Autor Thema: Joseph Isaacs  (Gelesen 5603 mal)

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Mort

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Joseph Isaacs
« am: 30.08.2010 16:47 Uhr »
Hallo alle zusammen!
Nach längerer Abstinenz lasse ich mich mal wieder hier blicken. Mein Interesse an JTR ist nach wie vor präsent. Es gibt hier nach wie vor immer interessante Dinge zu lesen
und oft weiss ich ehrlich gesagt auch nicht was ich schreiben soll, da ich manchmal tausende Ideen habe von denen sich dann aber manche durch ein bißchen stöbern auch wieder von selbst beantworten was all den tüchtigen Forumsschreibern zu verdanken ist.

Ich habe ein wenig nach den sagen wir mal uns typisch bekannten verdächtigen jüdischen Nachnamen geforscht in deren Familien es mitunter auch nicht ganz natürliche Todesursachen gab. Und ich muss sagen es ist wiklich ein Labyrinth wenn man es nur mal auf die Levys, Hyams oder Isaacs bezieht. Nichts desto trotz möchte ich euch mal jemanden vorstellen:
Es ist nicht der 1858 geborene Joseph Isaacs welcher hier schon mal Erwähnung fand sondern sein Namenszwilling:

Joseph Isaacs, geboren 1862. Seine Eltern waren Samuel Isaacs von Beruf Clothier, geboren 1825 in London und Frances (Fanny) Nathan, geboren 1830 in Whitechapel, von Beruf Waistcoat Maker. Sie starb am 27.10.1901, 46 Ely Terrace, Mile End. Todesursache: Altersschwäche, Bronchitis.
Ihre Mutter Esther, 1799 in Spitalfield geboren starb 1870 in London. Sie war mit einem Philip Nathan verheiratet welcher 1785 in Amsterdam geboren wurde und von Beruf Händler war.

Die Oma von Joseph Isaacs war 1790 in London geboren und starb am 10.01.1850 in Whitechapel an Irrsein.b]
Diese war mit einem Mordecai Isaacs verheiratet, geboren 1785 in Whitechapel und von Beruf allgemeiner Händler. Er starb am 07.11.1854 an Anasarka. (Ein nicht entzündlcihes Ödem der Unterhaut). (Physische Abnormität??)

Die Geschwister dieses Joseph Isaacs waren:
-Abraham Isaacs, 27.12.1847, Whitechapel, Cigar Maker
-Philip Isaacs, 1849, Whitechapel, Ciga Maker
-Rebecca Isaacs, Juni 1851, Umbrella Maker
-Leah Isaacs, 20.5.1855, Whitechapel
-Esther Isaacs, September 1856, Whitechapel
-Lazarus Isaacs, October 1857, Whitechapel
-Amelia Isaacs, Sept. 1858, Whitechapel
-Mark Isaacs, Juni 1860, Cigar Maker
-Sophia Isaacs, 14.05.1868, 40, Goulston Street, bis 1911 Cigar Maker, starb am 23.Juli 1943, Mile End Hospital an Blasen und Gebärmutterkrebs.
-Frances Isaacs
-Elliza Isaacs, 1858, bis 1871 Umbrella Maker.

So das wars erstmal. Die Familie muss also einmal in der Goulston Street gewohnt haben wenn nicht dauerhaft. Auf jeden Fall hat seine Schwester einmal da gelebt. Ich will mich ja nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber meine Gedanken gehen da in die Nacht des Double Events usw.

Grüsse

Mort
 :icon_wink:
« Letzte Änderung: 30.08.2010 17:21 Uhr von Mort »

Stordfield

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Re: Joseph Isaacs
« Antwort #1 am: 30.08.2010 17:59 Uhr »
Hallo Mort!

