Autor Thema: Daniel Barnett  (Gelesen 7653 mal)

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Stordfield

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Daniel Barnett
« am: 29.12.2012 11:42 Uhr »
Hallo!

Daniel wurde 1851 in Whitechapel geboren (1906 gestorben) und war der ältere Bruder vom suspect Joseph. Nach dem Tod ihres Vaters und nachdem die Mutter die Familie verlassen hatte, fiel Daniel die schwere Aufgabe zu, für seine Geschwister zu sorgen. Dies war ein harter Kampf. Daniel tat aber sein Bestes und sorgte immerhin dafür, dass alle zur Schule gehen konnten.
Joseph berichtete dem Star (Ausgabe vom  10.11.), dass sein Bruder Mary Kelly in der Nacht vor ihrer Ermordung getroffen habe, ohne einen Grund dafür zu erwähnen. Auch wurde er eventuell von Maurice Lewis in Begleitung von Kelly im "Horn of Plenty" gesehen (in der ominösen Zeit zwischen 10 und 11 uhr).
Einige Leute meinen ja, dass Kellys Verletzungen auf eine Beziehungstat schließen lassen könnten. Wenn dem so sein sollte, ließe dies dann auch den Schluß zu, das Mary gar nicht das Opfer von JtR, sondern eines Eifersuchtsdramas war?
Bitte versteht mich nicht falsch. Ich möchte hier keineswegs irgendetwas behaupten, sondern versuche nur ausgetretene Pfade zu verlassen.

Gruß Stordfield

Offline Lestrade

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Re: Daniel Barnett
« Antwort #1 am: 05.01.2013 17:55 Uhr »
Hallo Stordfield!

Es gibt ja auch die Story, dass jemand nach Kelly´s Beisetzung an ihr Grab ging und darauf spuckte. Geschah dies wirklich, so wäre das in der Tat eine sehr pietätlose Handlung gewesen. Wenn dem so war, gäbe es dafür sicherlich die verschiedensten Erklärungen. Es könnte sich um den Täter gehandelt haben, um einen Familienangehörigen oder um einen verschmähten Liebhaber bzw. einem Verehrer usw. Kelly schien in der Tat eine sehr attraktive Frau gewesen zu sein, die vielleicht auch aufgrund ihrer Attraktivität einigen Bonus bei Männern hatte, welche ihr dieses oder jenes Verhalten billigten bzw. großzügig übersahen. Sie war noch recht jung aber auch schon recht erfahren in Beziehungen, die sicherlich mal länger, mal kürzer andauerten. Das Joseph Barnett sicherlich Probleme hatte das Ende zwischen Ihr und ihm zu verstehen oder es vollends zu akzeptieren, davon würde ich stark ausgehen. Gut möglich, dass er seinem älteren Bruder nach Rat und Hilfe fragte.

Da ist also die eingangs erwähnte Story, die Umstände am Miller´s Court, sprich also Tür/Schlüssel, das Motiv von Joseph Barnett oder gar eines Daniel Barnett, weil er vielleicht gerne der Mann an Kelly´s Seite gewesen wäre usw. Hätte es zur gleichen Zeit nicht die Jack the Ripper Morde gegeben, sondern nur dieser eine Fall mit Kelly als Opfer, dann wären die Barnetts sicherlich viel, viel interessanter geworden. Aber so war es ja nicht und die Whitechapel Morde passierten im wahrsten Sinne des Wortes um die Ecke. Dazu solch schwere Verstümmelungen, die noch stärker ausgeprägt waren als bei Chapman und Eddowes.

Der Tatort Miller´s Court ist in der Tat sehr außergewöhnlich und lässt erst einmal viel Raum für diverse Spekulationen. Ich denke, der Mann, welcher auch zumindest für die Taten an Nichols, Chapman, Stride und Eddowes verantwortlich gewesen war, wusste nach der Nacht des DoubleEvents, egal in welcher geistigen Verfassung er war, dass er mächtig aufpassen muss, um nicht erwischt zu werden oder weiter in Verdacht zu geraten. Er lernte stetig dazu. Es hätte zu diesem Zeitpunkt besonders zwei Dinge für ihn gegeben haben können:

Wie kann ich meine Fantasien endlich bis zum Ende ausführen?
Wie sicher kann ich dabei sein, während und nach der Tat?

