Autor Thema: Jacob Levy  (Gelesen 64529 mal)

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Offline Lestrade

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Re: Jacob Levy
« Antwort #420 am: 05.03.2017 13:25 Uhr »
Nein, da gebe ich euch recht, das Stride ihren Mörder nicht gekannt haben muss! Nicht zwingend. Ich will dazu gleich noch ein paar Gedanken einbringen.

Was fällt mir auf? Ich vernachlässige jetzt einmal die Genauigkeit der Zeugenbeschreibungen, der Uhrzeiten als auch die Frage, ob eine Person innerhalb kurzer Zeit zweimal am gleichen Spot attackiert werden kann. Beim letzteren, klar, das ist ein Erfahrungswert aber es kann dennoch passieren.

Für mich eher vorstellbar ist, dass der Stride Mörder die Person war, mit der sie von PC Smith gesehen wurde. Um 00.35 ist dieser Mann noch da, um 00.45 Uhr, als Schwartz und BS Man sowie Pipeman auftauchten, ist er unsichtbar. Hatten Stride und dieser Mann ausgemacht, im Yard aktiv zu werden, könnte er um 00.45 Uhr bereits im Yard gestanden haben, unsichtbar, während diese drei genannten Personen auftauchten. Möglicherweise stand Stride nur am Eingang, um zu schauen, ob die Luft rein ist. Das war sie nicht.

Als sie von BS Man, offensichtlich grundlos, angegriffen wurde (was jedoch auch zum Ripper passen sollte), er sie zu Boden warf, sie leise mehrmals schrie, scheint es mir unmöglich, dass Sie etwas in der Hand oder den Händen hätte halten können. Gefunden wurde dort nichts, was sie hätte verlieren können. Für mich scheint es gut möglich, dass BS Man die Szene einfach verließ, so wie Schwartz als auch Pipeman. Gefunden wurde sie jedoch mit diesen Minzbonbons im Papier in einer ihrer Hände. Sollte da tatsächlich ein Weinstrung in der anderen gewesen sein (Kozebrodsky), hätte sie quasi nach der Attacke von BS Man beide Hände voll gehabt. Zwischen der Attacke von BS Man und ihrer Tötung, gab es also etwas Zeit, diese Dinge in die Hände zu nehmen. Weintraubenstengel wurden tatsächlich noch später entdeckt und sie hatte auch Fruchtflecken auf ihrem Schal. Und es scheint ganz klar, dass Packer ihrem Begleiter welche verkauft hatte. Ich spinne mir jetzt aus, dass sie nach der ersten Attacke, die Bonbons aus einer Tasche holte und ihr Mörder ihr die Weintrauben gab oder wiedergab. Alles vielleicht um sich zu beruhigen oder sich beruhigen zu lassen. Die tödliche Attacke war ganz klar ein schneller und effektiver Blitzangriff. Zeit zum reagieren blieb nicht. An einem Handrücken von ihr, fand man getrocknetes Blut. Gut möglich, dass sie dennoch während dieses schnellen Blitzangriffes, eine Hand Richtung ihres Halses bewegte, ohne jedoch irgendetwas noch abwehren zu können. Nun reagieren wir alle wohl unterschiedlich in solchen Situationen. War sie so schockiert von der vorherigen Attacke und unfähig etwas fallenzulassen? Ging das einfach viel zu schnell dafür? Wie würdet ihr oder ich denn reagieren? Ich denke, meine Reaktion nach solch einem Vorfall wäre, dass ich, gerade eben schon Richtung Hals angegriffen worden, alles fallenlassen würde. Das bedeutet nicht, dass ich das überleben würde aber ich würde wohl so handeln. Aber das würde wohl nur bei jemand sein, der mir absolut fremd wäre. Würde das ein Freund oder Bekannter tun, wäre ich mir nicht sicher, diese Dinge fallenzulassen. Mit diesem Freier, der unsichtbar im Yard stand, muss sie sich auch nach dieser Attacke sicher gefühlt haben, obwohl er ihr vorher nicht zur Hilfe kam.  Dazu kommt noch, dass Packer sagte, dass er Sie als auch ihren Begleiter vom Sehen her kannte, er hatte sie schon mehrmals vorher in der Straße bemerkt.