Danke für die tolle Auflistung.
Mir ist aufgefallen, dass es bei den ganzen Isaacs eine Menge Zigarrenmacher gab. Wußtet ihr, dass man in diesem Beruf mit sehr scharfen Messern arbeitete und ein Arbeitsgang "rippen" genannt wurde? Auch kann man Tabaks- und Blutflecken schwerlich unterscheiden. Aber das nur mal so nebenbei.

Gruß Stordfield

Offline Lestrade

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Re: Joseph Isaacs
« Antwort #2 am: 31.08.2010 09:40 Uhr »
Schöne Recherche Morti!

Wo du schon mal bei bist, ich würde dir gerne 2-3 Namen zum Nachverfolgen überlassen. Sie klingen spannend. Signalisiere mir bitte dein Interesse.

@Stordfield:

Guter Hinweis zum Messer. Momentan favorisiere ich ein classic Slicing Knife. Lang und für Gesichtsverstümmelungen sehr ungeeignet, will ich meinen. Ich vermute, das er es irgendwann als längliches Paket verpackte. Extrem scharf und gefährlich am Mann zu tragen. So hätte er auch das Risiko irgendwann umgehen können, es an ihm zu entdecken. Früher als von ihm gewünscht. Sollte ihm nämlich passiert sein.

Lestrade.
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Mort

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Re: Joseph Isaacs
« Antwort #3 am: 02.09.2010 18:51 Uhr »
Habe noch mal nachgesehen. 1871 war er lt. diesem Census in der 20, Petticoat Square, Aldgate gemeldet. 1881 in der 16, Boyd Street, St. George in East. Dann verliert sich seine Spur. Einige seiner Geschwister sind 1891 in St. Boltoph, Aldgate gelistet. Naja, man kann ihn ja mal im Hinterkopf behalten.
« Letzte Änderung: 02.09.2010 20:21 Uhr von Mort »

Offline Lestrade

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Re: Joseph Isaacs
« Antwort #4 am: 26.05.2013 12:25 Uhr »
Auf JtRForums liegt man gerade in der Diskussion mit Joseph Isaacs:

http://www.jtrforums.com/showthread.php?t=18509

Joseph Isaacs und Astrachan- Man könnten ein- und dieselbe Person gewesen sein. Diese Überlegung hatte ich auch schon einmal, wobei ich mich frage, ob ein krimineller Zeuge so aufgetreten wäre, wie der jüdische Zeuge im Seaside Home.

“Inspector Abberline took Isaacs to Leman Street in a `strongly escorted´cab (Morning Advertiser, 7 December 1888) and Abberline was reportedly overheard to say to a subordinate, “Keep this quiet- we have got the right man at last. This is a big thing!”

Joseph Isaacs befand sich zur Zeit des Kelly Mordes in der 6 Little Paternoster Row, Dorset Street (eine mögliche Wasserstelle Andromeda!) und war ein kleinkrimineller Mann.
 
Klingt dennoch spannend.
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Andromeda1933

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Re: Joseph Isaacs
« Antwort #5 am: 26.05.2013 17:02 Uhr »
Verdammt, immer wenn man glaubt man könnte den Wasserhahn zudrehen (symbolisch gesprochen), taucht eine neue „Fährte“ auf! Das ist ja das so interessante an den Whitechapel-Morden.

Offline Lestrade

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Re: Joseph Isaacs
« Antwort #6 am: 26.05.2013 18:00 Uhr »
Hallo Don Camillo!

Ich zitiere mich mal wieder (zum Teil) selber:

Joseph Isaacs, 30jähriger polnischer Jude wurde an der Drury Lane von Detective Sergeant Record, H Division festgenommen. Record wurde später bei den Mordfällen Alice Mackenzie und Frances Coles stark eingebunden. Er war als MET Beamter tief im Gebiet (Drury Lane) der City Police unterwegs.

