Mutter, plus alten Arbeitsweg zur Broad Street. Nach dem "Fehlschlag" bei Stride, ging er, auf der Suche nach einem zweiten Opfer, einen ihm vertrauten Weg auf dem er, dass wusste er, Prostituierte finden würde, nämlich im Bereich St. Botolph (Mitre Square). Erst dann ging es zurück in die Devoton Street. Das Schürzenteil, welches man in der Goulston Street fand, lag ja auf einer möglichen Route zurück zu seinem Heim. So hab ich das zumindest verstanden.
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Re: Charles Cross aka Charles Allen Lechmere
« Antwort #7 am: 25.06.2016 13:11 Uhr »
Das ist sicher möglich - nur hätte er genausogut Richtung London Hospital / Whitechapel Station gehen können, das war auch eine Prostituierten-Ecke, und dazu noch eine, die einen wesentlich kürzeren Fluchtweg geboten hätte.

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Re: Charles Cross aka Charles Allen Lechmere
« Antwort #8 am: 25.06.2016 13:28 Uhr »
Ich glaube, dass sie die Fluchtrouten ihres Rippers etwas anders betrachten als wir die in unseren Theorien! Cross killte auf den Weg zur Arbeit (Tabram, Nichols, Chapman und Kelly) und das Double Event wäre die Ausnahme. Für diesen Täter ein schneller Ritt nach Hause, mit den Lebensumständen daheim, nach zwei Morden mit Blut an den Klamotten, war vielleicht problematischer als auf der Arbeit anzukommen und vielleicht unbehelligter Kleidung zu wechseln und sich zu säubern. Wahrscheinlich werden sie agrumentieren, dass er nach den Taten des Double Events, doch kurz auf der Arbeitsstelle war und erst dann nach Hause ging. Muss ja keiner dort mitbekommen haben. Somit wäre deine Überlegung für beide nicht wirklich logisch.
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Re: Charles Cross aka Charles Allen Lechmere
« Antwort #9 am: 25.06.2016 13:47 Uhr »
Das könnte natürlich so gewesen sein - jedoch stünde er an der Arbeitsstelle vor genau denselben Erklärungsnöten wie zuhause...

Darüber hinaus hatte ich ja bereits öfter erwähnt, dass die ganze These an einem schwerwiegenden Fehler krankt:
Die Tatzeiten von Hanbury Street und Miller's Court liegen innerhalb der Arbeitszeit von Cross und können somit nicht mit seinem Arbeitsweg erklärt werden.

Und während der Arbeit solche Taten zu begehen, das ist ebenfalls unwahrscheinlich: Was macht der Fleischauslieferer mit seinem Karren mit den Waren? Lässt er die einfach am Straßenrand stehen, damit die wertvolle Ware geklaut wird?
Nee, Cross ist und bleibt für mich ein einfacher Zeuge.


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Re: Charles Cross aka Charles Allen Lechmere
« Antwort #10 am: 25.06.2016 14:00 Uhr »
Ein einfacher Zeuge, genauso ist es...

Aber Christer und Edward werden auch Erklärungen für den Arbeitsplatz (Kleidung/Säuberung) als auch für die Arbeitszeiten haben... Sie haben sie aber ich suche sie jetzt nicht raus... ist für uns beide nicht relevant...

Es ist wohl einfach nur die Tatsache, dass Cross an zwei-drei Tatorten vorbeimarschieren musste, Nichols und Chapman und wohl auch nicht allzuweit an Kelly aber das traf wohl auf viele andere Menschen auch zu, siehe Robert Paul. Nun lebte seine Mutter ausgerechnet noch an einem weiteren Tatort (Stride)... und auch sein frühere Arbeitsweg, früher des Jahres, führte daran vorbei...

Was ich beiden aber lassen muss ist, dass sie einen Tätertyp "erschafften", den ich eigentlich ganz "interessant" finde. Nicht für die Rippermorde sondern so ganz allgemein.