Er musste in jeglicher Hinsicht Zeit gewinnen. Solch eine Location wie Kelly sie bewohnte, war dafür doch gut geeignet. Ich denke jedoch aber, dass auch Sie, genau wie alle anderen Opfer, Zufallsopfer wurden. Kelly eben auf eine andere Art, weil er, der Täter, einfach eine andere Strategie verfolgen musste. Dabei hätte er nicht den großen Denker markieren müssen, sondern einfach instinktiv gehandelt haben können. Im meinen Augen hätte er so wie bei Kelly, nicht in Zukunft weiterverfahren müssen, weil solch eine “gelungene Tat“ hätte auch dazu führen können, dass er aus Übermut beim nächsten Mal wieder leichtsinniger agiert hätte. Seine Logik sollten wir nicht unbedingt mit unserer Logik vergleichen.

Whitechapel und Spitalfields, das East End allgemein, waren ein Gebiet, wo Prostitution extrem verbreitet war. Die Dorset Street gehörte mit zu den schlimmsten Straßen in London. Auch im Miller´s Court gab es Prostitution und die dürfte sich herumgesprochen haben. Genau in dieser Art, gab es weitere, unzählige Orte dieser Art und der Ripper dürfte jeden Ort gekannt haben. Das gehörte zu seiner Leidenschaft. Wer heute in´s Internet geht, der findet alles an Pornografie was er sucht. Man muss eben nur suchen. Und dann weiß derjenige, was er, wenn er es will, wo abrufen kann. Und der Ripper sollte dieses Elendsviertel der Prostitution genau gekannt haben. Es dürfte ihm bewusst gewesen sein, dass es neben reiner Straßen/Hinterhof-Prostitution und Bordellen auch Prostituierte gab, die ihre Kunden in eigenen Wohnräumen bedienten. Im Miller´s Court waren es vielleicht Mrs. Prater oder Mrs. Cox, die neben Kelly dort “aktiv“ waren. In einem anderen Court sind es diese Personen, in diesem Yard eben folgende Frauen und in irgendeinem Square eben jene Damen usw. Jack the Ripper kannte das alles.  Ebenfalls sollte man daran denken, dass Kelly auch hin- und wieder “Mitbewohnerinnen“ hatte. Und Apropos Mrs. Cox:

Ich hatte schon einmal darauf hingewiesen, dass Mrs. Cox nichts bezüglich der Türsituation erwähnte, als sie Kelly mit Blotchy sah. Beide gingen schlicht und einfach in Kelly´s Raum.

Und ich halte es für gut möglich, dass Jack the Ripper genau das tat. Er ging einfach hinein, weil die Tür in Kelly´s Raum schlicht und einfach unverschlossen gewesen war. Wer weiß, an wie vielen Türen er bereits vorher gerüttelt hatte, wo er wusste, es könnte sich auch lohnen zu rütteln. Er suchte genau das, eine Prostituierte in den eigenen vier Wänden. Ich erinnere an den Internet Porno Sucher. Er wird finden was er sucht. Und auch der Ripper fand letztendlich, was er suchte. Das tat er immer aber diesmal war es eben die gewünschte Indoor- Situation. Bei Mrs. Prater hätte er so keinen Erfolg gehabt, sie hatte ihre Tür verrammelt. Aber Kelly tat das meines Erachtens nicht. Vielleicht wartete sie noch auf eine ihrer Mitbewohnerinnen, welche übrigens auch den “Mord“ Schrei ausgerufen haben könnte. Es handelte sich um den grauenvollsten Anblick, der einen Menschen erwarten kann aber vor allem auch schockieren wird. Ein früherer Entdecker(in) als McCarthy hätte unfähig gewesen sein können, überhaupt irgendeine Anstalt zu machen um Alarm zu schlagen. Derjenige hätte ebenfalls, wegen der verschlossenen Tür, das gleich durch´s Fenster wie McCarthy gesehen haben können. Kelly hätte aber auch vergessen haben können, die Tür zu verriegeln, weil sie leicht angerauscht gewesen war.