Times (London)
7 December 1888

“THE WHITECHAPEL MURDERS
A news agency states that the police yesterday made a singular arrest, which was reported to be in connexion with the Whitechapel murders. It appears that during the afternoon a man, described as a Polish Jew, was arrested near Drury Lane, but for what offence is not exactly clear. The man, who is of short stature, with a black moustache, was taken to the Bow street Police station, where he was detained for a time. In the meantime a telegraphic communication was forwarded to Leman street Police Station, which is the headquarters of the Whitechapel division, requesting the attendance of one of the inspectors. Detective Inspector Aberline immediately proceeded to Bow street, and subsequently brought away the prisoner in a cab, which was strongly escorted. The man, who is well known to the local force of police and detectives, is stated to have been absent from the neighbourhood of Whitechapel lately.”

Abberline: “Keep this quiet- we have got the right man at last. This is a big thing!”


Aaron Davis Cohen, ein weiterer polnischer Jude, wurde kurze später des Tages, am 07.Dezember 1888, vom PC J. Patrick 91H aufgegriffen. Er könnte noch die Zelle mit Joseph Isaacs geteilt haben. Der Name wurde dann in David Cohen geändert.

Am 28 Dezember 1888, also 3 Wochen nach dem Vorfällen mit Joseph Isaacs und David Cohen, wird ein Mann verhaftet (PC 177A Wraight), welcher der Beschreibung von Hutchinson´s Astrakhan- Mann entspricht, der 20jährige Joseph Denny. Die Beschreibung von Hutchinson war ja “jüdisch“, “fremdländisch“.

Joseph Isaacs:

...born in 1858 was a 30 year old Polish Jewish cigar maker. Isaacs was described as short in stature, with a black moustache, wearing an Astrakhan trimmed coat and appeared to fit the suspect described by George Hutchinson.

Joseph Denny:

He was described as 20 years of age, 5ft 6" tall, with a fair complexion, slight moustache and very curly hair.

David Cohen:

Description: Brown hair, brown eyes, brown-bearded or unshaven

Denny hatte wohl ein Alibi und lebte etwas außerhalb:

His address was given as 64 Myddelton Square, Clerkenwell. Denny was able to prove he was elsewhere at the time of the Whitechapel murders and was released.

Er sollte also nicht der Mann gewesen sein, den Cox von der City Police observierte:

“The man we suspected was about five feet six inches in height, with short, black, curly hair, and he had a habit of taking late walks abroad. He occupied several shops in the East End, but from time to time he became insane, and was forced to spend a portion of his time in an asylum in Surrey.”

In meinen Augen hatte die Polizei Interesse an einen Mann, mit dunklen curly hair und jüdischer Abstammung, ca. 1,68m groß. Da gab es Joseph Denny und den Verdächtigen von Cox. Inwieweit Isaacs genauso aussah oder nur der Beschreibung von Astrachan- Man entsprach, weiß ich nicht. Entweder waren alle eine gesuchte Person oder aber es handelte sich einmal um einen Verdächtigen und einmal um einen Zeugen. Dieser Theorie bin ich hier schon einmal nachgegangen.

curly hair hätte eine ganz wichtige Beobachtung von Zeugen gewesen sein können, die nicht veröffentlicht wurde.

Astrachan- Mann (34-35 Jahre) war etwas älter und passt wohl eher auf Joseph Isaacs (30)

Joseph Denny (20 Jahre) war bedeutend jünger und passt eher zu David Cohen oder Aaron Kozminski (beide 23)

Bei Cox könnte es sich, meiner Ansicht nach, um Aaron Kozminski gehandelt haben. Dann sah Kozminski so aus, wie von Cox beschrieben und auch so, wie eben jener Joseph Denny.

Sollten wir eines Tages ein Foto von Aaron Kozminski vor uns haben, denke ich, werden wir einen 1,68m großen Mann mit lockigen Haaren erkennen.

Aber soweit will ich jetzt gar nicht gehen. Jeder soll sich, wie immer, eine eigene Meinung zu den Angaben machen.
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Offline Stordfield

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Re: Joseph Isaacs
« Antwort #7 am: 19.01.2016 21:58 Uhr »
Früher als von ihm gewünscht. Sollte ihm nämlich passiert sein.