Die Polizei suchte später immer noch nach BS Man und den Mann, den PC Smith sah. Nach Pipeman wurde wahrscheinlich gar nicht mehr gesucht. Es ist möglich, dass Pipeman gefunden wurde, dass liest man auch in Berichten. Schwartz wurde zwar ernst genommen, es könnte jedoch sein, dass seine als auch eventuelle Piepman Aussagen nicht ganz identisch waren.

Aber wie oft erwähnt, die Geschehnisse in der Berner Street bleiben sehr rätselhaft. Auch gut möglich, dass der Ripper diese Location doch nicht ganz so sicher fand, nachdem er Stride getötet hatte. Vielleicht fiel ihm einfach ein, dass die eben in der Straße aufgetauchten Männer, wieder auftauchen könnten, vielleicht sogar mit der Polizei. Also sah er von Verstümmelungen ab.

Zwingend gekannt haben muss sie ihren Mörder nicht aber ich möchte das einfach nicht gänzlich ausschließen. Und Stordfield schrieb auch noch ein wichtiges Wort: Lizzy! Hätte jemand wie Schwartz Lipski statt Lizzy verstanden haben können? So etwas könnte implizieren, dass BS Man, wenn auch nicht als Mörder, sie gekannt haben könnte. Und wenn sie ihn kannte, sich trotz seiner Attacke nicht in Gefahr sah, dann könnte das auch auf jemand anderen zugetroffen haben.

@Stordfield:

Ich sehe nichts in den polizeilichen, gerichtlichen oder gerichtsmedizinischen Untersuchungen, dass darauf hindeutet, dass Stride dermaßen behandelt worden wäre. In einem solchen Falle, hätte sie auch nun wirklich nichts in den Händen halten können.

Lestrade.

Wer wartet mit Besonnenheit, der wird belohnt zur rechten Zeit...

Offline Arthur Dent 2

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Re: Jacob Levy
« Antwort #421 am: 31.03.2017 23:57 Uhr »
Hallo zusammen!


Hier meine Kurzfassung, warum ich Jacob Levy für einen guten Verdächtigen halte:

1. Er lebte innerhalb von JTRs Aktionsradius und nur etwa 300-400 Meter von den Schlafplätzen der Opfer entfernt - Stichworte Ortskenntnis, schnelle Flucht- und Rückzugsmöglichkeit.
2. Er war Metzger - grundlegende Kenntnisse in Anatomie und Umgang mit Messern, Kehlschnitt wie beim Schlachten, Schnelligkeit des Ausweidens unter Zeitdruck und bei wenig Licht, blutige Kleidung und Organe nicht per se verdächtig.
3. Seine Beschreibung passt auf Zeugenaussagen: jüdisch, passendes Alter und Größe.
4. Er zog sich Syphilis zu - vermutlich bei einer Prostituierten: Erklärung für Motiv und Opferauswahl.
5. Er stürzte wirtschaftlich und sozial ab, wurde straffällig und schließlich psychisch krank.
6. Seine Mutter starb kurz vor der Mordserie - möglicher finaler Stressauslöser.
7. Die Wege von Verdächtigen führten Richtung Middlesex Street / Butcher's Row und die Polizei beobachtete einen Verdächtigen in der Butcher's Row.
8. Eddowes Schürze wurde in der Nähe der Wohnung seines Bruders gefunden.
9. Er wurde in die Psychiatrie eingewiesen mit der Begründung, er schlafe nachts nicht mehr, sondern wandere oft für Stunden ziellos umher. Er befürchte, jemandem Gewalt anzutun, wenn man ihn nicht aufhalte. Er höre Geräusche und Stimmen, die ihm befehlen und ihn zwingen Taten zu begehen, die er nicht mit seinem Gewissen vereinbaren könne.
10. Er behauptete, sein Bruder hätte sich selbst die Kehle aufgeschlitzt - dabei hat er sich erhängt.
11. Es bestand eine familiäre Verbindung zum Zeugen Joseph Hyam Levy, der sich seltsam verhielt, als wisse er mehr, als er zugeben wollte.
12. Führende Polizeibeamte schrieben über ihren  Hauptverdächtigen, dass er ein Jude war, der in  nächster Nähe zu seinen Opfern lebte und schließlich in eine Irrenanstalt eingewiesen wurde.


MfG, Arthur Dent