Ich weiß nicht, wie der Täter sich Kelly dann näherte, wie sie ursprünglich im Bett lag. Es war keine Unordnung zu entdecken, keine Kampfhandlungen nachzuvollziehen. Er sollte aber wieder recht schnell und leise getötet haben, so wie immer. Und dann war er in der Situation, von der er träumte. Mit einem toten Opfer ganz allein und ohne zu erwartende Störung. Das Fenster mit einem Mantel zu gehangen, das Schloss von innen verriegelt, etwas Licht durch den Kamin erzeugt, was sollte passieren? Das er vor dem Verlassen des Raumes bemerkt haben könnte, dass er von außen durch´s Fenster die Tür wieder verriegeln kann, warum sollte das dann genau so auch nicht passiert sein? Er hätte dann zum ersten Mal ein Opfer auch “versteckt“, um die Entdeckung der Leiche hinauszuzögern. Steht die Polizei am nächsten Tag irgendwann vor seiner Türe, was hätten diese dann tun können? Der Täter hatte sich bis dahin grundgesäubert. Von möglichen Bluthunden usw. hätte er ja nicht unbedingt was wissen müssen.

Jack the Ripper hatte möglicherweise in jener Nacht bereits an 10 Türen diverser Locations gerüttelt die jedoch alle verschlossen blieben. Kelly ihre Tür war unglücklicherweise, warum auch immer, unverschlossen. Vielleicht ließ sie die Tür bewusst für eine Schlaffreundin offen, wer weiß das schon? Ich denke aber nicht, dass sie noch viel realisieren konnte. Als der Täter ging, griff er durch´s Fenster und verschloss die Tür. Keiner kam doch nach der Entdeckung auf die Idee, durch das Fenster zu fassen. Keiner der Anwohner rief “Greift durch´s Fenster“. Sie brachen die Tür letztendlich, nach einigem hin.- und her, auf. Von innen war dieser Möglichkeit mit dem Fenster eher zu erkennen als von außen, dass sollte man den Beamten zu Gute halten. Hier hatte der Ripper einen deutlichen Vorteil gehabt.

Gruß, Lestrade.
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Stordfield

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Re: Daniel Barnett
« Antwort #2 am: 05.01.2013 19:30 Uhr »
Hallo Lestrade!

Es gibt ja auch die Story, dass jemand nach Kelly´s Beisetzung an ihr Grab ging und darauf spuckte.

Ist zwar etwas vom eigentlichen Thema entfernt, aber was für eine Geschichte ist das?

Gruß Stordfield

Offline Lestrade

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Re: Daniel Barnett
« Antwort #3 am: 05.01.2013 19:53 Uhr »
Hi!

Du, ich meine es in einem Jack the Ripper Buch gelesen zu haben. Sicher bin ich mir nicht. Stand dann sicherlich in der Abteilung "Mythen, Stories und anderes". Das übliche:

Eine ältere Frau erzählte was ihre Mutter als junge Frau bei/kurz nach der Beerdigung von Kelly erlebt hatte (so ähnlich wie bei Mrs. Cox und ihrer Nichte). Sollte sich dabei um einen Barnett gehandelt haben, eher Joseph als Daniel oder Denis, der dabei beobachtet wurde. Mehr weiß ich gerade auch nicht.

Wenn ich daran denke, schaue ich dieser Tage mal nach, muss vorher mal überlegen, wo genau ich das herhabe.

Einen schönen Abend,

Lestrade.
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Offline Lestrade

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Re: Daniel Barnett
« Antwort #4 am: 05.01.2013 22:55 Uhr »
Bin doch noch im Netz fündig geworden. Ich denke, ich habe das mal bei Cullen oder Farson gelesen.

Ich setze es hier mal kopiert und zitiert rein:

“Richard Nunweek
3 11 2008

The episode came to light after a Associated Redifussion programme aired in 1959, which went under the heading 'Farsons guide to the British' concentrated two of its episodes on 'Jack the Ripper'.
After one of these, the late Dan Farson the presenter asked for members of the public to write in, if they believed they could help solve this fascinating victorian mystery, and as you can imagine, many people took him up on the offer, several sack fulls in fact.
One of these letters caught Farsons eye, and it came from a elderly lady who said her mother [ long dead] had told her that when she was a teenager , her and a friend were visiting a friends grave in Leytonstone cemetary , and during their visit, the funeral of Mary Jane Kelly aka Davis took place.
After the service had finished the girls noticed one of the mourners a man stayed behind , and when he considered that he was alone, parted the boards that then covered the grave with his feet, and spat several times in the hole apparently on the coffin.
Farsons informant then proceeded to say that her mother and her friend were so afraid by such a episode , that they decided to say nothing for fear of of the man seeking them out.
Farson and the TV company were considering doing a programme discussing that alleged event, but apparently that letter went missing along with a lot of others [careless secretary] and that idea was shelved.
Most of Casebook call this pure second hand rubbish, just plain oral history, however I do not.
To put all the case in one post is a long job, however remember this.
According to a sketch made at the graveside depicting the service, eight people were present, six women, and two men.
This was accurate, as that was the official mourning party that left Whitechapel in two coaches.
We know Joseph Barnett was one of the men, but the other is not identified , the sketch does not show a priest in his attire so one can assume that the other male was a close friend or relative.
So in a nutshell if the alleged grave spitting took place, and was carried out by a male... who would be chief suspect?
Was the spitting a token of love, that some have concluded, or pure hate?
Best Regards
Richard.“

“Grave-Spitting & Other Tall Tales
By Don Souden
This article originally appeared in Ripper Notes. October 2005

...
...The spitting image
Finally, onto the ever popular story that Joe Barnett spit into Mary Jane Kelly's open grave, and by so doing unwittingly confessed to her murder. Unlike the tales that were already discussed, this one only has an after-the-fact contemporary source, but it is often discussed on the Casebook: Jack the Ripper message boards.(Note 5) While the story may sound silly to many readers, a closer examination is well worth the effort.
The story begins with a series of British television programs in 1959 hosted by Daniel Farson. The episodes of November 5 and 12 were devoted to Jack the Ripper, and during them Farson became the first to mention publicly the Macnaghten memoranda and reveal the initials of Montague John Druitt, the "drowned doctor" in the document. As part of the program, Farson also asked members of the viewing audience to send him any old information they might have on Jack the Ripper, and this resulted in at least one interesting reply.
An elderly woman passed on a story she said her mother had told her shortly before her death. The mother, then a young woman, said she had been in the cemetery with a friend when Mary Jane Kelly was being laid to rest and that they furtively watched the proceedings. Then, the story goes, after the service was finished one man (supposedly Barnett) remained behind, whereupon he parted the boards covering the open grave and spat into that hole. This is a relatively simple story without any seeming embellishments, but even so the question remains: Was it true? And if it were, what does it mean?
This account of alleged grave-spitting is an example of anecdotal oral history, the bane of researchers everywhere. The sad truth is that "many-told" tales get more rococo with every retelling. That doesn't mean that the people telling the tales are liars or even consciously changing details - it just happens. Old athletes often joke about the way their youthful moments of glory get ever more grand and glorious as they get older, and the same is true for everyone in any endeavor - even stories elderly mothers tell their daughters.
Still, this story is fairly straightforward so let us be charitable and accept everything said as being an accurate rendering of the events. (Though if the tale were true I would suspect that the young women involved were not there by chance but had come purposely to spy on the Kelly service.) That said, however, the timing seems a little off because boards are usually placed over an open grave to prevent someone from falling in. They are removed just before the service, the casket lowered, and after the mourners have left the cemetery work crew will fill in the hole. Thus, the parting of the boards by Barnett seems unnecessary, or an embellishment to the story wrought by time.
Again, though, let us be fair and posit that the workmen had other more pressing duties somewhere and hastily replaced the boards with the intention of filling the grave later. And so perhaps it actually was Joe Barnett (though there isn't a particle of proof it was him) who parted the planks and spat into the grave - or did something. Maybe Barnett, if it were him, was literally choked up with grief so that what looked like angry spitting was the involuntary result of tears and sobs. Or, since some modern authors allege that Barnett stuttered,(Note 6) and if it were him, what seemed like spitting was only a manifestation of this supposed speech impediment that confused those watching from afar. And perhaps, if it were Barnett, he really did rail against Mary Jane Kelly (after all, she had led him a merry dance), and did spit with what he wished were real venom upon her casket. And if so, so what?
That last question, of course, is the real problem with trying to make too much of the grave-spitting story. Even if it all happened the way it was described to Farson, it doesn't constitute a lick of proof that Joe Barnett had anything to do with the murder of Mary Jane Kelly.
And what applies to this one story also does to the others we have considered. Even were they all true that doesn't mean they are capable of supporting the further "truths" some theorists try to wring from their retelling. Sadly, there are a lot more such myth-like stories out there, and what we do know as solid fact could probably be engraved on that pinhead with a jack-hammer.”