Lestrade.

Was genau meinst Du damit , Lestrade? Ich verstehe es nicht.

Gruß Stordfield

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Offline Lestrade

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Re: Joseph Isaacs
« Antwort #8 am: 20.01.2016 17:22 Uhr »
Früher als von ihm gewünscht. Sollte ihm nämlich passiert sein.

Lestrade.

Was genau meinst Du damit , Lestrade? Ich verstehe es nicht.

Gruß Stordfield

Hallo Stordfield!

Die Aussage ist bereits fünfeinhalb Jahre her und mittlerweile der Erfahrungsschatz wieder höher und bezüglich des Messers, gehe ich mittlerweile davon aus, dass er es schlicht und einfach "direkt am Mann trug". So viel dazu...

Du wirst dich vielleicht erinnern, dass ich stets der Meinung war, dass die Polizei bereits vor der Ermordung Kellys, den Ripper gegenübergesessen hat. Und zwar in der Zeit nach dem Double Event. Diese Ansicht bin ich heute mehr denn je und so denke ich nach wie vor, das die Polizei recht bald einen “überzeugenden Verdächtigen“ hatte, welchen man mit den bekannten und zur Verfügung stehenden Zeugen nicht überführen konnte. Damit meine ich die Zeit Herbst 1888/ Frühjahr 1889 und Schwartz als auch Lawende.

Ich bin irgendwie überzeugt, dass sofort nach der Ermordung von Kelly, diesem Verdächtigen ein Besuch durch die Polizei ins Haus gestanden hätte. Und dies wird auch geschehen sein, nur war er nicht da. Warum? Es gibt Anzeichen, dass die Polizei im Oktober eine ganz bestimmte Überwachung eines Verdächtigen hatte, die sie jedoch abgeblasen hatten, weil die Presse ihnen zu sehr, während der Ausübung dieser Tätigkeit, auf den Pelz rückte. Außerdem ging der Verdächtige nicht mehr aus dem Haus. Dennoch, warum trafen sie diesen Mann nicht an gewohnter Stelle nach dem Kelly Mord an? Ich habe eine Erklärung, natürlich nicht beweisbar, die besagt, dass dieser Verdächtige beim Verlassen des Miller´s Court nach der Ermordung Kellys gesehen wurde. Und dieser Zeuge, war der spätere Zeuge im Seaside Home. Der Verdächtige wusste, dass er einer der Hauptverdächtigen im Ripper Fall ist und wenn dieser Zeuge zur Polizei geht, dann würden sie ihn ohne Zweifel abholen und diesem Mann gegenüberstellen und er wäre erledigt. Deshalb denke ich, dass er sich in Whitechapel versteckte, vielleicht 2 Wochen lang, eher er wieder auffiel. Ca. 14 Tage nach der Ermordung Kellys, gab es einen Vorfall nahe der Brick Lane. Möglicherweise war es dieser Mann, vielleicht wurde er auch durch eigene Familienmitglieder aufgefunden, die sich um ihn sorgten. Aber nach dieser Zeit war sicherlich keine einzige Spur mehr an ihm zu finden und so wurde er, wieder einmal, in die Freiheit entlassen. Zu dieser Zeit, war der Miller´s Court Zeuge der Polizei nicht bekannt. Es lag vielleicht daran, dass diesem Zeugen überhaupt nicht bewusst war, was er dort beobachtet hatte. Ich halte es für möglich, dass dieser Zeuge vielleicht seine Beobachtung um 5.30 Uhr machte aber Kelly erst ca. vier Stunden später gefunden wurde. Vielleicht unterlag er einem Irrtum und ging davon aus, dass Kelly eben erst nach 10 Uhr getötet wurde. Vielleicht hat (2) Jahre später Kommissar Zufall geholfen und die Polizei fand diesen Mann. Es ist ja tatsächlich so, dass im Herbst 1890, die Polizei noch einmal aktiver wurde, um Beweise zu sammeln. Möglicherweise fanden sie dabei ihren Mann. Für den Verdächtigen war es sicherlich eine Tortur, zu wissen, dass da draußen jemand ist, der ihn zweifelsohne identifizieren kann und wird. Dies geschah tatsächlich aber das Ende der Geschichte (Seaside Home ID) wird dir durch und durch vertraut sein…