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Re: Charles Cross aka Charles Allen Lechmere
« Antwort #11 am: 26.06.2016 12:06 Uhr »
Hallo Lestrade!

Zitat
Was ich beiden aber lassen muss ist, dass sie einen Tätertyp "erschafften", den ich eigentlich ganz "interessant" finde. Nicht für die Rippermorde sondern so ganz allgemein.

Was findest du an dem neu "erschaffenen" Tätertyp "interessant"?
Einer, der jahrzehntelang unauffällig lebt und fleißig seiner Arbeit nachgeht, rastetauf einmal völlig aus, ermordet und zerstückelt bestialisch innerhalb kurzer Zeit mehrere ihm unbekannte Frauen, die ihm nie was getan haben - und dann so plötzlich wie die Mordlust kam, ist sie auf einmal wieder weg und er kehrt, als wäre nie etwas geschehen, für die restlichen drei Jahrzehnte seines Lebens wieder in ein unauffälliges, gesetzestreues Kleinbürgerleben zurück?

Bei uns zu Hause sagen wir immer zu einem neuen Rezept, das nicht ganz gelungen ist: "schmeckt interessant"... Sarkasmus?


MfG Arthur Dent



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Re: Charles Cross aka Charles Allen Lechmere
« Antwort #12 am: 26.06.2016 12:51 Uhr »
Wie ich schrieb, Arthur: Nicht für die Rippermorde!

Christer Holmgren versucht in jemanden wie Lechmere den Mörder zu sehen und ich persönlich denke, dass er auf dem Holzweg ist. Ich habe seine Ausführungen zum Tätertyp verfolgt, seine Ideen, Argumentationen und Nachforschungen, selber mit ihm diskutiert. Mich fasziniert an ihm, dass er nahezu auf jede Frage und jeden Einwand Antworten und Lösungen benennen kann. Davon kann man genervt sein oder sich einfach auf ihn einlassen. Das letztere fand ich spannend, weil ich viel erfuhr über andere Tätertypen usw. Für mich war der Ripperfall da gar nicht mehr von belang. Es ist wie mit Jonathan Hainsworth, es sind Typen die polarisieren, die mit Leidenschaft dabei sind, und ich mag sie, dabei spielt überhaupt keine Rolle, dass wir nun einmal unterschiedliche Ansichten haben. Als ich von Serienkiller Manfred Seel erfuhr, musste ich unweigerlich an Christer´s Ausführungen denken. Irgendwie gab es diesen Typen, von dem er erzählte... aber jener Typ gehörte mehr nach Deutschland als nach London in 1888. Vielleicht passt so ein Typ auch zu den Torso Morden. Christer Holmgren und meine Wenigkeit könnten in vielerlei Hinsicht nicht unterschiedlicher sein. Wir sehen die Ripper- Welt total unterschiedlich. Und dennoch finde ich interessant, was Christer (als auch Edward Stow) so von sich geben. Ich hoffe, ich konnte dich mit meiner Antwort erreichen.
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Re: Charles Cross aka Charles Allen Lechmere
« Antwort #13 am: 26.06.2016 13:01 Uhr »
Hi Lestrade,

das sollte kein persönlicher Angriff auf dich oder Holmgren sein. Es ist m.E. eben nur, wie du selbst sagst: Das passt nicht auf den Ripper-Fall.

Ein Täter mit so einer kurzen Abkühlphase, der sich mit hoher Geschwindigkeit in eine Raserei steigert bis zur totalen Zerstückelung von Kelly - der zeigt m.E. deutliche Anzeichen eines Kontrollverlusts und psychischen Niedergangs.


MfG, Arthur Dent

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Re: Charles Cross aka Charles Allen Lechmere
« Antwort #14 am: 26.06.2016 14:51 Uhr »
Ein Täter mit so einer kurzen Abkühlphase, der sich mit hoher Geschwindigkeit in eine Raserei steigert bis zur totalen Zerstückelung von Kelly - der zeigt m.E. deutliche Anzeichen eines Kontrollverlusts und psychischen Niedergangs.

Absolut, Arthur!
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