Es gibt darüber auch noch eine Zeichnung:

“Leanne Perry
February 04, 2004
Here's a sketch taken at Mary Jane Kelly's funeral, showing six women, Joseph Barnett and the father Columban. It appears in Bruce Paley's book 'Jack the Ripper, The Simple Truth':”
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Stordfield

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Re: Daniel Barnett
« Antwort #5 am: 05.01.2013 23:56 Uhr »
 :SM023:

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Re: Daniel Barnett
« Antwort #6 am: 06.01.2013 11:11 Uhr »
Hallo Stordfield!

Folgendes:

East London Advertiser
Saturday, 17 November 1888.

A WOMAN'S STATEMENT.

A woman named Kennedy however, states about 3 o'clock in the morning she entered Dorset-street on her way to her parents' house, which is situated immediately opposite that in which the murder was committed. She noticed three persons at the corner of the street near the Britannia public-house. There was a young man, respectably dressed, and with a dark moustache, talking to a woman whom she did not know, and also a woman poorly clad, without any headgear. The man and woman appeared the be the worst for liquor, and she heard the man ask, "Are you coming?" Whereupon the woman appeared to be obstinate, and turned in an opposite direction to which the man apparently wished to go. Mrs. Kennedy went on her way and nothing unusual occurred until about half-an-hour later. She did not retire immediately she reached her parents' house and between half-past 3 and a quarter to 4 she heard a cry of "Murder" in a woman's voice, proceed from the direction in which Mary Kelly's room was situated. As the cry was not repeated she took no further notice of the circumstance.

Evening News
London, U.K.
10 November 1888

THE HOUSE AND ITS INHABITANTS
The actual scene of the murder is Miller's court, Dorset street - though the locality if known to residents in the neighbourhood as McCarthy's court. This is owing to the fact that a man named McCarthy is the chief owner or occupier of the houses there. Information has come to hand which tends to throw a strong light on the much disputed point as to when the tragedy was actually perpetrated. Immediately opposite the house in which Mary Jane Kelly was murdered is a tenement occupied by an Irishman, named Gallagher, and his family. On Thursday night Gallagher and his wife retired to rest at a fairly early hour. Their married daughter, a woman named Mrs. Kennedy, came home, however, at a late hour. Passing the Britannia, commonly known as Ringer's, at the top of Dorset street, at three o'clock on the Friday morning, she saw the deceased talking to a respectably dressed man, whom she identified as having accosted her a night or two before.
THE CRY OF "MURDER"
She passed them without taking any notice, and went home to bed. Between half past three and four o'clock in the morning Mrs. Kennedy, who passed a very restless night, heard a cry of "Murder" that seemed to come from the opposite side of the court, but according to her, she little thought of the awful tragedy that was then being enacted. She went to sleep, and it was not until eleven o'clock in the morning that she heard of the murder. So far as can be ascertained, Mrs. Kennedy is the only person who heard the cry of "Murder" that came from the unfortunate woman. In connection with Mrs. Kennedy, it may be mentioned that she and her sister, a widow, were, on Wednesday night last, accosted by a man when they were walking down the Bethnal Green road. It was about eight o'clock when this occurred.
THE MAN WITH THE BLACK BAG
The man is described by Mrs. Kennedy as having on a pair of dark mixture trousers and a long dark overcoat. He wore a low crowned brown hat and carried a shiny black bag in his hand. Further, it was stated that he was a man of medium stature, with dark moustache, and that he had an extremely awkward gait, which could at once be recognised. The stranger refused to stand Mrs. Kennedy and her sister a drink, but invited them to go with him down a dark sideway off the main road. They accompanied him as far as a gateway with a small door in it, but when he stepped through and left his bag on the ground, saying he would take either of them with him, a feeling of distrust seized the women. Mrs. Kennedy picked up the bag, whereupon the stranger exclaimed that he was not Jack the Ripper. Just then the woman noticed the unnatural glare of the man's eyes, and instinctively fled from the spot leaving him behind. They subsequently ascertained that the same man accosted other women the same night. Mrs. Kennedy is confident that the man whom she noticed speaking to the woman Kelly at three o'clock on Friday morning is identical with the person who accosted her on the previous Wednesday. Both she and her sister are most positive in their assertion that they could at once identify the man if they saw him. This evidence as to the cry of "Murder" is extremely important in view of the fact that a number of witnesses have come forward and stated that they saw the deceased woman Kelly as late as ten o'clock on the morning that the murder occurred. The entrance to Miller's court is guarded by constables night and day, and the public are rigidly excluded. It was at first erroneously stated that the body was found on a bed in the second floor front room. In reality the remains were found on the ground floor, and the windows have since been barricaded by the police. The body was in the course of yesterday removed to the Shoreditch Mortuary. It is currently reported that in the course of yesterday afternoon and evening a large number of arrests were made the police, but that in each case it was found necessary to discharge the prisoners through lack of sufficient evidence as to identity.