Es könnte also eine Zeit gegeben haben, kurz nach Kelly und nach dem Brick Lane Vorfall, wo die Polizei nicht wusste, wo ist der Mann? Sie befürchteten sicherlich weitere Taten durch ihn… ich denke, seine Familie brachte ihn weg, in eine Anstalt und vermutlich lag diese in Surrey, wie der Kriminalbeamte der City Police, Cox, einst angab. In jener Zeit hielt wahrscheinlich jeder Konstabler seine Augen besonders offen und so sollte es nicht verwundern, wenn dann Leute wie Aaron Davis (David) Cohen, Joseph Denny und Joseph Isaacs ins Visier der Polizei gerieten, weil sie der Beschreibung jenes Hauptverdächtigen, welcher nicht zu finden war, ähnlich sahen. Junge, jüdische Männer. Cox sprach von einem Mann mit curly hair und 5ft 6" in der Größe, den er lange observierte und dieser Beschreibung entsprach auch ein Joseph Denny. Es ist möglich, dass nach dem Brick Lane Vorfall dieser Hauptverdächtige enorme Hilfe erhielt und außer Reichweite gebracht wurde und alle Beteiligten und Institution gegenüber der Polizei zunächst schwiegen. Im Dezember 1888, dies ist bekannt, durchsuchte die Polizei sämtliche private Anstalten und wurde offenbar fündig. Als dieser Mann wieder entlassen wurde, wird der Beamte Cox mit seinem Team, die Observation übernommen haben.

Ich persönlich denke mittlerweile, dass dieser Verdächtige kurz nach dem Double Event von der Polizei aufgegriffen wurde. Es gab am 1/2 Oktober 1888 fünf Festnahmen. Drei Männer wurden auf die Leman Street Polizei Wache gebracht, zwei auf die Commercial Street Wache. Zwei, welche auf oder an der Commercial Road angehalten wurden, brachte man auf die Leman Street Wache, der dritte Mann auf der Leman Street könnte jener Mann gewesen sein, der dann zum Hauptverdächtigen wurde. Ihn sammelte man nicht weit vom Mitre Square Tatort (Eddowes) ein. Ich kann mir gut vorstellen, dass er dort vom “PC near Mitre Square“ eventuell als der Mann erkannt wurde, den er kurz vor dem Fund der Eddowes Leiche, mit eben jener Frau gesehen hatte (sich aber wohl nicht sicher war). Dieser Mann trug einen violetten Wollschal und es ist möglich, dass dieser violette Wollschal, dass rote Halstuch war, welches Lawende gesehen haben wollte (auch wenn er diesen Mann nicht identifizieren konnte). Dennoch hätte die Polizei einen Verdächtigen gehabt, den man aber möglicherweise nicht mit BS Man von Schwartz abgleichen konnte. Entweder war der VS Mann und der BS Mann nicht identisch oder aber, Schwartz erkannte ihn nicht wieder. Ist dem so, dann hatte die Polizei zwar einen Verdächtigen aber keinen brauchbaren Zeugen außer dem Konstabler vom Mitre Square (der nicht das Gesicht des Mannes gesehen hatte) und einen farbigen Schal, den Lawende gesehen haben wollte. Es ist jedoch gut möglich, dass der Zeuge Packer, Stride eben mit jenem Mann in dieser Nacht gesehen hatte, allerdings anderthalb Stunden vor ihrer Ermordung. Die Polizei bekam dies vielleicht auch einige Zeit später heraus (Packer behauptete ja, den Mann zu kennen). Dann wäre das natürlich für diesen Verdächtigen fatal gewesen, wenn er in ein und derselben Nacht, an zwei unterschiedlichen Tatorten, jeweils mit dem Opfer gesehen worden wäre. Da wusste die Polizei, dass dieser Mann irgendetwas mit diesem Morden zu tun haben muss. Eine Überführung war jedoch nicht möglich, weil dann Schwartz als auch Lawende gescheitert sein müssen.

Von den fünf Festnahmen, kamen zwei Männer auf die Commercial Street Wache. Einer von ihnen war Frank Raper, der andere wurde sofort wieder freigelassen. Von den beiden Männern, welche auf oder nahe der Commercial Road (nahe der Berner Street/Dutfields Yard) gefasst wurden, könnte einer, “Pipeman“ gewesen sein oder zumindest der Beschreibung durch Schwartz entsprochen haben. So könnte dieser Pipeman aber etwas ganz anderes als Schwartz berichtet haben… anderes über die Uhrzeit, über die Frau und über BS Man… auch wenn die Beschreibungen von Schwartz und Lawende sich ähneln, ich würde nicht darauf wetten, dass beide ein und denselben Mann gesehen haben…

 Star, 2 October 1888:

“In the matter of the Hungarian who said he saw a struggle between a man and a woman in the passage where the Stride body was afterwards found, the Leman-street police have reason to doubt the truth of the story. They arrested one man on the description thus obtained, and a second on that furnished from another source, but they are not likely to act further on the same information without additional facts. If every man should be arrested who was known to have been seen in company with an abandoned woman in that locality on last Saturday night, the police-stations would not hold them.”

Sie ermittelten also einen Mann, der zu einer der Beschreibungen von Schwartz passte und einen anderen, wo es eine andere Quelle gab. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie eine Art Pipeman fanden und der andere Mann, der der spätere Hauptverdächtige wurde, dessen Quelle der PC vom Mitre Square und/oder Lawende war aber nicht von Schwartz identifiziert werden konnten.

Alles in allem, wäre das eine fatale Situation für die Ermittler gewesen, die ahnten, dass dieser Verdächtige an den Tatorten war aber man sonst nichts in der Hand hatte. Sollte die blutige Wäsche aus der Batty Street, gefunden im Oktober 1888, auch noch diesem Mann oder dessen Familie zugeordnet worden sein, dann wäre dies echt der Hammer gewesen. Sie hatten Jack the Ripper vor sich, konnten aber nichts tun.

Zum Ende letzten Jahres hatte ich bzw. wir im Casebook noch eine interessante Diskussion mit Pat Marshall. Der Beamte Cox war einst ihr Ururonkel oder so. Sie hatte Berichte, dass die Polizei im Oktober 1888 eine Observation in einem East End Krankenhaus ausführte und ich denke, dass es sich um jenen Mann mit dem farbigen Halstuch handelte, der Hilfe benötigte und der, nach seiner Entlassung aus dieser Einrichtung, noch kurz an seinem Wohnort überwacht wurde. Es gab das Whitechapel Armenhaus mit Krankenstation und das Mile End Road Krankenhaus. Ich konnte da aber nichts Relevantes finden. Was ich aber fand, war noch ein spanisches/portugiesisches jüdisches Heim auf der Mile End Road sowie ein jüdisches Arbeitshaus, welches später ein Krankenhaus wurde, ebenfalls an der Mile End Road, Stepney Green. Spannend ist, dass diese Einrichtung in Stepney Green Verbindungen nach Surrey hatte und später dort auch mit einer Einrichtung kollaborierte. Erinnern wir uns, Cox sagte, dieser Verdächtige verbrachte eine ordentliche Zeit in einer Anstalt in Surrey. Es würde mich nicht wundern, wenn jenes East End Krankenhaus in Stepney Green, jenes war, in welchem dieser “Schalverdächtige“ im Oktober 1888 als auch im November 1888 kurze Zeit verbrachte. Im November könnte er dann, nach dem Brick Lane Vorfall, von dort aus nach Surrey gebracht worden sein, bevor ihn die Polizei schließlich dort fand. Bei diesem Vorfall spielte ein Matilda eine Rolle. Komischerweise im genau gleichen Alter wie die Schwester eines gewissen Hauptverdächtigen…