Gab es tatsächlich noch eine dritte Person, eine dritte Frau, die neben Elizabeth Prater und Sarah Lewis einen Schrei um ca. 04.00 Uhr hörte? Eine Mrs. Kennedy?

Der erste Pressebericht lässt dies stark vermuten. Der zweite Bericht zeigt die Möglichkeit auf, dass die Erfahrungen von Mrs. Kennedy mit denen von Sarah Lewis vermischt wurden. Oder wurde die Beobachtung von Sarah Lewis einfach neu erfunden und durch eine Mrs. Kennedy ersetzt?

Wenn es Mrs. Kennedy tatsächlich gegeben haben sollte, dann sah sie Kelly noch um ca. 3 Uhr. Astrakhan Man muss also nicht ihr letzter Besucher gewesen sein.

Beste Grüße,

Lestrade.
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Stordfield

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Re: Daniel Barnett
« Antwort #7 am: 17.01.2013 12:15 Uhr »
Interessante Sache, Lestrade. Im casebook klingt es an, als hätte Sarah Lewis den Beamten gegenüber nur ihre beiden Vornamen genannt (Sarah Louise) und bekam durch die Unaufmerksamkeit eines PC einen ganz neuen Namen. Könnte schon sein, dass damals noch mehr durcheinander gebracht wurde.
Bemerkenswert finde ich, dass diese ominöse Mrs. Kennedy einen Mann beschreibt, der einen merkwürdigen, sofort wiedererkennbaren Gang hatte. Ist soetwas in der Barnett- Familie bekannt?

Gruß Stordfield

Offline Lestrade

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Re: Daniel Barnett
« Antwort #8 am: 17.01.2013 14:51 Uhr »
Sarah Louise finde ich gut Stordfield. Unterstreicht dann eher die Konfusions-Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit. Lewis dann eher mit Mrs. Kennedy als ein- und dieselbe Person betrachtbar. Ich danke Dir für diesen Hinweis.

Die “Shiny Black Bag Story“ treffen wir, die sich für die Jack the Ripper Ereignisse interessieren, hin- und wieder an.  Gut passen würde als ein Träger Wolf Levisohn, der als Handelsvertreter (ich glaube im Friseurgeschäft) tätig war und der nach Kelly im November 1888 in Verdacht geriet, Jack the Ripper zu sein. Später sagte er sogar im Klosowski alias Chapman Prozess aus. Da schob er die Ripper- Morde allerdings auf einen anderen Friseurhelfer. Er wurde/wird quasi als Komplize für Jack the Ripper (Koslowski) angesehen.

Shiny Black Bag: Siehe auch Mrs. Paumier/Sarah Roney und Albert Bachert, aber auch Fanny Mortimer, die in der Berner Street Leon Goldstein mit seiner “Shiny Black Bag“ gesehen hatte.

Ich denke, wir würden in jeder Straße, nicht nur im EastEnd, Männer mit Taschen finden, die ihren Kunden bzw. Kundinnen dramatische und mit Verkaufsmaschen, wie sie vor allem geborene Schauspieler beherrschen, Schnäppchen- Angebote machen und seien es nur Original Französische Haarspangen oder Edle Kämme für junge Damen in ihrer Blütezeit gewesen.  

Keine Ahnung wie die Barnett Jungens so gingen. Zumindest im Moment wüsste ich nichts.