So, nun hatte dieser Hauptverdächtige, “Kosminski“, tatsächlich einst, Anfang der 1880er Jahre, wohl mit seinem Bruder direkt neben dem Dutfields Yard gelebt. Zur Zeit der Morde, lebte dieser Bruder immer noch in dieser Gegend, in der Providence Street, eine kleine Nebenstraße der Berner Street, wo man beim Verlassen direkt vor dem Tatort Dutfields Yard stand. Glaubt man den Angaben, dann hat dieser Mann an verschiedenen Orten im East End “zu tun gehabt“. Eine Möglichkeit wäre dabei die Butchers Row, welche der Kollege von Cox, Sagar, erwähnte. Diese Row lag nahe am Tatort Mitre Square. Es ist möglich, dass die Familienangehörigen nach dem Double Event der Furcht ausgeliefert wurden, ihr eigenes Familienglied könnte etwas mit dieser Mordserie zu tun haben. Vielleicht realisierten sie, dass die bisherigen Morde (Smith, Tabram, Nichols, Chapman), nördlich der Whitechapel Hauptstraße, in unmittelbarer Nähe des Wohn- und Arbeitsortes dieses Angehörigen lagen und gedacht haben, ihm sei die Luft da zu dünn geworden und es zog ihn in die südlichere Richtung, nahe seines Bruders. Gleiches könnte die Polizei gedacht haben.

Bei alle dem, es gab nichts, womit man ihn überführen konnte… bis man 1890 den Seaside Home Zeugen fand…

Ich hoffe, dir reicht diese Antwort aus. Vielleicht verhaue ich mich mit allem aber ich denke, die Polizei fand Jack the Ripper recht schnell und die Umstände waren so, wie ich sie schildere oder ähnlich. Es sollte zumindest nicht verwundern.

Gruß, Lestrade.     





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Offline Stordfield

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Re: Joseph Isaacs
« Antwort #9 am: 20.01.2016 21:52 Uhr »
Hallo!

Danke für Deine Mühe, Lestrade! Ich bewundere immer noch Deine Gabe, schnelle und weitschweifige Antworten zu geben.
Wenn ich Dich jetzt richtig verstanden habe, dann hat sich die Mordwaffe innnerhalb von fünf Jahren in Deiner Vorstellung von einem machetengroßen Instrument, das man nur in Papier gewickelt, als Paket transportieren konnte, zu einem Taschenmesser gewandelt.
Klar, Letzteres würde ja auch besser zu Deinem Verdächtigen passen. Ich meine dies nicht abschätzig.  :praising: 

Gruß Stordfield 
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Offline Lestrade

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Re: Joseph Isaacs
« Antwort #10 am: 20.01.2016 22:06 Uhr »
Hi!

Wie ich damals schon schrieb, finde ich ein Slicing Knife (Tranchiermesser) zum Ripper passend. Aber ich kann das nicht wirklich einschätzen. Die gibt es so um die 25cm länge also noch keine Machete. Bei dieser Länge dachte ich damals, er hätte es vernünftig verpackt. Aber bei jemanden, der eher den Blitzangriff bevorzugt macht es mehr Sinn, den schnellen Zugriff darauf zu haben... deshalb dann eher aus heutiger Sicht direkt am Mann tragend mit einem gewissen Schutz natürlich... den besagten Mann mit dem violetten Wollschal konnte man damals nur ein Rasiermesser zuordnen aber das hatte wohl damals nahezu jeder bei sich, vermute ich... damit jene Wunden zugefügt zu haben, glaube ich aber eher nicht...
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