Gruß, Lestrade.
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Re: Daniel Barnett
« Antwort #9 am: 17.01.2013 15:06 Uhr »
Wenn die Barnett- Brüder allerdings diese Bewegungen drauf hatten, wie dieser Fish- Porter Kollege im folgenden Link, könnte dies aber wirklich einen bleibenden Eindruck bei eventuellen Zeugen hinterlassen haben.  :yahoo:

http://www.youtube.com/watch?v=C_Ghr5_MTvo
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Re: Daniel Barnett
« Antwort #10 am: 18.01.2013 18:57 Uhr »
Also ich konnte jetzt nichts weiter zur Gangart finden. Bleibt nur der bekannte Sprachfehler, den Joseph Barnett vor Gericht gezeigt haben sollte. Echolalie oder bloßes Stottern. Thomas u.a., hat dies in seinem Buch "Jack the Ripper- Anatomie einer Legende" erwähnt. Kann man also nochmals nachschlagen.
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Stordfield

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Re: Daniel Barnett
« Antwort #11 am: 18.01.2013 19:20 Uhr »
Hallo!

Ja, die Sache mit dem Sprachfehler ist bekannt. Deshalb dachte ich auch, dass dies nicht die einzige Behinderung in der Familie sein könnte. Vielleicht humpelt Daniel ja, oder man gewöhnt sich auf dem Fischmarkt tatsächlich einen typischen Gang an (wenn auch nicht so einen wie Dein Arbeiter im Video, Lestrade), weil man die Lasten immer einseitig schleppt. Ich hatte den Gedanken, dass Daniel eventuell von jemandem gesehen wurde, wenn er sich schon mit Mary traf.

Gruß Stordfield

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Re: Daniel Barnett
« Antwort #12 am: 18.01.2013 19:43 Uhr »
Hi Stordfield!

Gut möglich, dass Daniel Barnett so der so gesehen wurde. Ich rechne eigentlich sogar fest damit.

Ich kenne einige Fotos von Fischträgern, mein Eindruck ist der, dass man dafür schon "normal" laufen müsste, um diese Tätigkeit auszuführen. Aber man muss natürlich beachten, dass Menschen bestimmte Handicaps sehr gut kompensieren können.

Das Video habe ich auch mehr oder weniger deshalb gepostet, weil es auf dem Billingsgate Fish Market spielt, dem Arbeitsplatz der Barnett- Familie.

Alles in allem, ich finde die Barnetts sehr interessant. Man sollte allerdings nicht vergessen, auch heute noch (natürlich) landen Leute mit solch einem Hintergrund in solchen Berufen. Und wer wird oder ist davon schon kriminell? Welchen Beruf sollen sie auch sonst ergreifen? Hochschulprofessor sicherlich nicht.

Grüße, Lestrade.
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Re: Daniel Barnett
« Antwort #13 am: 12.03.2013 13:31 Uhr »
Hallo Stordfield!

Hier gibt es ein paar aktuelle Bilder vom Grab Mary Jane Kellys:

http://forum.casebook.org/showthread.php?p=255946#post255946

Grüße, Lestrade.



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Andromeda1933

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Re: Daniel Barnett
« Antwort #14 am: 12.03.2013 16:25 Uhr »
Hallo!
Der Grabstein auf dem Foto von 1996 sah ganz anders aus, und auch der war nicht das Original. Ob zwischenzeitlich die Steine mal gestohlen oder demoliert wurden? Das soll mit dem Grabstein von John Dillinger mindestens 5x passiert sein, dass er entweder komplett entfernt wurde oder dass „Fans“ Stücke davon ausbrachen. Wäre interessant zu wissen, ob Kelly sofort einen Stein gesetzt bekam oder wann das erste Mal. 2003 sah er dann so aus wie jetzt.

Im „Casebook“ fand ich dies hier in einen Artikel:

In 1988, while searching through some old disused headstones from the early 1890s, John Sears, who is himself a skilled stonemason, came across one which was crowned with a Celtic Cross. The former inscription on the stone was unreadable, but in an act of kindness and pity John cleaned it and having done so, he carved the following Inscription on the restored blank headstone:
MARIE JEANETTE KELLY Aged 25
"The Prima Donna of Spitalfields"
and last-known victim of Jack the Ripper.
Died Fri 9th Nov. 1888.
When he had done this, John placed it on the now accepted site of Mary Jane's grave, but within just a few hours, the headstone was kicked at and the narrow stem of the Celtic Cross was broken. In sadness, John removed the broken headstone from the grave.
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